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Milchproduktion

Quotenjahr 2014/2015: Es droht eine Rekordstrafe

von , am
27.09.2014

Berlin - Den deutschen Milcherzeugern droht im letzten Quotenjahr wegen Überlieferung eine Superabgabe in Rekordhöhe. Laut aktuellen Berechnungen liegt die überlieferte Menge bereits bei über 570.000 Tonnen.

Zeitumstellung: Die Kühe geben weniger Milch. © Mühlhausen/landpixel
Wie aus einer Hochrechnung der Zentralen Milchmarkt Berichterstattung (ZMB) und der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) für die ersten fünf Monate des Quotenjahres 2014/15 hervorgeht, lagen die Anlieferungen an die Molkereien von April bis August 2014 mit rund 13,5 Mio. t um 3,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Unter Berücksichtigung der Fettkorrektur ergibt sich daraus für diesen Zeitraum bereits eine anteilige Überlieferung um etwa 573.000 t oder 4,4 Prozent.

Gestiegene Milchproduktion

Im Milchwirtschaftsjahr 2013/14 war die Referenzmenge um 588.000 t oder 1,9 Prozent überliefert worden, was eine Superabgabe von 163 Mio. Euro zur Folge hatte. Verschärft wird die Situation in diesem Quotenjahr durch das flächendeckend gestiegene Milchaufkommen, denn dadurch dürfte sich der Spielraum zur Saldierung von Über- und Unterlieferungen erheblich verringern, berichtet Agra-Europe.
 
"Unsere Milcherzeuger und Molkereien werden mit den Volatilitäten des Marktes umgehen müssen", betonte der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, anlässlich einer Veranstaltung der Milchmarktbeobachtungsstelle der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. "Wir haben ein gutes Milchwirtschaftsjahr mit ordentlichen Erlösen erlebt. Der stabile Erzeugerpreis der vergangenen Jahre, der positive langfristige Nachfragetrend am internationalen Markt und die Perspektive der auslaufenden Milchquotenregelung haben die Produktion weltweit stimuliert", so Folgart.

DBV kritisiert Stopp der Privaten Lagerhaltung

Die EU-Kommission habe jüngst gezeigt, dass sie in der Lage sei, schnell und flexibel auf die schwierige Marktsituationen durch das Russland-Embargo zu reagieren. Die Einführung von Beihilfen für die Private Lagerhaltung (PLH) von Butter, Magermilchpulver und Käse habe dazu beigetragen, dass sich etliche Marktsegmente preislich stabilisiert haben. Aufgrund der Wirksamkeit dieser Maßnahmen kritisiert der DBV die Entscheidung der EU-Kommission, die Private Lagerhaltung für Käse wieder auszusetzen.
 
Hintergrund dieser Entscheidung ist laut DBV das "völlig unverhältnismäßige Vorgehen einzelner Marktakteure": So habe ein südliches Mitgliedsland, obwohl es vom Russland-Embargo kaum betroffen ist, innerhalb kürzester Zeit für einen Großteil des Gesamtkontingentes für die PLH-Anträge eingereicht. Die Brüsseler Behörde sollte deshalb die Vorschriften für die Private Lagerhaltung - ähnlich wie bei Obst - entsprechend anpassen, damit nicht einzelne Staaten zulasten aller diese Marktordnungsmaßnahme ausnutzen können, so der Bauernverband.
 
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