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Pasteurella multocida

Rinderseuche in sächsischen Mutterkuhherden ausgebrochen

Limousinherde
am Dienstag, 26.07.2022 - 13:32 (Jetzt kommentieren)

In mehreren Rinderhaltungen im sächsischen Vogtlandkreis ist die Rinderseuche (Pasteurellose) ausgebrochen. Das teilte das Landratsamt Plauen gestern mit. Dabei gab es erhöhte Tierverluste in den Herden. Die Rinder verenden nach Auftreten der Symptome in kürzester Zeit.

Die Krankheit wird durch den bakteriellen Erreger Pasteurella multocida hervorgerufen. Die Erkrankung ist in Deutschland weder anzeige- noch meldepflichtig. Es erkranken überwiegend Rinder unter zwei Jahren.

Die Rinderseuche tritt in Regionen Südostasiens, des Nahen und Mittleren Ostens und in Afrika auf. Ansonsten gilt sie weltweit weitestgehend als getilgt. 2013 trat die Seuche in Spanien auf. Es gibt Berichte über Ausbrüche in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bayern und Sachsen. 2021 war bereits eine Jungrinderherde bei einem vogtländischen Milchviehbetrieb mit erheblichen Verlusten betroffen.

Pasteurella überlebt mehrere Tage in Boden und Wasser

Empfängliche Tierarten sind alle Haus- und Wildwiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen, Büffel, Zebus, Bisons, Reh-, Rot-, Sika- und Damwild), Haus- und Wildschweine. Wildwiederkäuer und die anderen genannten Tierarten erkranken jedoch seltener und weniger schwer als Rinder. Für den Menschen ist die Erkrankung ungefährlich.

Der Erreger kann in feuchtem Boden und Wasser mehrere Tage überleben. Eine Erregerausbreitung und Ansteckung erfolgt durch direkten Kontakt zu infizierten Tieren oder auch indirekt über kontaminiertes Futter oder Wasserstellen.

Rinderseuche: In zwei Tagen tot

Die Erkrankung verläuft meist perakut oder akut. Die Tiere zeigen plötzliche Niedergeschlagenheit, Bewegungs- und Fressunlust, haben hohes Fieber und starkes Speicheln. Blutiger Durchfall, blutiger Nasenausfluss, Unterhautödeme, Husten und Atemnot können hinzukommen und führen schließlich meist innerhalb von 24 bis 48 Stunden zum Tod. Langsamere Verläufe oder Spontanheilungen sind selten.

Die Rinder der vogtländischen Betriebe standen nach Informationen aus dem Landratsamt zum Zeitpunkt der Infektion auf der Weide. Ein Erregernachweis bei Wildtieren im Einzugsgebiet der Weiden konnte noch nicht geführt werden, da es bisher keine entsprechenden Totfunde gab.

Man nehme an, dass die Erkrankung durch Stechinsekten verbreitet werden kann. Insekten seien zwecks Nachweises des Erregers an die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen eingeschickt worden. Tierhalter sollten sich bei Verlusten zwingend beim Landratsamt melden. Therapeutisch kommen Antibiotika oder eine Impfung in Frage. Die Herstellung eines stallspezifischen Impfstoffes läuft bereits.

Pasteurellose: Ist der Wolf Schuld?

Auch in Mecklenburg-Vorpommern ist vor kurzem die Rinderseuche ausgebrochen. Hier waren Damhirsche betroffen, die ein zuständiger Revierförster vereendet auffand. Der Fachtierarzt für Mikrobiologie im Landeslabor Berlin-Brandenburg, Dr. Peter Kutzer, äußerte gegenüber dem Nordkurier die Vermutung, dass Wölfe Überträger des Bakteriums sein könnten. In einer Studie hatte Kutzer zusammen mit weiteren Kollegen nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen Wolfsterritorien und dem Ausbruch der Wild- und Rinderseuche gibt. Die Ausbrüche in den vergangenen Jahren wären häufig in Wolfsgebieten erfolgt. Auch im betroffenen Forstamt ist ein Wolfsrudel heimisch.

Bakterium Pasteurella multocida in Maulflora

Untersuchungen an verendeten Wölfen hätten gezeigt, dass das Bakterium in der Maulflora der Tiere vorkommt und so über lange Strecken transportiert werden kann. Der Wolf erkrankt an der Seuche nicht. Über Wasserstellen oder nicht tödliche Risse könne das Bakterium jedoch an Wildtiere oder Rinder weitergegeben werden, welche dann erkranken.

Mit Material von animal health online (aho), Pirsch
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