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Haltung und Mast

Rindertränken im Praxischeck

von , am
28.05.2015

Welches Tränkesystem ist auch ohne Strom frostsicher und welches lässt sich leicht reinigen? Die Vor- und Nachteile verschiedener Tränkesysteme im Überblick.

Rinder sind Saugtrinker und tauchen nur wenige Zentimeter ins Wasser ein. © Foto: Herrman/LLH
Wasser gilt als das wichtigste Futtermittel für alle landwirtschaftlichen Nutztiere. Es muss immer in ausreichender Menge und Qualität den Tieren zur Verfügung stehen. Aus Gründen des Tierschutzes ist eine uneingeschränkte Verfügbarkeit zwingend. Die Kontrolle der Tränken ist Teil der täglichen Routine. Dr. Hans-Joachim Herrmann, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) und der DLG-Ausschuss für Technik in der tierischen Produktion haben im DLG-Merkblatt 399 "Wasserversorgung für Rinder Bauliche, technische und bedarfsgerechte Lösungen" unter anderem die Tränkearten für Rinder vorgestellt. 

Schalentränken mit Ventilklappe oder mit Rohrventil

Schalentränken mit Ventilklappen - auch als Zungentränken bezeichnet - sind eindeutig Auslaufmodelle. Gründe für den Rückgang in der Bedeutung waren die Verschmutzungsanfälligkeit durch Ansammlung von Futterresten hinter der Betätigungszunge und die vergleichsweise hohen Betätigungskräfte. Abgelöst wurden sie durch Schalentränken mit Rohrsystem, die einen geringeren Verschmutzungsgrad ausfweisen und einfacher zu bedienen sind. Auch die Betätigung des Rohrventils ist sehr einfach. In Milchviehställen kommen sie bevorzugt in Sonderbereichen wie Kranken- oder Abkalbeställen zum Einsatz. In Boxen für Deckbullen mit Nasenring dürfen sie nicht eingebaut werden. Die Kosten der Anschaffung sind niedrig. Je nach Ausstattung sind die Becken beheizbar oder an eine Zirkulationsheizung anzuschließen.

Klappen- und Balltränken sind ohne Strom frostsicher

Ball- und Klappentränken kommen ohne Stromzufuhr zur Sicherstellung der Frostsicherheit aus und eigenen sich damit für einen Einsatz auf Weiden und in Offenställen, beispielsweise in der Mutterkuhhaltung. Der Wasserstand bzw. Nachlauf ist schwimmergesteuert. Die Wasserzufuhr erfolgt von unten aus dem Boden. Auch ohne Fremdenergie ist die Frost- bzw. Funktionssicherheit bis ca. minus 20 Grad Celsius gewährleistet. Tränken mit einer Tränkstelle reichen für 20 Tiere aus. Problematisch ist die Reinigung des Systems. Futter- und Wasseraufnahme liegen bei Rindern zeitlich oft sehr nah beieinander. Die dadurch sehr schnell eingetragenen Verunreinigungen lassen sich durch die kompakte geschlossene Bauweise weniger einfach entfernen als in anderen Systemen. Auf einen seitlichen Auslass ist deshalb beim Kauf und Einbau zu achten. Zudem ist bei Balltränken die Durchflussmenge für Milchkühe zu langsam und kann so zu einer verminderten Wasseraufnahme und damit zu einer verminderten Milchleistung führen.

Trogtränken gleich Goldstandard?

Trogtränken werden aus Edelstahl oder Kunstoff angeboten, auch eine Kombination der Materialien ist erhältlich. Den Tieren steht eine frei zugängliche Wasseroberfläche mit einer Tiefe von 30 bis 40 cm bei einer Troglänge, die zwischen 1 und 3 m variiert, zur Verfügung. Der Wassernachlauf erfolgt schwimmergesteuert. Die große Wasseroberfläche in Verbindung mit einer entsprechenden Wassertiefe lässt die Kuh artgerecht trinken und hat Trogtränken in den letzten Jahren oftmals zum "Goldstandard" erhoben. Allerdings steigt durch die große Oberfläche und die geringe Wasserdynamik auch das Risiko der Verschmutzung.  Eine gründliche Reinigung ist zwangsläufig mit einer Entleerung der Trogtränke verbunden.  Die Leistung der Heizung muss an die in der Tränke befindliche Wassermenge angepasst sein. In Übergängen bietet sich die Installation als Doppeltränke an, die paralell zur Buchtentrennwand montiert wird.
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