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QM-Milch

QM plus: 1,2 Cent mehr pro Liter. Lohnt sich das?

Kuh an Kuhbuerste
am Donnerstag, 03.02.2022 - 05:00 (3 Kommentare)

Mit QM+ will QM den Standard an das Handelslabel haltungsform.de angleichen. Doch der Schritt auf die nächste Haltungsstufe ist mit Aufwand verbunden und nicht für jeden lohnenswert.

1,2 Cent mehr, soll es künftig als Tierwohlaufschlag geben, wenn man das Zusatzmodul QM+ als Ergänzung zum QM Standard erfüllt. Das Modul geht zum 1. April diesen Jahres an den Start mit einer Laufzeit von 36 Monaten. Darauf haben sich der Deutsche Bauernverband, der Deutsche Raiffeisenverband, der Milchindustrieverband und der Branchenverband des Deutschen Einzelhandels geeinigt.

Ziel ist es, QM-Milch künftig gemeinsam mit dem Label haltungsform.de des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) erscheinen zu lassen. Wer die QM-Basisstandards einhält und darüber hinaus die in QM+ geforderten Tierwohl- und Tiergesundheitskriterien erfüllt, dessen Milch lässt sich dann gemäß der Haltungsform 2 des Lebensmitteleinzelhandels vermarkten. Mit QM+, so die Verbände, habe man die Auslobungsfähigkeit des Systems QM-Milch hergestellt, indem man ein Tierwohlprogramm definiert habe.

Künftig soll der QM-Standard in Stufe 1 der Haltungsformkennzeichnung Eingang finden. Bereits beschlossen wurde darüber hinaus, dass noch im 1. Halbjahr 2022 das Programm QM++, in dem auch die Mindestkriterien der Stufe 3 der Haltungsformkennzeichnung berücksichtigt werden, umsetzungsreif ausgearbeitet wird.

Das Ziel von QM ist es künftig, das eigene Label in allen vier Haltungsformstufen des Handels zu integrieren.

Was fordert QM+?

Der Maßnahmenkatalog für QM+ umfasst neben den zu erfüllenden QM-Maßgaben weitere Forderungen, die vor allem das Tierwohl und die Tiergesundheit betreffen. Um den Bonus von 1,2 Cent pro kg zu erhalten, müssen alle Forderungen des Katalogs erfüllt werden. Diese umfassen:

  • Tierärztliche Bestandsbetreuung: Jeder Tierhalter hat seinen Bestand durch einen Tierarzt betreuen zu lassen.
  • Teilnahme am Antibiotikamonitoring: Der Tierhalter muss am Antibiotikamonitoring teilnehmen. (Teilnahme ist im Laufe des Jahres 2022 geplant.).
  • Teilnahme am indexierten Schlachtbefunddatenprogramm: Der Tierhalter muss am Schlachtbefunddatenprogramm teilnehmen (Teilnahme ist im Laufe des Jahres 2022 geplant).
  • Weiterbildungsmaßnahmen: Ein verantwortlicher Mitarbeiter des Milcherzeugerbetriebes (z.B. Herdenmanager, Betriebsleiter) muss einmal je Kalenderjahr an einschlägigen, fachspezifischen Weiterbildungsmaßnahmen zur Rinderhaltung teilnehmen.
  • Spezielle Haltungsanforderungen: Alle Tiere müssen sich zumindest zeitweilig frei bewegen können. Die reine Anbindehaltung ist verboten. Sofern die Tiere in Anbindung gehalten werden, müssen sie sich an mindestens 120 Tagen im Jahr mindestens zwei zusammenhängende Stunden pro Tag bewegen können.
  • Vergrößertes Platzangebot: In Laufställen müssen alle Tiere gleichzeitig liegen können. In Liegeboxenlaufställen muss jedem Tier eine Liegebox zur Verfügung stehen (Tier-Liegeplatzverhältnis 1:1).
  • Platzangebot für die Kälber: In der Kälberhaltung und Aufzucht muss jederzeit eine uneingeschränkt nutzbare Fläche in entsprechender Größe zur Verfügung stehen: Bis 150 kg: 1,5 m²/Tier, über 150 bis 220 kg 1,8 m²/Tier und über 220 kg 2,5 m²/Tier.
  • Sauberkeit der Tiere: Alle Tiere müssen sauber sein. Es dürfen nicht mehr als 10 Prozent der Tiere (in Betrieben mit bis zu 25 Tieren maximal drei Tiere) verschmutzt sein und eine starke Klutenbildung im Fell aufweisen.
  • Scheuermöglichkeiten: Allen Tieren in Gruppenhaltung (im Laufstall, in Laufhöfen oder Bewegungsbuchten) muss eine funktionale Scheuermöglichkeit (z.B. als Scheuer-Kratz-Bürste) angeboten werden, mindestens eine pro Gruppe oder Bucht und mindestens ein Scheuergegenstand für jeweils 60 Tiere.
  • Weiche Liegefläche: Allen Tieren müssen weiche oder elastisch verformbare Liegeflächen wie Einstreu oder Gummimatten zur Verfügung stehen.
  • Verödung von Hornanlagen: Das Enthornen von Kälbern ist nur mit Sedierung und Schmerzmittelgabe bei unter sechs Wochen alten Rindern zulässig
  • Eutergesundheit: Der Parameter Gehalt an somatischen Zellen/ml muss mindestens viermal jährlich auf Einzeltierebene für die gesamte Herde dokumentiert werden. Dabei müssen mindestens 55 Prozent der Tiere weniger als 100.000 Zellen/ml aufweisen. Wird dieser Wert nicht erreicht, muss der Betrieb in Absprache mit seinem betreuenden Tierarzt Maßnahmen einleiten.
  • Abkalbebucht: Alle Färsen und Kühe müssen entweder auf der Weide oder separat im Stall abkalben können. Dabei sind zehn Quadratmeter pro Tier das Mindestmaß.

Schlachtkühe automatisch für ITW Rind anerkannt

Ein wesentlicher Vorteil für die an QM+ teilnehmenden Milchviehbetriebe soll darüber hinaus die Möglichkeit sein, dass sie ihre Schlachtkühe ohne weiteres Audit als Rindfleisch gemäß der Initiative Tierwohl Rindfleisch vermarkten können, die ebenfalls im Frühjahr 2022 an den Start gehen soll.

Bei einer Teilnahme an QM+ müssen sämtliche Basiskriterien für QM Tierwohl natürlich weiterhin erfüllt werden. Diese reichen unter anderem von den allgemeinen Haltungsanforderungen über Pflege der Tiere, Stallklima und Hygiene bis zum Umgang mit erkrankten Tieren und Schädlingsbekämpfung.

Wann lohnt sich die Teilnahme?

Ob sich die Teilnahme lohnt, hängt davon ab, welche Maßnahmen auf dem Betrieb ohnehin schon umgesetzt werden und welche hinzukommen. Je größer der Anteil von neuen Maßnahmen wird, desto unattraktiver dürfte die Teilnahme am Programm sein.

Die Frage, die sich allerdings stellen wird, ist, wie lange es dauern wird, bis der Handel die oben aufgeführten Punkte als Standard ansieht und fordert ohne dafür mehr bezahlen zu wollen. Diese Praxis ist nach den Erfahrungen beim ITW Schwein leidlich bekannt.

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