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Haltung und Mast

Rinder-TBC: Neues Verfahren soll Landwirte entlasten

von , am
26.03.2013

Im Oberallgäu grassiert die Rindertuberkulose. Landwirte beklagten Keulungen ohne klaren Infektionsnachweis. Jetzt hat das Landesamt beim Untersuchungsverfahren nachgebessert.

Bayern produziert mit 24,3 Prozent die meiste Milch in Deutschland. © landpixel
Seit Ende 2012 führt das Landratsamt Oberallgäu Reihenuntersuchungen aller Rinderbestände im Landkreis durch. Einige Landwirte beklagten daraufhin ungerechtfertigte Keulungen, die sie auf das ungenaue Testverfahren zurückführten. Es wurden demzufolge Rinder gekeult, die bei der Nachuntersuchung keine Erreger aufwiesen. Zudem beteiligten sich 1.500 Landwirte an einer Unterschriftenaktion mit der Forderung, die bisher geltende 16-Wochen-Frist für positiv getestete Betriebe zu verkürzen.
 
Nun führte das bayerische Landesamt für Gesundheit und Ernährung (LGL) ein neues Untersuchungsverfahren ein. Weiterhin erließ das Bundeslandwirtschaftsministerium eine Eilverordnung, nachdem die Sperrmaßnahmen in bestimmten Fällen bereits nach sechs Wochen aufgehoben werden können. Die Untersuchungen sollen nun vom Oberallgäu auf elf weitere Landkreise am Bayerischen Alpenrand ausgedehnt werden.

Neues Testverfahren und kürzere Sperrzeiten

Seit Anfang März wird das Rinder-TBC-Testverfahrens mit dem sogenannten "Simultantest" durchgeführt. Das neue Nachweisverfahren ist ein Tuberkulin-Hautreaktionstest, bei dem eine Rötung oder Schwellung der Haut bei Tuberkulinkontakt Hinweis auf eine Infektion gibt. "Der Simultantest ist sehr zuverlässig, doch kann es auch zu einer zweifelhaften Reaktion kommen. Bei einem unklaren Testergebnis müssten die Tiere nicht mehr zwingend gekeult werden, sondern können nach sechs Wochen nachgetestet werden", so Claudia Schuller vom bayerischen Landesgesundheitsamt (LGL). In Kraft tritt außerdem eine Eilverordnung des Bundesagrarministeriums. Danach besteht künftig in vielen Fällen die Möglichkeit, dass Sperrmaßnahmen bereits nach 6 Wochen entfallen können.

Landesamt weitet Reihenuntersuchungen aus

Aktuell sind 25 Betriebe im Landkreis Oberallgäu von der Rindertuberkulose betroffen und gesperrt. Auf den Verdacht einer Infektion wurden bisher von 787 Betrieben 193 gesperrt. Von rund 27.000 getesteten Rindern im Oberallgäu konnte bei 536 Rinder Tuberkulose nachgewiesen werden (Stand 19. März). Es seien dabei immer nur einzelne Tiere betroffen. Dies würde darauf hinweisen, dass die Tiere sich außerhalb des Betriebes infiziert haben und dass die Infektion frühzeitig entdeckt wird.
 
Flächendeckende Untersuchungen hat bisher lediglich der Landkreis Oberallgäu durchgeführt. Jetzt sollen die Untersuchungen vom Oberallgäu auf elf weitere Landkreise am Bayerischen Alpenrand ausgedehnt werden, berichtet das Bayerische Landesamt (LGL). In den kommenden 18 Monaten sollen dort alle Rinder über 12 Monate getestet.
 

Rotwildtests in der Schonzeit problematisch

Auf TBC-Verdacht werden Testtiere im Wintergatter geschossen. © landpixel
Beim Rotwild konnte der gleiche TBC-Erreger-Stamm (Mykobacterium caprae) nachgewiesen werden. Die Behörden vermuten einen Zusammenhang. Das bayerische Umweltministerium ordnete TBC-Untersuchungen von Rotwild in den Wintergehegen an. Es sollten Testtiere geschossen werden. Die Jäger und Revierbesitzer haben auf die amtlichen Anordnungen mit rechtlichen Schritten gedroht. "Revierinhaber können nicht dazu gezwungen werden, das ist rechtlich bedenklich. Zudem sind die Muttertiere gerade hochträchtig", so der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Heinrich Schwarz. Nur noch bei sichtbaren Auffälligkeiten solle der Abschuss im Wintergatter erfolgen, fordern die Jagdverbände.
 
Momentan werden nur Tiere in Wintergattern der sogenannten Hotspot-Regionen geschossen und auf Rinder-TBC untersucht. Aktuell arbeitet das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit an einem Plan zum Rotwildmonitoring in der Schonzeit, so Schuller vom LGL. Kreisjagdverbandsvorsitzende Schwarz zufolge sollen derzeit Rotwild-Untersuchungen im Raum Obersdorf, Rohrmoos und im Stillachtal erfolgen.
 

Infektionsquelle bleibt unklar

Nach Meinung Schwarz seien die Verdächtigungen jedoch nicht haltbar, da die Rotwildbestände im Oberallgäu genetisch keine Verwandtschaft mit den infizierten Tieren aus dem betroffenen Lechtal in Österreich haben. Die Infektionsquelle könnten daher nur eingewanderte Tiere aus dem österreichischen Lechtal sein. Zudem konnte in der Region Hindelang, das am stärksten durchseuchten Gebiet, der Rinder-TBC-Erreger beim Rotwild nicht nachgewiesen werden. Die Infektionsquelle bleibt nach wie vor unklar, doch eine gegenseitige Infektion von Wild- und Nutztieren sei sehr wahrscheinlich, so Claudia Schuller, Sprecherin des bayerischen Landesamts.
 
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