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Milchqualität

QM-Milch: Das kommt 2020 auf Sie zu

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am Donnerstag, 07.11.2019 - 11:01 (Jetzt kommentieren)

Zum 1. Januar 2020 wird der neue QM-Milch-Standard 2020 in Kraft gesetzt. Er löst den derzeitigen Standard 2.0 ab. Neu sind Fokusbereiche, in denen Mindestpunktzahlen erreicht werden müssen.

Das Wichtigste zuerst: Für den neuen Standard gibt es keinen Übergangszeitraum. Er gilt direkt und für alle ab dem 1. Januar 2020. Die Änderungen: Künftig werden fünf zusätzliche Kriterien abgefragt. Zudem werden drei sogenannte Fokusbereiche (Tierschutz, Milchhygiene und betriebliches Umfeld) definiert, in denen eine Mindestpunktzahl zu erreichen ist.

Fünf zusätzliche Kriterien

Die neuen Kriterien fragen diese Bereiche ab:

  • Ermittlung des Trächtigkeitsstatus: Landwirte müssen den Trächtigkeitsstatus belegter Rinder ermitteln. Das kann mithilfe eines Besamungs- oder Deckregisters erfolgen oder mittels Trächtigkeitsuntersuchung durch einen Besamungstechniker, Tierarzt oder Eigenstandsbesamer. Ist ein Zeitpunkt der Belegung nicht nachvollziehbar, ist eine Ultraschalluntersuchung oder ein Labortest (zum Beispiel PAG-Test) durchzuführen. Die Ergebnisse der Trächtigkeitsuntersuchungen sind zu dokumentieren und Belege vorzuhalten. Tiere im letzten Drittel der Trächtigkeit dürfen nicht zum Schlachten gehen.
  • Haltungsbedingte Mängel und Technopathien: Hier liegt der Fokus auf Verletzungen, zum Beispiel äußeren Wunden oder Veränderungen der Gelenke. Um das Kriterium zu erfüllen, dürfen höchstens 5 Prozent der Tiere entsprechende Veränderungen aufweisen.
  • Effiziente antibiotikareduzierte Behandlung: Hierfür müssen Beratungen und Behandlungen des Tierarzts protokolliert werden. Hierzu zählen zum Beispiel die Ergebnisse der Leitkeimbestimmung, jede klinische Mastitis mit Zellzahlen der letzten drei Milchleistungsprüfungstermine, Vorerkrankungen und aktuelle Behandlungen. Ein Antibiotikum darf nur nach tierärztlicher Untersuchung gegeben werden. Sowohl das Behandeln klinischer Mastitiden als auch die Gabe von Trockenstellern erfolgt nach Tierarztanweisung. Einen zusätzlichen Punkt gibt es, wenn Nachweise über Erregertests aus den letzten sechs Monaten vorgelegt werden können. Es reicht, wenn die Zellzahlen im gleichen Zeitraum in jedem Monat unter 150.000 Zellen/ml liegen. Wird antibiotisch trockengestellt, ist mindestens einmal im Jahr eine Probe zu ziehen.
  • Lagern von Arzneimitteln: Arzneimittel sind separat und in einem abschließbaren Raum oder Schrank zu lagern, sodass Unbefugte keinen Zugriff haben. Nach dem Verfallsdatum dürfen Medikamente nicht mehr verabreicht werden.
  • Erscheinungsbild des Betriebs: Der Betrieb darf nicht dauerhaft verschmutzt oder extrem unaufgeräumt sein. Es sollen kein Unrat, Schrott, Reifen, Silofolien auf dem Hof herumliegen. Hofgelände und Zuwege sind weitgehend befestigt. Alte Gebäude und Flächen müssen funktionsfähig sein.
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Die neuen Kriterien erhöhen die Anzahl auf 69 Punkte (bisher 64). Die maximal erreichbare Punktzahl ist auf 81 (bisher 72) gestiegen. Die Mindestpunktzahl liegt künftig bei 61 (bisher 54). Dafür sind mindestens drei Viertel der möglichen Punkte zu erreichen (bisher 72 Prozent).

Drei Fokusbereiche

Kriterien, die einen besonders kritischen Einfluss auf die Lebensmittelsicherheit und Rückverfolgbarkeit haben, sind als Pflichtkriterien (K.o.-Kriterien) definiert. Von 69 Kriterien des Gesamtkatalogs sind 17 K.o.-Kriterien. Sie müssen in jedem Fall erfüllt werden. Ergänzend dazu weist der neue Katalog ausgewählte Kriterien (Fokuskriterien) der Bereiche Tierschutz, Milchhygiene und Betriebliches Umfeld aus, die damit einen höheren Stellenwert erfahren. In jedem Fokusbereich ist eine Mindestpunktzahl zu erreichen. Schafft der Betrieb die Hürde, bleibt das Prüfintervall bei drei Jahren. Wird die Latte gerissen – unabhängig davon, in welchem Bereich – verkürzt sich das Intervall auf 18 Monate. 

Wird beim QM-Milch-Audit die erforderliche Mindestpunktzahl nicht erreicht oder ein K.o.-Kriterium nicht erfüllt, gilt das Audit zunächst als nicht bestanden (mehr dazu finden Sie im Anhang"QM-Fokusbereiche und K.O.-Kriterien"). Eine Nachkontrolle findet bei Nichterreichen der Mindestpunktzahl oder bei Nichterfüllung eines K.-o.-Kriteriums innerhalb von einem Monat statt. Von Ausnahmen abgesehen, werden bei Nichterfüllen eines K.o.-Kriteriums bei der Nachkontrolle alle Kriterien nochmals geprüft.

Mehr Informationen finden Sie im Anhang.

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