Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Ganzjährige Freilandhaltung

Rinder im Winter auf der Weide: So kann es in der Praxis funktionieren

Die Tiere benötigen auf der Winterweide auch Schutz vor Wind. Hecken, Böschungen und Selbstbaulösungen mit Strohballen sind dafür geeignet.
am Donnerstag, 05.01.2023 - 09:30 (Jetzt kommentieren)

Winterweiden für weniger Kosten und mehr Tiergesundheit: Worauf man achten sollte und warum Anfänger-Tiere für Probleme sorgen.

Vor allem aus dem Grund, die Produktionskosten zu reduzieren, ist es zunehmend attraktiver geworden Rinder und Mutterkühe auch im Winter auf der Weide zu halten. Zudem sorgen die Klimareize und die Bewegung für gute Abwehrkräfte. Allerdings geht es nur mit den richtigen Standortbedingungen. Nicht jede Region ist für die ganzjährige Freilandhaltung geeignet Das bedeutet: geeignet sind nur Böden, die trittfest und grundwasserfern sind. Am besten sind Standorte mit sandige bis sandig-lehmigen Mineralböden mit einer dichten Grünlandnarbe. Solch eine Weide allein reicht aber trotzdem nicht aus.

So viel Stroh und Liegefläche brauchen Rinder auf der Weide

Wichtig für die Rinder ist vor allem der Schutz vor Wind, da dieser den Tieren große Wärmemengen entzieht. Als Windschutz können Hecken, Böschungen, Waldränder oder auch Selbstbaulösungen aus Strohballen dienen. Ebenfalls wichtig ist es einen ausreichend großen Liegebereich regelmäßig einzustreuen, um den kalten und feuchten Boden zu isolieren. Die Einstreumenge sollte zwischen 3 bis 15 kg Stroh je Tier und Tag liegen. Die eingestreute Fläche sollte so groß sein, dass alle Tiere der Herde gleichzeitig dort Platz finden. Das sind so mindestens 3,0 m2 /GV für hornlose Tiere und mindestens 6,0 m2 /Kuh für Horntragende. Eine Überdachung ist dabei nicht zwingend notwendig. Temperaturen von bis zu -30° C können so den Rindern und Mütterkühen nichts anhaben.

Tränken frostfrei halten: so kann es gehen

Auch die Tänkeversorgung steht beide der Winterweide im Fokus. Diese sollte trittfest sein und immer frostfrei gehalten werden. Dabei helfen zum einen frostsichere Tränken aus dem Fachhandel und zum anderen Lösungen Marke Eigenbau. Hierzu kann zum Beispiel ein kleineres Fass (GFK) in ein größeres gesteckt werden. Der Zwischenraum sollte dann mit Dämmmaterial ausgefüllt werden. Die Oberfläche kann dann zusätzlich mit einem darin schwimmenden Holzstück vor dem Einfrieren bewahrt werden. Werden die Rinder über Tränkebecken versorgt, kann man einen 5 Liter Kanister mit einem Glas Salz befüllen und mit Wasser auffüllen, ihn verschließen und dann in das Tränkebecken legen. So friert dieses dann ebenfalls nicht zu.

Der Futterplatz muss stimmen

Wird auf der Weide im Winter zugefüttert muss der Futterplatz trittsicher und trocken sein und möglichst über eine befestigte Anfahrt bis zur Koppel verfügen, damit er auch täglich erreicht werden kann. Setzt man auf eine Vorratsfütterung liegt das Tier-Fressplatzverhältnis bei höchstens 2:1. Wird über Raufen und Hänger gefüttert, sollten diese überdacht werden, damit das Futter trocken bleibt und die Futteraufnahme nicht sinkt. Um die Tiere im Herbst schon auf die Winterzeit vorzubereiten, in der sie die Körperfettreserven dazu nutzen, um die Körperwärmeverluste auszugleichen, ist es sinnvoll, sie schon vorher auf einen Body Condition Score von 3 bis 3,5 zu füttern.

Nur gesunde Tiere auf die Winterweide

Überwintern im Freien sollten allerdings nur gesunde Rinder und Mutterkühe. Ihr angeschlagenes Immunsystem sorgt auf der Winterweide vermehrt für Infektionskrankheiten und Anpassungsprobleme. Sie saufen und fressen weniger. Das Risiko für Abgänge steigt damit rapide.

Winterweiden sind nichts für Anfänger

Wichtig ist es auch, dass die Rinder sich an die Außenhaltung gewöhnen. Denn Studien aus den USA zeigten, dass Rinder, die die Freilandhaltung nicht kennen, keine guten Futtersucher sind und seltener vor Witterungen geschützte Bereiche aufsuchen. Das sorgt für Gewichtsverluste und Kältestress bei den unerfahrenen Tieren. Deshalb sollte man Weidegang auch schon in der Aufzuchtphase üben und vor allem nicht in der kalten Jahreszeit damit beginnen. Damit sich das wärmende Winterfell bilden kann, müssen die Tiere für die Winterweide schon ab dem Sommer durchgängig auf der Weide stehen.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...