Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Kälberaufzucht

Optimales Tierwohl im Kälberstall

Kälber sind die Zukunft der Herde. Was braucht es für ein optimales Tierwohl bei der Aufzucht?

am Samstag, 31.12.2022 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Kälber müssen gemäß Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung von Geburt an Sicht- und Berührungskontakt zu ihren Artgenossen haben. Die neueste Verordnung fordert dabei nicht nur trockene Liegeflächen, sondern auch weiche oder elastisch verformbare Unterlagen. Ab 2023 dürfen Kälber erst ab 28 Tagen statt wie bisher ab 14 Tagen transportiert werden. Es kann sein, dass die EU diese Regelung sogar noch auf 35 Tage verlängert.

Künftig mehr Kapazitäten für Kälber vorhalten

Das bedeutet, dass Betriebe künftig mehr Kapazitäten für die Kälberaufzucht vorhalten müssen als bisher. Kälber dürfen derzeit noch bis zu höchstens acht Wochen bei entsprechendem Platzangebot noch einzeln gehalten werden. In der Praxis stellen jedoch viele Betriebe bereits vor dem Absetzen auf Gruppenhaltung um.

Da laut Verordnung auch zwei Kälber als Kleingruppe zu sehen sind, bietet sich für größere Betriebe die Möglichkeit an, altersgemäß passende weibliche Tiere im Duo aufzuziehen. Das bringt Vorteile mit sich, wie wissenschaftliche Untersuchungen eindrücklich belegen. Die Kälber animieren sich gegenseitig zur Futteraufnahme, sind insgesamt robuster und entwickeln sich besser. Sie sind offener gegenüber neuen Futtermitteln, was für das Absetzen vorteilhaft ist. Nicht selten fressen gemeinsam aufgezogene Rinder sogar später als Milchkühe nebeneinander. Systeme, bei denen eine Einzelhaltung durch Herausnehmen einer Trennwand zur Doppelhaltung umgebaut werden kann, haben sich in der Praxis bewährt.

Maschinelles Entmisten spart Arbeit

Einsparpotenziale finden sich bei der Haltung und der Arbeitszeit. Erfolg versprechen Lösungen, bei denen vorhandene Gebäude genutzt werden, die sowohl vom Tierwohl als auch arbeitswirtschaftlich sinnvoll und gut gestaltet sein müssen. Ein Beispiel, wie das in der Praxis aussehen kann, hat die Hochschule Nürtingen-Geislingen mit einer Bachelorarbeit untersucht. Sofern es möglich ist, beispielsweise durch einen An- oder Neubau, Platz für das Jungvieh zu schaffen, muss die Entmistung mechanisiert oder automatisiert erfolgen.

Außerdem sollten die Tiere mit geringem Aufwand durch Schwenktore von der eingestreuten Liegefläche auf den Fressgang gesperrt werden können, damit von außen maschinell entmistet werden kann. Planbefestigte Fressgänge lassen sich mit stationären Schiebern reinigen, sodass die Laufbereiche sauber bleiben. Offene Wandseiten sorgen für einen optimalen Luftaustauch.

Angepasste Jungviehaufzuchtställe

Da die Tiere kontinuierlich wachsen, ist es erforderlich, dass die Abtrennungen, zum Beispiel zum Futtertisch, immer wieder angepasst werden, damit das Futter stets gut erreichbar ist. Bei Haltungssystemen, in denen die Tiergruppen regelmäßig in größere Buchten umgestallt werden, stellt sich diese Frage weniger. Verbleiben die Tiere jedoch in einer Bucht, benötigt man praktikable Lösungen.

So hat der Fresseraufzuchtbetrieb Scheck GbR im Alb-Donau-Kreis mit seinem Stalleinrichter ein System entwickelt, das einen einfachen Umbau ermöglicht. Dabei wird bei der Fressabtrennung einfach nur beidseitig ein Fixierungsbolzen entfernt und dann das unterste Rohr entsprechend versetzt.

Rinderstall: Automatisches Einstreuen

Im Aufzuchtstall von Max Steigmiller in Oberschwaben liegen die Rinder in tiefem Stroh. Hier wird mit einer schienengebundenen Anlage automatisch zweimal täglich eingestreut. Die Abteile bieten für jeweils 40 weibliche und männliche Tiere Platz. Der Stall steht über den Sommer leer, weil die Tiere auf der Weide sind. Dadurch reicht die Mistlagerkapazität im Stall für ein Jahr. Die Stufen zum Fressbereich sind durchgängig betoniert. Dadurch ist beim Ausmisten eine Abschiebekante vorhanden. Insgesamt beträgt der Niveauunterschied 70 cm. Den können die Tiere nur durch eine Stufe überwinden. Damit haben sie kein Problem, denn sie können auch seitlich hochsteigen.

Außerdem ist der Fressgang mit einem rutschsicheren, emissionsmindernden Gummirillenboden ausgeführt. Eine baulich-technische Besonderheit hat sich der Betrieb im Bereich der Buchtenabtrennung einfallen lassen. Es gibt eine hochklappbare Stange, die entweder nach unten ragt, wenn die Mistmatratze noch niedrig ist, oder nach oben, wenn sie gewachsen ist und eine höhere Abtrennung erforderlich wird.

Lösungen für kuhgebundene Aufzucht

Auch im Bereich der kuhgebundenen Kälberaufzucht sind Lösungen gefragt. So hat Familie Rutschmann im Klettgau einen Klappmechanismus entwickelt, durch den die Kälber nach der Kontaktzeit mit den Müttern und Ammen im Begegnungsraum flexibel in ihren Strohbereich zurückgelangen können.

Die Kälbergruppe ist im ehemaligen Kuhstall untergebracht. Hier dient der alte Futtertisch als Tiefstreubereich und ist auf diese Weise gut maschinell zu entmisten. Links und rechts ist Platz für das Jungvieh. Die jüngeren Tiere liegen in Tiefstreubuchten mit Schwarzwälder Aufstallung. Den älteren Tieren stehen Liegeboxen zur Verfügung. Der Tiefstreukälberbereich bietet ein geschütztes Kleinklima unter klappbaren Deckeln an. Ansonsten ist der Stall im Vergleich zur ursprünglichen Nutzung mit weniger Tieren belegt und verfügt über ein verhältnismäßig hohes Luftvolumen. Dadurch ist keine zusätzliche Lüftungstechnik nötig, während sonst häufig Ventilatoren oder eine Schlauchbelüftung für ein optimales Klima bei Jungtieren in Altgebäuden sorgen.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe Februar 2023
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...