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Milchproduktion

Ozeanische Milchwirtschaft fürchtet Quotenwegfall in der EU

von , am
07.03.2012

Canberra - Die Milchwirtschaft in Ozeanien fürchtet Wettbewerbsnachteile durch das für 2015 geplante Ende der Quotenregelung in der EU.

Die neuseeländischen Milchbauern haben ihre Produktion deutlich gedrosselt. © Mühlhausen/landpixel
Kevin Bellamy, Milchmarkt-Analyst bei der Rabobank in Utrecht, wurde diese Woche während seines Besuchs in Neuseeland und Australien von Branchenteilnehmern auf diese Problematik angesprochen und versuchte, die Bedenken auszuräumen.
 
Die mittelfristig steigende Nachfrage nach Milch weltweit werde ein höheres Angebot aus Europa aufnehmen können, gab sich Bellamy optimistisch. Es sei daher wenig wahrscheinlich, dass der Wegfall der Quoten in der EU der Milchwirtschaft in Australien und Neuseeland schaden werde, erklärte der Experte laut Dow Jones News.

Milchquoten in der EU nicht ausgenützt

Der Rabobank-Analyst schätzt, dass durch die Abschaffung der EU-Quoten eine zusätzliche Menge von neun Millionen Tonnen Milch auf den Markt gelangt. Das entspreche zwar in etwa der gesamten australischen Jahresproduktion. Doch das Verbrauchswachstum in Europa könnte allein 3,6 Millionen Tonnen der gesamten Mehrproduktion abschöpfen. Die verbleibende Menge von gut 5,4 Millionen Tonnen werde wahrscheinlich hauptsächlich an Absatzmärkte im Nahen Osten und nach Russland fließen, so Bellamy. Die klassischen Exportmärkte Australiens und Neuseelands, Südostasien und China, seien folglich weniger betroffen. Allerdings haben auch europäische Molkereien den attraktiven Drittlandmarkt China für sich entdeckt.

Milcherzeugung wandert in die Gunstlagen

Bellamy wies die neuseeländischen und australischen Branchenteilnehmer darauf hin, dass die europäische Milchproduktion zwar durch den Wegfall der Quoten zunehmen werde, doch würden schon heute die Milchquoten in manchen Mitgliedstaaten nicht ausgenützt. Der Rabobank-Analyst erwartet allerdings eine Verschiebung der Milcherzeugung von den weniger effizienten Produktionsregionen im Süden und Osten Europas in den Norden und Westen. Dort werde die Erzeugung steigen, wenn die preislichen Anreize hoch genug gesetzt werden, meinte er. Im Zuge dieser Entwicklung dürften auch die Produktionskosten für Milch in Europa sinken, da das Angebot zunehmend in Gunstregionen erzeugt würde. Österreichische Experten haben in diesem Zusammenhang wiederholt betont, dass die Alpenrepublik mit ihrem hohen Anteil an Berg- und benachteiligten Gebieten von dieser Produktionsverschiebung negativ betroffen sei.
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