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Tierseuche

Rinderherpes: betroffene Landwirte befürworten Impfung

Kühe im Stall
am Donnerstag, 14.10.2021 - 12:30 (Jetzt kommentieren)

Eine Impfung gegen Rinderherpes ist in Deutschland verboten. Doch betroffene Landwirte sehen darin die Rettung.

Im Tierbestand eines Rinderhalters in Pasewalk ist das Bovines Herpesvirus 1 (BHV1) festgestellt worden. Daraufhin wurde eine Sperrzone um mehrere Orte wie Bugewitz, Kosenow und Dargibell eingerichtet. In einem Interview mit dem Nordkurier sprachen sich betroffenen Landwirte für eine Impfung gegen das Rinderherpes aus. 

Züchter wie sie wären so vor einem Ausbruch der Krankheit geschützt, das würde Existenzen sichern und generell für mehr Tierwohl sorgen. Selbst ihre Tiere könnten sie mit einem kleinen Piks auch jetzt noch retten, sagt Familie K., deren Namen und Gesichter zum eigenen Schutz nicht öffentlich gemacht werden, gegenüber dem Nordkurier.
Doch vorsorgliche Impfungen sind in Deutschland gemäß einer EU-Richtlinie nicht mehr erlaubt, da die Bundesrepublik damit den Status als offiziell BHV-1 freies Land und damit zusammenhängende Vorteile verlieren würde. Dass das Virus in der Praxis dennoch seine Kreise ziehe, beweisen sowohl der vorliegende Fall sowie weitere Vorkommen in Westdeutschland, betonen die betroffenen Bauern im Interview mit Nordkurier.

Rinderherpes: Was bedeutet der Status BHV1-frei?

Seit dem 6. Juni 2017 gilt ganz Deutschland als BHV1-freie Region nach Artikel 10 der RL 64/432/EWG. Durch diesen "Herpes-frei"-Status entstehen Marktvorteile beim Verkauf von Tieren in andere EU-Mitgliedsstaaten und ggf. auch Drittländer. Auch der innerdeutsche Rinderhandel wird durch die landesweite Harmonisierung des BHV-1-Status wesentlich kostengünstiger und unkomplizierter. 

Jedoch darf dieser Status nicht darüber hinwegtäuschen, dass in manchen Bundesländern noch vereinzelt BHV-1-positive Betriebe beziehungsweise Tieren gemeldet werden. Auch Neuausbrüche sind möglich. Zudem weisen Mitarbeiter des Friedrich-Loeffler-Instituts und des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) darauf hin, dass das weitgehende Fehlen natürlicher Infektionen bei gleichzeitigem Impfverbot zu hoch empfänglichen Rinderpopulationen führen kann.

BHV1: So schützen Sie Ihre Rinder vor Herpes

Was bedeutet BHV1 für den Rinder haltenden Betrieb?

Infektionen mit BHV1 müssen in Deutschland offiziell gemeldet werden. Geregelt ist das seit 1997. Die „Verordnung zum Schutz der Rinder vor einer Infektion mit dem Bovinen Herpesvirus Infektion Typ 1“ (BHV1-Verordnung) soll die Ausbreitung der Tierseuche verhindern. Eine Therapie bei BHV1 im engeren Sinne gibt es nicht. Einmal infizierte Tiere bleiben lebenslang latent infiziert und können weiterhin das Virus produzieren und verbreiten, auch wenn typische Krankheiten nicht mehr ausbrechen.

Aufgrund der hochansteckenden Virusinfektion ordneten die zuständige Veterinäraufsicht vor ein paar Jahren die Schlachtung von 1.800 Tieren an. Im jüngsten Fall von Rinderherpes in Mecklenburg-Vorpommern würde das etwa 600 Rinder betreffen, im gesamten Betrieb haben die Landwirte momentan mehr als 1.000 Tiere in ihrer Obhut. Ein Szenario, das sich Familie K. gar nicht ausmalen möchte. Der Verlust wäre kaum zu kompensieren, sagt die Familie im Interview mit Nordkurier.

BHV1-Notimfpungen im Ausbruchsfall

In einer Stellungnahme der StIKo Vet steht folgendes: Im Ausbruchsfall kann die zuständige Behörde Notimpfungen anordnen, wenn dies aus Gründen der Seuchenbekämpfung erforderlich ist. Aus Sicht der StIKo Vet sollte dies nur nach sorgfältiger Abwägung der gegebenen Umstände erfolgen. Geimpfte Tiere sollten nur für eine begrenzte Zeit und unter hohen Biosicherheitsstandards in den Beständen gehalten werden.

Mit Material von Nordkurier, StIKo Vet, FLI, Tierseucheninfo Niedersachsen

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