Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Rinderfütterung

Rinder: Automatisch Futter entnehmen und füttern – So geht´s!

Johann Lindinger ist nicht nur mit dem Fütterungsergebnis zufrieden. Die Technik bringt ihm mehr Milch und weniger Arbeit.

Familie Lindinger aus dem österreichischen Pram haben ein Fütterungssystem, dass nicht nur füttert, sondern auch automatisch entnimmt.

am Sonntag, 07.08.2022 - 05:00

Während andere Betriebe vor allem das Melken automatisieren, steht bei Familie Lindinger eines der ersten automatischen Fütterungssysteme, bei dem sowohl die Vorlage als auch die Entnahme automatisiert sind. Letztere erfolgt direkt am Fahrsilo und das Futter wird anschließend zur automatischen Futtervorlage transportiert. Ende letzten Jahres wurde das System auf dem Betrieb installiert. Damit gehören die Lindingers zu den ersten Betrieben mit dieser Technik.
 

Automatische Futterentnahme

Lift nennt der Hersteller die Entnahmetechnik. Am sogenannten Hauptmast befinden sich zwei Frästrommeln, die das Futter ähnlich wie beim Futtermischwagen am Silostock entnehmen. Die maximale Entnahmehöhe auf dem Betrieb Lindinger beträgt 2,5 m. Der Hersteller bietet aber auch einen Masten mit 5 m Höhe an, um auch Futter aus höheren Silos entnehmen zu können.
Die Trommeln fahren von oben nach unten. Dabei sind sie mit 50 U/min mit einer deutlich niedrigeren Drehzahl unterwegs als die Fräsen in selbstfahrenden Futtermischwagen. Das abgeschnittene Futter fällt nach unten und wird von zwei Querschnecken am Boden in die Mitte befördert. Hier befindet sich ein Ansaugkanal, über den der Futterstrom mittels Vakuum transportiert wird. Durch flexible Rohre aus Kunststoff und Edelstall mit einem Durchmesser von 200 mm saugt ein Gebläse mit einer Leistung von 18 kW und einem (Abscheide-)Zyklon das Futter Richtung Futtervorlagetechnik. Ein Zellenrad, das im Anschluss an das Gebläse installiert ist, sorgt dafür, dass das Futter in die mobile Mischwanne fällt und gleichzeitig das Vakuum aufrechterhalten wird.

Bis zu 100 m Ansaugkraft

Letzteres muss auf dem Betrieb Lindinger immerhin 80 m Wegstrecke und zusätzlich
6 m Höhe überwinden. Laut Hersteller sollen sich mit der Saugtechnik bis zu 100 m Strecke bewältigen lassen. Die flexiblen Rohre hat Lindinger teilweise unterirdisch verlegt, um den Bereich um die Siloplatte problemloser überfahren zu können. Abgedeckt ist der Kanal mit Holzbalken, die, je nachdem an welchem Silo gefräst wird, aufgedeckt werden.
Im Fahrsilo bewegt sich die Fräse eigenständig von rechts nach links und wieder zurück. Dabei orientiert sie sich mittels Sensoren auf beiden Seiten des Gestells.

Verteiltechnik steuert die Entnahme

Für eine Futtermischung der Kühe entnimmt das System rund 400 kg Futter aus dem Silo. Auf dem Betrieb Lindinger wird Sandwichsilage gefräst. Der Landwirt befüllt dafür zwei der drei Fahrsilos nur zur Hälfte mit Grassilage und füllt sie im Herbst mit Maissilage auf. Für die Entnahme der knappen halben Tonne braucht der Automat rund 15 Minuten.
„Bei reiner Maissilage ist die Entnahmedauer etwas kürzer und bei reiner Grassilage haben wir noch keine Erfahrung gemacht. Gesteuert wird der gesamte Prozess von der Verteiltechnik im Stall. Hier ist eine Waage integriert, die die Entnahmetechnik stoppt, wenn ausreichend Futter im Wagen ist“, erklärt der Milchviehhalter.  
In der Futterküche fällt der abgefräste Futterstrom in den bereitstehenden automatischen Futtermischwagen. Über eine Weiche lassen sich mehrere Silos ansaugen. So müssten bei separater Gras- und Maissilage auch zwei Entnahmesysteme im Silo installiert werden.
Viermal im Jahr muss er das System von einem Silo zum anderen umsetzen. Hierfür benötigt er etwa zwei Stunden. Im Sommer füttert er Grassilage und zusätzlich Mais aus einem Hochsilo. Auch hier saugt das Gebläse das oben abgefräste Futter ab.

Stromverbrauch bei 0,8 kWh

Der Stromverbrauch liegt bei rund 0,8 kWh je Kuh und Tag. Ein Teil des Stroms kommt von der eigenen Fotovoltaikanlage. Um den Sonnenstrom zu nutzen, mischt er die letzte Ration für die Kühe schon um 15:45 Uhr. Die Investitionskosten für die gesamte Technik von der Entnahme bis zur Vorlage lagen auf dem Betrieb bei rund 200.000 Euro. Das ist ein stattlicher Preis, doch die Investition lohne sich.
„Die bessere Futterstruktur, Wasser in der Ration und etwas mehr Kraftfutter hat die Milchleistung nach der Milchleistungskontrolle in den letzten fünf Monaten um über 10 Prozent ansteigen lassen“, erklärt der Milchviehhalter. Derzeit liege die Leistung der Fleckviehherde bei 8.800 kg. „Mit 10 Prozent mehr Milch und einem Aufstocken der Herde um 15 Prozent kalkulieren wir mit rund 10.000 bis 12.000 Euro mehr Umsatz im Jahr durch die neue Technik“, erläutert Johann Lindinger.

Das agrarheute Magazin Die digitale Ausgabe September 2022
agrarheute digital iphone agrarheute digital macbook
agrarheute Magazin Cover