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Haltung und Mast

Rinderhalter fühlen sich im Stich gelassen

von , am
01.09.2010

Paris - Die französischen Rinderhalter, deren Einkommen kontinuierlich sinken, sind verzweifelt. Ohne einen kräftigen Preisanstieg wird nach Einschätzung des Fachverbandes (FNB) gut ein Zehntel der Mastbetriebe bis Jahresende aufgeben müssen.

© Mühlhausen/landpixel.de

Anlässlich einer Pressekonferenz auf einem Rinderbetrieb in Ligné im westfranzösischen Departement Vendée forderte die Branchenvertretung deshalb die einjährige Stundung von Kreditrückzahlungen. Zugleich kündigte FNB-Präsident Pierre Chevalier für den 1. September eine Sitzung an, auf der über einen "strategischen Kriegsplan" und Protestaktionen entschieden werde.

Dabei habe man in erster Linie die Verarbeitungsindustrie und den Handel im Visier. Deren nicht vorhandene Transparenz bei den Spannen sei nicht länger zumutbar, warnte Chevalier. Um die Rentabilität der Betriebe zu sichern, müssen die Erzeugerpreise nach seinen Worten um 20 Prozent steigen.

Hoffnung auf die Vertragspolitik  

Mit Blick auf eine dauerhafte Einkommenssicherung befürwortet der FNB eine landesweite Vertragspolitik, wie sie im neuen Modernisierungsgesetz der Landwirtschaft und Fischerei ab 2011 vorgesehen ist. In dem Zusammenhang soll zugleich die Rolle der Interprofessionen gestärkt werden. Nach Ansicht des FNB besteht dringender Handlungsbedarf, zumal die derzeit extrem niedrigen Erzeugerpreise, die seit vier Jahren gesunkenen Einkommen und Rücklagen der Betriebe sowie der neuerliche Anstieg der Produktionskosten kompensiert werden müssen.

Regierung und EU in der Pflicht

Akuten Handlungsbedarf sieht der FNB ferner mit Blick auf die Einhaltung der internationalen Normen für importiertes Rindfleisch aus Drittländern und die rasche Umsetzung eines erneuten staatlichen Hilfsprogramms. Dieses sollte neben einer Stundung der Kreditzinsen eine auch in diesem Jahr vorgezogene Auszahlung der EU-Beihilfen und der Mutterkuhprämie (PMTVA), Hilfen für Witterungsschäden sowie die Übernahme der Beiträge zur landwirtschaftlichen Sozialversicherung und der Abgabe auf unbebaute Grundstücke umfassen.

Rentabilität der Betriebe akut gefährdet  

"Wir befinden uns am Rand eines Abgrundes, während die Europäische Union weiterhin 500.000 Tonnen Rindfleisch pro Jahr importiert", wetterte Verbandspräsident Chevalier. Man habe die Nase voll von Importen aus Südamerika, wo die Tiere ohne entsprechende Auflagen hinsichtlich des Umweltschutzes und ihres Wohlbefindens gehalten würden. "Gegen diese Ware in den Regalen der Supermärkte werden wir einschreiten", warnte der Verbandspräsident mit Blick auf die angedrohten Proteste nach der Sommerpause. Zugleich wies er eine Europäische Union mit zwei Geschwindigkeiten nachdrücklich zurück. (AgE)

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