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Haltung und Mast

Per Impfpflicht gegen das Schmallenberg-Virus?

von , am
20.02.2012

Das Schmallenberg-Virus breitet sich momentan ungehindert aus. Forscher arbeiten bereits fieberhaft an einem Impfstoff und die Frage nach einer Impfpflicht steht erneut im Raum.

Nach Schätzung der Tierärztekammer werden jährlich etwa 180.000 tragende Rinder geschlachtet. © Mühlhausen/landpixel
Seit der Erstentdeckung des Virus in einem Stall in der Nähe von Schmallenberg im Sauerland, breitet sich das seitdem so genannte Schmallenberg-Virus ungehindert aus. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit meldet täglich neue Fälle in der Bundesrepublik, aber auch in den Niederlanden, Belgien, Großbritannnien und Frankreich werden mehr und mehr Neuinfektionen gemeldet.
 
Übertragen wird das Virus von blutsaugenden Insekten wie Stechmücken und Gnitzen und führt anfangs zu Fieberanfällen. Das ganze Ausmaß der Seuche zeigt sich jedoch beim Nachwuchs. Während die Muttertiere oft gesunden, kommt es bei den Nachkommen zu starken Missbildungen, Früh- und Totgeburten. Das FLI rät den Schaf- und Rinderzüchtern, Schutzmittel gegen blutsaugende Insekten einzusetzen. Man geht davon aus, dass infizierte Tiere einen Immunschutz ausbilden, da man nach der Infektion neutralisierende Antikörper gegen das Virus nachweisen kann. Die Dauer dieser Immunität ist jedoch noch nicht bekannt.

Die Entwicklung eines Impfstoffs braucht Zeit

Die Forschung arbeitet eifrig an der Entwicklung eines Impfstoffs, um die Seuche möglichst schnell in den Griff zu bekommen. Laut FLI konzentrieren sich die Forscher auf einen inaktivierten Impfstoff. Die Entwicklung eines Prototypen dauert jedoch mehrere Monate. Im Anschluss daran muss der Stoff auf Nebenwirkungen und Wirksamkeit geprüft werden. Der Entwicklungsprozess dauert voraussichtlicht bis 2013.

Parallelen zur Blauzungenkrankheit

Im Zuge der Entwicklung des Impfstoffs kommt nun wieder die Frage auf, ob es eine Impfpflicht geben soll - wie 2008/2009 im Fall der Blauzungenkrankheit. Das Blauzungenvirus zeigt gewisse Ähnlichkeiten zum Schmallenberg-Virus. Es wird ebenfalls von Stechmücken auf Schafe, Rinder und Ziegen übertragen. Auch bei diesem Virus kommt es zu Missbildungen und Aborten.
 
Da sich das Virus 2007 rasant und flächendeckend innerhalb Deutschlands ausbreitete, verordnete der Bund eine Impfpflicht, die jedoch vielerorts auf Widerstand traf. Der Impfstoff gegen den Blauzungenvirus wurde ebenfalls unter Zeitdruck entwickelt und im Zuge der Dringlichkeit frühzeitig freigegeben. Eine erlassene Dringlichkeitsverordnung des Bundesministeriums für Landwirtschaft hatte den Einsatz nicht zugelassener Impfstoffe ermöglicht.

Umstrittene Verträglichkeit

Einige Landwirte haben sich der Verordnung aufgrund der Risiken von Nebenwirkungen vehemet widersetzt. Die Impfschäden stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen der Impfung, argumentierten die Bauern. Einige berichteten nach Impfung von Fehlgeburten und Bullen, die unfruchtbar geworden seien. Unklar ist jedoch, ob dies auf den Impfstoff zurückzuführen ist.
 
Grundsätzlich wurde von Seiten der Behörden eine gute Verträglichkeit berichtet. Mittlerweile ist die Blauzungenkrankheit in Deutschland offiziell ausgerottet und die Impfpflicht aufgehoben.
 
agrarheute.com interessiert Ihre Meinung zum Thema Impfpflicht beim Schmallenberg-Virus. Rechts können Sie an unserer Umfrage teilnehmen.
 
Weitere Informationen morgen im Podcast in unserer Mediathek:
agrarheute.com im Gepräch mit Dr. Franz J. Conraths, Leiter des Instituts für Epidemiologie am Friedrich Loeffler Insitut für Tiermedizin.
 
 

Aufklärungsvideo der Stiftung tierärztliche Hochschule Hannover

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