Login
Milchproduktion

Ratgeber: Hyperkeratosen vermeiden, Mastitis vorbeugen

© agrar-press
von , am
08.12.2014

Hyperkeratosen sind ein oft unterschätzes Problem in den Milchviehbeständen. Sie sind schmerzhaft für die Kuh, drücken auf die Milchleistung und verursachen Behandlungskosten. Lesen Sie hier Tipps, um Hyperkeratosen zu vermeiden.

Euter.jpg
© krick/agrar-press
Hyperkeratosen an den Zitzenspitzen verhindern, dass sich der Strichkanal nach dem Melken zügig und vollständig schließen kann. Das Ergebnis: Erreger von der Zitzenhaut und von den Stallflächen können ins Euterinnere vordringen und Mastitis hervorrufen. Spätestens jetzt werden diese Hyperkeratosen auch "schmerzhaft" für den Landwirt, denn sie gehen zulasten der Milchleistung und verursachen Behandlungskosten.
 
Das dlv-Fachmagazin agrarmanager erklärt, wie Hornringe entstehen und gibt Tipps, wie sie sich vermeiden lassen.

Hyperkeratosen: Hautveränderungen werden oft zu spät erkannt

Milchproduktionsberater und Veterinäre beklagen, dass Hyperkeratose-Probleme in den Milchviehbeständen oft unterschätzt und viel zu spät ernst genommen werden. Eine Untersuchung der Hochschule Hannover an 8.863 Holsteinkühen in 16 nord- und mitteldeutschen Milchviehbetrieben zeigte im Jahr 2011 besorgniserregende Ergebnisse: Bei knapp 80 Prozent (%) der überprüften Zitzen zeigten sich nach dem Melken Konditionsstörungen wie Ödeme, Hautverfärbungen und Gewebeeinschnürungen.
 
Bei etwa der Hälfte aller Zitzenspitzen waren Hyperkeratosen in verschieden starker Ausprägung zu erkennen. Vorderzitzen waren dabei häufiger betroffen als Hinterzitzen. Erstaunlicherweise waren sich bei Befragungen nur wenige Landwirte des Problems bewusst. Das kann mehrere Ursachen haben:
  • Verhornungen wachsen nur langsam
  • Gewöhnungseffekt bei der regelmäßiger Begutachtung der Zitzen kann eintreten
  • schlecht ausgeleuchtete Melkstände
  • zu großer Zeitdruck
  • Kommunikationsprobleme unter den Melkern/zwischen Melker und Her- denverantwortlichem
Dabei ist der Melker derjenige, der bereits sehr frühzeitig Auffälligkeiten an den Eutern erkennen müsste, am deutlichsten lassen sich Hautveränderungen schließlich direkt nach Abnahme des Melkzeugs ausmachen.Eine Sensibilisierung (und wenn nötig Schulung) der entsprechenden Mitarbeiter kann sich für das Unternehmen also durchaus lohnen. Eutergesundheitsexperten empfehlen, bereits bei 20 bis 25 % auffälliger Zitzen mit Hyperkeratose-Symptomen im Gesamtbestand Melktechnik, die Melkstandausstattung und den Melkprozess gründlich unter die Lupe zu nehmen.
Denn neben einer gewissen genetischen Veranlagung - lange und dünne Zitzen mit spitzen Enden sind empfindlicher als kurze, dicke Zitzen mit stumpfen Enden, und auch dünnere Haut scheint einen negativen Einfluss zu haben - entscheiden diese Punkte über die Gesundheit der Zitzenhaut.

Hyperkeratosen: Probleme an den Zitzenspitzen

Warum trifft die Hpyerkeratose ausgerechnet die Zitzenspitzen und damit den Strichkanalausgang? Die Erklärung: In der Entlastungsphase verengt sich der Zitzengummi im Melkbecher. Runde Gummis kollabieren parallel ihrer Längsachse und werden flach. So üben sie verstärkt Druck auf die Zitzenspitze aus. Je weiter unten im Melkbecher das passiert (beispielsweise bei langen dünnen Zitzen und kletternden Melkbechern), umso stärker der Druck auf die empfindliche Haut.
 
Spitze Zitzenenden bieten dabei mehr Angriffsfläche als stumpfe. Und dünnhäutige Zitzen (wie sie vor allem bei Holsteinkühen auftreten) sind ebenfalls anfälliger. Die fleischigen Striche des Fleckviehs zum Beispiel stecken deutlich mehr weg, gefeit sind diese Tiere gegen Hyperkeratosen deswegen aber auch nicht.
 
Je schlechter die Melkzeuge sitzen, umso größer wird das Problem. Werden die Melkzeuge dann auch noch spät abgenommen, potenziert sich die Belastung für die Zitzenspitzen. Das passiert vorrangig bei zu niedrig eingestellten Milchflusswerten für die Abnahmeautomatik, zeitlich und organisatorisch überforderten Melkern oder Schwermelkern.

Tipp: Pulsation, Vakuum und Zitzengummis überprüfen

Diese Tipps können den genannten Mechanismen entgegenwirken:
  • zu lange Melkzeiten mit Blindmelkphasen vermeiden
  • zum Herdendurchschnitt passende Zitzengummis einbauen
  • regelmäßig Pulsation und Vakuum überprüfen lassen
  • Bullen anpaaren, die kürzere und robustere Zitzen vererben
  • Zitzengummisrichtig auswählen:Es entscheiden Größe, Flexibilität und Form über ihre Massagewirkung und über die Stärke des Drucks, den sie in der Entlastungsphase auf die Zitzenspitzen ausüben.

Hyperkeratosen: So unterstüzen Sie die Rückbildung

Sind Puls und Vakuum sorgfältig eingestellt, die Melkdauer auf die notwendige Länge reduziert und die Zitzengummis an die physiologischen Eutermerkmale der Herde angepasst, sollten die Hyperkeratosefälle zurückgehen. Denn das zumindest ist eine positive Seite der Hautveränderung: Sie ist reversibel.
 
Unterstützen kann man die Hornhautrückbildung durch hautpflegende Dippmittel. Und spätestens beim nächsten Trockenstellen hat die Zitzenhaut Zeit, zu regenerieren.
 
Bleibt noch zu vermerken, dass einige Kühe im Bestand wohl immer zu Hyperkeratosen neigen werden. Weichen Tiere in ihrer Zitzenform weit vom Herdendurchschnitt ab, ist auch mit sorgfältigst ausgewählten Zitzengummis nicht viel zu machen. Und extreme Schwermelker haben allein durch die verlängerte Melkzeit stets mit zu viel Belastung an ihren Zitzen zu kämpfen. Hier kann man nur züchterisch eingreifen und mit einer geschickten Bullenauswahl versuchen, die Probleme nicht in die nächste Generation zu schleppen.
Auch interessant