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Milchproduktion

Ratgeber: Mit Milchautomat in den Direktverkauf einsteigen

© Cholo Aleman/Wikipedia
von , am
15.06.2016

Bei den Milchpreisen setzen immer mehr Milchbauern auf Direktvermarktung und investieren in einen Milchautomaten. Tipps zur Anschaffung und Betrieb eines Automaten,

Einen Weg aus der Milchpreiskrise suchen einige Landwirte über die Direktvermarktung. Hersteller verzeichnen seit einem Jahr eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Milchautomaten. Die Erfahrung zeigt, dass der Ab-Hof-Verkauf von Milch mittels eines Automatens von den Verbrauchern gut angenommen wird, stellt Sabine Hoppe von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen fest. "Er läuft besser als der Rohmilchverkauf aus dem Tank, vielleicht weil es anonymer ist und als sauberer wahrgenommen wird.", so Hoppe. Damit sich die nicht geringen Investitionskosten auch rechnen, sollten Landwirte einige Dinge berücksichtigen.

Milchpreis am Automat: 1 Euro pro Liter

Die Investitionskosten für eine sogenannte Milchtankstelle bewegen sich zwischen 10.000 und 20.000 Euro (inkl. Einhausung). Preislich liegt die Anschaffung eines EU-zertifizierten Automaten zwischen 6.000 (Brunimat) und 12.000 Euro (Risto), je nach Funktionsumfang.

Angesichts der doch recht hohen Kosten, sollte der Verkaufspreis der Milch einen Euro pro Liter nicht unterschreiten. Ab etwa 50 Liter am Tag bei einem Milchpreis von einem Euro beginnt sich diese Direktvermarktungsform erst zu rechnen, schätzt der Milch-Fachberater Berthold Freymuth von der niedersächsischen Landesvereinigung Milchwirtschaft.

Veterinäramt in Planung einbinden

Vor der Anschaffung eines teuren Automatens sollte das zuständige Veterinäramt eingebunden werden. So mancher Beamte hat mit dem Ab-Hof-Verkauf von Rohmilch seine Probleme. Da kann es passieren, dass der Landwirt sich am Ende mit hohen Auflagen und weiteren Kosten konfrontiert sieht. Ein guter Draht zum Amt ist immer hilfreich.

Zudem sollte der Landwirt die Verträge seiner Molkerei dahingehend prüfen, ob er Milch anderweitig abgeben darf. Außerdem ist es empfehlenswert, sich fachkundig vor Ort beraten zu lassen. Einige Hersteller bieten die Möglichkeit für einen gewissen Zeitraum ein Testgerät zu leihen.

Erfolgsfaktoren: So klappt der Verkauf

  • Verkehrsgünstige Hoflage
  • Gut sichtbare Beschilderung
  • Offenes Milchhäuschen erhöht Sichtbarkeit und schützt Kunden vor Witterung
  • Gut zugänglicher Automat (keine Hindernisse, Türen)
  • Parkmöglichkeit muss vorhanden sein
  • Hohe Sauberkeit und freundliche Gestaltung
  • Mehrweg-Flaschen zur Verfügung stellen
  • Am Automaten über den Hof und die Produktion informieren
  • Werbung machen (Internetseite)

Augen auf beim Automaten-Kauf

Die preisliche Bandbreite bei Automaten ist groß - je nach Ausstattung und Funktionsumfang. Beim Kauf zu beachten ist:

  • Gerät sollte EU-zertifiziert sein.
  • Ein Milchhaus schützt den Automaten und auch den Kunden beim Einkauf vor Witterung und macht das Einkaufserlebnis etwas angenehmer.
  • Einen Automaten mit Wechselgeld-Funktion wählen, denn nichts ist für den Kunden ärgerlicher, als wenn er kein Wechselgeld zurückerhält.
  • Noch mehr Kundenzufriedenheit schafft ein Automat, der auch Scheine nimmt.
  • Milchausgabe, die ein Überlaufen verhindert: Gießmechanismus bei dem der Kunde den Knopf gedrückt halten muss und das Abfüllen konstant selbst steuert.
  • Ein Tank auf Rollen erleichtert den Transport der Milch zum Automaten.
  • Eine drahtlose Alarmfunktion (GSM), die den Besitzer per SMS über Leerstand oder Stromausfall informiert.
  • Für den Fall eines Defekts Servicetechniker in der Nähe. 

Rohmilchverordnung beachten

Bei der Rohmilch-Vermarktung ab Hof gilt es die Bestimmungen der Rohmilchverordnung zu beachten. Laut dieser muss an der Abgabestelle gut sichtbar und lesbar der Hinweis "Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen" angebracht sein. Die Rohmilch darf nur am Tag der Gewinnung und an dem darauf folgenden Tagen abgegeben werden. Eine durchgehende Kühlung muss sichergestellt sein.

Milchtankstelle richtig bewerben

Wer in die Direktvermarktung einsteigt, muss auch für sich Werbung machen. Mit einem Hinweischild an der Straße ist es meist nicht getan.

  • Ein kleines Hoffest anlässlich der Einweihung der Stählernden Kuh mit kostenloser Milchprobe kann ein guter Startschuss sein. Die zukünftigen Kunden können so auch den Hof und die Produktion kennenlernen. Das schafft Vertrauen und Kundenbindung.
  • Zudem können Flyer in den naheliegenden Ortschaften ausgelegt werden.
  • Viele Direktvermarkter setzen zudem auf eine eigene Webseite, auf der sie über den Hof informieren.
  • Alternativ bietet die Online-Plattformwww.milchtankstellen.com einen Marketingauftritt und einen kostenlosen Eintrag in eine bundesweite Standortübersicht von Milchautomaten.

 

Das sagen bayerische Kühe zum Welt-Milchtag

Bayerische Kuh
Übersetzung: Schauen wir mal, dann sehen wir schon. Bedeutung: Abwarten - ich bin ja keine Hellseherin. © LVBM
Bayerische Kuh
Übersetzung: Das ist eine gemähte Wiese. Bedeutung: Leichtes Spiel haben. © LVBM
Bayerische Kuh
Übersetzung: Grün und Blau wie des Kaspers Ehefrau. Bedeutung: Da passt modetechnisch nichts zusammen. © LVBM
Bayerische Kuh
Übersetzung: So laufen die Dinge eben. © LVBM
Bayerische Kuh
Übersetzung: Ein Päckchen Ohrfeigen ist schnell geöffnet. Bedeutung: Aufpassen, sonst vergesse ich meine gute Kälberstube! © LVBM
Bayerische Kuh
Übersetzung: Hier vertrocknet er dir. Hier vertrocknet er dir auch. Dort würde er dir auch vertrocknen. Bedeutung: Lassen Sie ihre Topfpflanze zu Hause, wenn Sie auf die Alm gehen, sonst quatschen Ihnen die Almkühe die Ohren voll. © LVBM
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