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Haltung und Mast

Paris hebt Impfpflicht gegen die Blauzungenkrankheit auf

von , am
18.08.2010

Paris - In Frankreich wird ab November die bislang bestehende Impfpflicht gegen die Blauzungenkrankheit wegfallen. Eine entsprechende Entscheidung hat das von Bruno Le Maire geleitete Landwirtschaftsministerium getroffen.

© agrarfoto.com

Dieser Schritt, auf den die Verbände der Tierhalter gedrängt hatten, könnte allerdings im kommenden Wirtschaftsjahr den Export beeinträchtigen. Für die laufende Kampagne 2009/10 gibt es den Fachleuten zufolge keine Probleme, zumal alle Tiere bereits geimpft worden seien. Für das kommende Jahr müssten jedoch noch die Einzelheiten mit Spanien und Italien, den wichtigsten Abnehmern von Lebendtieren aus Frankreich, geklärt werden. Mit beiden EU-Partnerländern bestehen bilaterale Abkommen, die Brüssel allerdings künftig nicht mehr dulden will.

"Soweit sind wir allerdings noch nicht", relativierte Marc-Henri Cassagne, Leiter der französischen Organisation für Tiergesundheit und -hygiene (FNGDS). Die Regelung mit Spanien und Italien gilt nach seinen Worten vorerst weiter. Allerdings müssten die staatlichen Dienststellen dafür sorgen, dass die Lieferungen von Lebendtieren in die beiden Länder auch 2011 störungsfrei durchgeführt werden könnten.

Viehhandelsverband skeptisch

Der französische Viehhandelsverband (FFCB) plädiert dafür, den Wegfall der Impfpflicht zunächst mit den europäischen Partnerländern und Drittstaaten abzuklären, um die Absatzchancen Frankreichs nicht zu gefährden. Laut FFCB sollten Lebendtiere, die für den Export bestimmt sind, weiterhin von einem Tierarzt geimpft werden und aus einem geimpften Bestand stammen. Notwendig sei in jedem Fall eine EU-konforme Regelung. Mit Blick auf das bilaterale Abkommen mit Italien, dem wichtigsten Abnehmer für sogenannte Fresser - also Kälber im Alter von drei bis sechs Monaten, für die derzeit zwischen der Impfung und der Verbringung der Tiere nach Italien eine Wartezeit beziehungsweise ein virologischer Test vorgeschrieben sind - sollen die Auflagen ebenfalls gelockert werden. Seit März 2008 dürfen nur noch geimpfte Rinder nach Italien geliefert werden.

Auflagen für Tiertransport entschärft

Weiter entschärft werden sollen in jedem Fall die Auflagen für den Tiertransport nach Spanien. Bei Lieferungen innerhalb Frankreichs schließen die Fachleute nicht aus, dass die Abnehmer weiterhin auf geimpften Tieren bestehen könnten. In diesem Fall plädiert die Behörde für Tiergesundheit dafür, den Viehaltern die Möglichkeit einzuräumen, selbst zu impfen. Die FNGDS arbeitet zugleich an einem biologischen Test, mit dem die tatsächlich erfolgte Impfung nachgewiesen werden kann. Cassagne sieht Vorteile in einer freiwilligen Impfung. Unter anderem könnte der Termin selbst gewählt werden, womit die Möglichkeit bestünde, zum Beispiel Tiere während der Trächtigkeitsdauer zu verschonen. (AgE)

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