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Milchproduktion

Nüssel: Keine weiteren Milcherzeugergemeinschaften

© Tom Bayer/fotolia
von , am
26.06.2012

Landshut - Eine klare Absage erteilt Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), Forderungen von Agrarpolitikern in Bund und Ländern, verstärkt Erzeugergemeinschaften im Milchsektor aufzubauen.

Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, ist für eine Streichung der Superabgabe. © Serfling
"Die Bildung von Erzeugergemeinschaften trägt nicht zur Stabilisierung des Milchpreises bei", sagte Nüssel bei der Generalversammlung der Bayerischen Milchindustrie in Landshut. Seiner Auffassung nach führen zusätzliche Erzeugerorganisationen stattdessen zur Zersplitterung des Rohmilchangebots.
 
"Deshalb muss das Rad der Selbstorganisation der Landwirte zur Stärkung ihrer Marktposition nicht neu erfunden werden", betonte der DRV-Präsident. Er wies zugleich darauf hin, dass das Ende 2011 verabschiedete EU-Milchpaket in Deutschland keine neuen Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit zwischen Milcherzeugern und Molkereigenossenschaften schaffe.

Besser Genossenschaften stärken

Keinen Zweifel ließ Nüssel daran, dass er angesichts der Entwicklungen in der Milchwirtschaft und dem Engagement ausländischer Anbieter in Deutschland weitere Impulse für Strukturanpassungen in der genossenschaftlichen Milchwirtschaft erwartet. Vor diesem Hintergrund appellierte der Verbandspräsident insbesondere an die bäuerlichen Mitglieder, kontinuierlich die Marktposition und Strategie des genossenschaftlichen Unternehmens zu überprüfen. Ziel müsse es sein, das eigene Unternehmen zu stärken und die Wertschöpfung zu verbessern. Das seien die besten Voraussetzungen dafür, dass die Genossenschaft in der Hand der Milcherzeuger bleibe. Zugleich forderte Nüssel dazu auf, mehr Kooperationen einzugehen und enger mit anderen genossenschaftlichen Partnern zusammenzuarbeiten.
 

BDM protestiert gegen Einschränkungen

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM und die Milcherzeugergemeinschaft MEG Milch Board kritisieren das Vorhaben des Bundesagrarministeriums, die Möglichkeiten der Milchbündelung für die Erzeuger einzuschränken. BDM und MEG Milch Board kritisieren, dass die Regierung mit diesem Gesetzesentwurf das eigentliche Ziel, mehr Wettbewerb um Rohmilch zu schaffen, konterkariere.
 
Um die Länderagrarminister aufzufordern, den Vorschlag des Bundesagrarministeriums nicht mitzutragen und das Marktstrukturgesetz zu erhalten, werden die Milcherzeuger am 27. und 28. Juni in mehreren Bundesländern Kundgebungen veranstalten.
 
München, Ludwigstr. 2: 27. Juni, ab 11 Uhr
Mainz, Kaiser-Friedrich-Str. 1: 27. Juni, ab 11 Uhr
Hannover, Calenberger Str. 2: 27. Juni, ab 14.30 Uhr
Düsseldorf, Schwannstr. 3: 28. Juni, 28. Juni, ab 13 Uhr
 
Weitere Aktionen sind in Hessen und Mecklenburg-Vorpommern geplant.

EU-Mitglieder lehnen Mengensteuerung ab

Erzeugergemeinschaften dürfen das Angebot von Qualitätserzeugnissen bei Absatzschwierigkeiten nicht drosseln, dies war das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Parlament und Rat vergangene Woche über das Qualitätspaket Das Europäische Parlament kam mit ihrem Wunsch nicht durch. "Wir haben unser Ziel nicht erreicht", gab die Berichterstatterin Itraxe Garcia Perez zu. Die Spanische Sozialdemokratin betonte, die Debatte bleibe offen und werde in den Verhandlungen um die Agrarreform fortgeführt. Die Europaabgeordneten möchten Erzeugergemeinschaften das Recht zugestehen, die Menge von Produkten mit geschützten Herkunftsangaben in Krisenfällen zu vermindern, um deren Preise zu stabilisieren.
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