Login
Milchproduktion

Nur langsame Erholung am Milchmarkt erwartet

von , am
29.09.2009

Berlin - Die erwartete Erholung am Milchmarkt wird eine langsame sein. Davon geht der Geschäftsführer der Absatzförderorganisation Dairy Farmers of Canada, Richard Doyle, aus.

© Rony Zmir/Fotolia

Wie der Kanadier vergangene Woche beim Weltmilchgipfel des Verbandes der Milchwirtschaft (VDM) in Berlin erklärte, hat man es mit hohen Beständen zu tun, die in den vergangenen Monaten aufgebaut worden sind. Auch warte man auf eine Nachfrageerholung in Asien. Mit einem schnellen Aufschwung rechnet Doyle vor diesem Hintergrund nicht. Die Geschäftsführerin der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung GmbH (ZMB), Monika Wohlfarth, wies darauf hin, dass angesichts von rund 280.000 t Magermilchpulver in EU-Interventionsbeständen die Vorräte Anfang September rund ein Drittel einer EU-Jahresproduktion an Magermilchpulver erreicht hätten. Auch in China werde von hohen Beständen berichtet. Die Vereinigten Staaten hätten insgesamt 130.000 t Magermilchpulver aufgekauft, diese Mengen aber über bestimmte Hilfsprogramme wieder direkt in den Markt gegeben. "Der Milchmarkt leidet unter den Konsequenzen des Preisanstiegs aus dem Jahr 2007, verstärkt durch die Finanz- und Wirtschaftskrise", bilanzierte Wohlfarth.

Abgeschwächtes Produktionswachstum weltweit

Das Wachstum der Weltmilchmenge wird sich laut Wohlfarths Prognose in diesem Jahr gegenüber 2008 mit einem Plus von 0,9 Prozent auf 695 Millionen Tonnen deutlich abschwächen, nachdem der Zuwachs im Vorjahr noch 1,5 Prozent betragen hatte. Die weltweiten Molkereianlieferungen sollen mit 368 Millionen Tonnen konstant bleiben. Eine Prognose zum globalen Milchkonsum gab Wohlfarth nicht ab. Im vergangenen Jahr war der Milchverbrauch gegenüber 2007 weltweit um ein Prozent auf 686 Millionen Tonnen gestiegen.

Der Vorsitzende des Milchindustrie-Verbandes (MIV), Dr. Karl-Heinz Engel, geht unterdessen davon aus, "dass demnächst der Nachfragezuwachs am Weltmarkt größer sein wird als die Zunahme der Produktion weltweit". Erdöl exportierende Länder kauften wieder Milcherzeugnisse und die großen Schwellenländer wie Indien und China zeigten erneut wachsenden Bedarf. Die verbesserte Situation der Weltwirtschaft führe bereits zu einer höheren Nachfrage.

Käsemarkt mit Schlüsselrolle

Eine Schlüsselfrage für die Milchverarbeiter in der Europäischen Union wird sein, wie trotz der Wirtschaftskrise die Exporte von hochveredelten Produkten wie Käse stabilisiert werden können. Wie MIV-Chef Engel beim VDM-Weltmilchgipfel betonte, werden 46 Prozent der in Deutschland angelieferten Milch zu Käse verarbeitet. Der Käsemarkt wachse weiter, auch wenn man 2008 eine Stagnation verzeichnet habe. Jurgen Jansen von der niederländischen Milch-Produktschap Zuivel rechnet hingegen 2009 mit einem weiteren Rückgang der weltweiten Käseausfuhren, nachdem schon 2008 eine leichte Abnahme verzeichnet worden sei. Er wies auch auf die Bedeutung Russlands beim weltweiten Handel mit Milchprodukten hin. Fast die Hälfte des von Russland importierten Käses stamme aus der Europäischen Union, 30 Prozent aus Weißrussland sowie 18 Prozent aus der Ukraine. Für Weißrussland sei Moskau praktisch der einzige Abnehmer im Export, konstatierte Jansen und verwies vor dem Hintergrund des russisch-weißrussischen Milchhandelskonflikts auf die Schwierigkeiten einer solch einseitigen Ausrichtung.

Venezolanische Petrodollars für Milchpulver

Wie Wohlfarth sieht auch Jansen die starken Preisfluktuationen kritisch, die in manchen Verarbeitungsbereichen ein Umschwenken auf die Nutzung pflanzlicher Produkte bewirkt hat. "Wenn wir die Kunden jetzt nicht zurückgewinnen, könnten wir künftig Probleme haben", mahnte Jansen. Er machte am Beispiel Venezuelas aber auch deutlich, dass der Weltmilchmarkt stark von neu auftretenden Akteuren beeinflusst wird. Die Vollmilchpulverimporte des südamerikanischen Landes hätten sich 2008 im Vergleich zum Niveau des Jahres 2005 verdreifacht. Allerdings werde 2009 vor dem Hintergrund des niedrigeren Ölpreises mit einem Rückgang gerechnet. Jansen zufolge hat Venezuela stark auf den Milchpulverimport zur Lösung von Ernährungsproblemen seiner Bevölkerung gesetzt und die Einfuhren mit den Erlösen der Erdölexporte bestritten.

Dynamik für erneute Absatzsteigerung

Aber auch in anderen Erdteilen sieht Jansen eine starke Dynamik zur Steigerung des Milchprodukteabsatzes, so beispielsweise in Asien auf den Philippinen und in Indonesien sowie in Westafrika in Nigeria. Was die eigentlich exportorientierten Agrarproduzenten in Südamerika angeht, rechnet der Marktexperte aus den Niederlanden damit, dass Brasilien sich im Milchbereich vorerst auf den Heimatmarkt konzentriert. In Argentinien hätten schwierige Jahre für eine Erosion der Exporte gesorgt, nicht aber zu einer Beseitigung des Exportpotentials geführt. Mit einem Volumen von 45,7 Millionen Tonnen Milchäquivalent nahm der Außenhandel mit Molkereiprodukten laut Jansen im vergangenen Jahr knapp sieben Prozent der globalen Rohstoffmenge auf. Im vergangenen Jahrzehnt sei der Welthandel stärker gestiegen als die Produktion. (AgE)

Auch interessant