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Haltung und Mast

Ratgeber: Kraftfutter gezielter einsetzen

von , am
08.04.2015

Die Milchpreise sinken. Wie können Landwirte darauf kurzfristig am besten reagieren und wo kann man in der Fütterung bares Geld sparen? Das dlz agrarmagazin hat Unternehmensberater Bernd Lührmann gefragt.

Melkstand mit Kühen
Die sinkenden Butterpreise und höhere Anlieferungsmengen verheißen nichts Gutes für die Milchpreise. © Diersing-Espenhorst/dlz agrarmagazin
Im Gespräch mit dlz-Radakteur Markus Pahlke erklärt Bernd Lührmann, Unternehmensberater bei der LWK Niedersachsen, wie man die Milchvieh-Fütterung optimieren kann. Laut Lührmann lässt sich vor allem bei der Bestandsergänzung Geld sparen, indem man Überbelegungen abbaut. Gerade in Phasen niedriger Milchpreise gilt es, die Wirtschaftlichkeit des Einzeltiers zu optimieren. Aber auch die Bestandsergänzungsrate ist in einigen Betrieben wieder zu senken. Einige haben in den letzten Monaten die geringeren Färsenpreise zu einer schärferen Selektion genutzt. Dies wird sich vor dem Hintergrund stagnierender Schlachtkuherlöse und steigender Färsenpreise, die in den kommenden Monaten erwartet werden, nicht fortsetzen. Aber auch der Unterhaltungsaufwand ist von den Betriebsleitern auf das notwendige Maß zu begrenzen.
 
Auch in den Futterkosten stecken meist noch Reserven. Hier geht es vor allem um die Effizienz des Grundfuttereinsatzes. In den Auswertungen stellt der Unternehmensberater der LWK Niedersachsen regelmäßig fest, dass in Phasen guter Milchpreise die Betriebsleiter eher geneigt sind, auch teure bis sehr teure Spezialfuttermittel einzusetzen. Wenn diese Spezialfuttermittel nicht einen erkennbaren Erfolg erbracht haben, sollte man sie spätestens jetzt nicht weiter einsetzen.
 
Grundsätzlich ist aber auch dem Grundfutter mehr Bedeutung beizumessen, denn es ist das wichtigste Futtermittel für einen Milcherzeuger. So ist für 1 t Grassilage (Frischmasse) mit Erzeugungskosten (je nach Pachtpreisniveau) von mehr als 65 Euro zu rechnen. Die Tonne Maissilage (Frischmasse) ist mit mehr als 40 Euro zu veranschlagen. Vor diesem Hintergrund ist es verwunderlich, wie sorglos in einigen Betrieben mit dem Grundfutter umgegangen wird. Schließlich sind gute Grundfuttermittel die Basis einer wiederkäuergerechten Ration, einer gesunden Kuh und damit auch einer erfolgreichen Milcherzeugung.

Nicht im ersten Laktationsdrittel sparen

Bernd Lührmann ist seit 2001 als Unternehmensberater bei der LWK Niedersachsen tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Finanzierung, Optimierung und Ausrichtung von landwirtschaftlichen Betrieben. © Lührmann
Kraftfutter lässt sich im ersten Laktationsdrittel kaum sparen. Dafür gilt es, Altmelker restriktiver damit zu füttern. Spart man im ersten Laktationsdrittel, werden die Kühe nicht leistungsgerecht versorgt und das führt zu Gesundheitsproblemen mit nachfolgenden Eutergesundheits- und Fruchtbarkeitsproblemen. In der zweiten Laktationshälfte gilt es, Kraftfutter abhängig von der Milchleistung und vom Body Condition Score des Tiers vorzulegen, so Lührmann im Gespräch mit dlz-Redakteur Markus Pahlke.
 
Die Futtereffizienz sollte man mittels Rückwiegung von Futterresten optimieren. Sehr sinnvoll ist die laufende Kontrolle von gefütterter und gefressener Ration mittels Rückwiegung. Außerdem sollte man die Menge der eingesetzten Leistungsfuttermittel und die daraus erzeugte Milchmenge möglichst täglich kontrollieren und nachjustieren.

Liquiditätslücken schließen

Finanzielle Liquidität lässt sich nötigenfalls durch Vereinbarungen mit der Bank sicherstellen. Aus den letzten Tiefpreisphasen zeigte sich, dass bis zu drei Monatsmilchgelder ausgereicht haben, und die Phasen zu durchstehen. Allerdings haben die wenigsten Milcherzeuger drei Monatsmilchgelder frei verfügbar auf dem Tagesgeldkonto.
 
Deshalb sollte man möglichst kurzfristig ein Bankgespräch vereinbaren, um eine mögliche Liquiditätslücke zu schließen. Die Bank muss dabei die Modalitäten der Kapitalbereitstellung definieren. Außerdem ist es meines Erachtens extrem wichtig, die Zinsvereinbarung transparent zu gestalten und auch Rückzahlungs- beziehungsweise Umfinanzierungsmodalitäten zu benennen.

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