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Milchproduktion

Neuseeland: Produktionssprung und Exportboom

von , am
23.05.2012

Neuseeland ist der weltweit größte Exporteur von Milchprodukten. Aufgrund hoher Weltmarktpreise hat das Land die Produktion stark ausgeweitet. Der Export ist in den letzten 3 Jahren um 20 Prozent gewachsen.

Die Sahne war zwar 'nur' für den heimischen Markt bestimmt, doch nach den Vorfällen von 2013 könnte auch das dem angekratzten Image schaden. © steffenw/fotolia
Der Anteil der neuseeländischen Exporte am globalen Handel mit Milchprodukten liegt bei einem Drittel. Die EU kommt auf einen Handelsanteil von knapp 25 Prozent und die USA auf etwa 10 Prozent. Im zu Ende gehenden Milchwirtschaftsjahr (Juni bis Mai) hat das Land auf der Südhalbkugel nach Berechnungen der FAO seine Ausfuhren (in Milchäquivalent) nochmals um rund acht Prozent ausgeweitet. Im Vergleich zu 2009 ist der neuseeländische Export sogar um fast 20 Prozent gewachsen. Dahinter steht eine überaus kräftige Ausweitung der Milchproduktion.
 
Voraussetzung für dieses sehr kräftige Wachstum waren die hohen Weltmarktpreise und die sehr guten Absatzmöglichkeiten am Weltmarkt. Mehr als 85 Prozent seiner eigenen Milchproduktion muss Neuseeland in Form von Milchprodukten exportieren. In der EU sind es knapp acht Prozent. Diese Relation macht die außerordentlich starke Abhängigkeit der neuseeländischen Milchwirtschaft von der Entwicklung am Weltmarkt deutlich.
 

Wachstum ist exportgetrieben

Im letzten Jahr haben die sehr guten klimatischen Bedingungen, in Verbindung mit einem starken preislichen Anreiz, zu einem außergewöhnlich kräftigen Wachstum der neuseeländischen Milchproduktion geführt. Innerhalb eines Milchwirtschaftsjahres (Juni bis Mai) nahm die Produktionsmenge um knapp zehn Prozent auf etwa 19,9 Millionen Tonnen zu. Dieses Wachstum ist fast ausschließlich exportgetrieben, denn 85 Prozent der Gesamtproduktion muss am Weltmarkt abgesetzt werden.
 
Größter Absatzmarkt für die Neuseeländer ist seit dem Jahr 2009 China. Dazu hat auch ein Freihandelsabkommen mit dem Reich der Mitte beigetragen, dass die Zölle für neuseeländische Milchprodukte sukzessive reduziert und den Neuseeländern damit Wettbewerbsvorteile verschafft. Nach den Daten des USDA gehen etwa 18 Prozent aller neuseeländischen Ausfuhren nach China. Seit dem Jahr 2008 hat sich der neuseeländische Export nach China fast verfünffacht. Wichtigste Exportprodukte für den chinesischen Markt sind Vollmilchpulver und Magermilchpulver.

Export wächst weiter

Weitere wichtige Absatzmärkte für neuseeländische Milchprodukte waren 2012 die USA, Japan, Australien und die Philippinen. Hinzu kommen weitere Länder Asiens und Nordafrikas. Im internationalen Vergleich war Neuseeland im abgelaufenen Jahr der weltweit führende Exporteur von Vollmilchpulver und Butter. Bei Käse und Magermilchpulver rangierte das Land nach Statistik der FAO jeweils auf Rang drei.
 
Das immense Produktionswachstum des letzten Jahres erfordert angesichts der begrenzten Absatzmöglichkeiten am Binnenmarkt indessen einen fortgesetzten Ausbau der Exporte. Im Zeitraum Januar bis März 2012 nahmen die neuseeländischen Ausfuhren bei Butter immerhin um neun Prozent zu, bei Butteröl übertraf man den Vorjahreswert um knapp 50 Prozent. Auch bei Magermilchpulver konnte Neuseeland seine Exporte in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 um rund vier Prozent steigern und bei Vollmilchpulver stabil halten. Bei Käse wuchsen die Ausfuhren in den ersten drei Monaten des Jahres sogar um 22 Prozent.

Globale Handelsplattform ist Indikator

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Ein wichtiger Indikator für die Entwicklung der internationalen Exportpreise ist die vom neuseeländischen Molkereikonzern Fonterra betriebene globale Handelsplattform Global Dairy Trade. Dort wird ein wachsender Teil der neuseeländischen Milchprodukte im Rahmen von Auktionen vermarktet. Bis zu acht verschiedene Produkte werden dort für verschiedene Liefertermine gehandelt. Bei Vollmilchpulver waren dies in den letzten beiden Jahren bereits zwischen 40 und 60 Prozent der neuseeländischen Gesamtproduktion und auch der Handelsanteil der anderen Produkte wächst stetig.
 
Zudem handeln neben dem neuseeländischen Milchgiganten Fonterra (NZ), mit Arla (DK), Dairy Amerika (USA) und Murry Goulburn (Aus) weitere internationale Konzerne. Hinzu kommen über 600 registrierte Milchhändler. Damit ist das Gewicht der Handelsplattform stetig gewachsen. Bei den letzten Auktionen sind Preise allerdings kräftig gefallen und liegen im gewogenen Mittel derzeit rund 40 Prozent unter den Preisspitzten vom letzten Jahr. Ein Sprecher des neuseeländischen Milchkonzerns Fonterra kündigte Mitte Mai eine Senkung des Auszahlungspreises für Landwirte um neun Prozent an.

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