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Haltung und Mast

Rindertuberkulose: Ist der Dachs schuld?

© Anneke Struck
von , am
24.09.2015

Großbritannien startet erneut Maßnahmen gegen den Dachs. Er gilt dort als Überträger der Rindertuberkulose und soll intensiv bejagt werden. Es gibt jedoch auch viele Kritiker dieser Methode.

Großbritannien wird die Rindertuberkulose nicht los und ergreift erneut Maßnahmen. © M. Großmann/pixelio
Die britische Regierung hat dem Dachs den Kampf angesagt. Wie das Fachmagazin Spektrum berichtet, sollen bis zu 2000 Tiere in drei Grafschaften geschossen werden.
 
Der Grund: Er soll für die Übertragung der Rindertuberkulose verantwortlich sein. Diese ist in England und Wales seit längerem ein Problem. Allein im vergangenen Jahr musste 28.000 Rinder notgeschlachtet werden.

Zweifel an der Schuld des Dachses

Es scheint erneut zu einer breit angelegten Diskussion zwischen Landwirten und Tierschutzverbänden zu kommen. Letztere betrachten den Dachs nicht als den Schuldigen. Denn andere EU-Länder wie Deutschland sind die Krankheit auch ohne intensive Dachsjagd schon vor Jahrzehnten losgeworden. Hier reichten regelmäßige Hauttests und konsequente Notschlachtungen aus, so Spektrum.

Teure Bekämpfung der Tuberkulose

100 Millionen Pfund kostet die jährliche Bekämpfung der Krankheit in Großbritannien. Bisher sind die Maßnahmen, wie Tuberkulintests, wenig zufriedenstellend.
 
Minette Batters, Vizepräsidentin der National Farmers Union (NFU), bezeichnet den Dachs als eine der Hauptursachen, da er den Erreger immer wieder einschleppe.

Bestände nahezu auslöschen

Laut Spektrum ist durchaus bewiesen, dass Dachse an Rindertuberkulose erkranken und auch andere Tiere anstecken können. Ihren Kot hinterlassen sie gerne auf Weiden, auf denen wiederum Rinder mit den Bakterien in Kontakt kommen. Die Dachskeulung scheint neueren Studien zufolge aber nur deutlichen Erfolg zu haben, wenn man den Bestand beinahe auslöscht, so Spektrum.

Tierschützer gegen Landwirte

Die Streitigkeiten zwischen den beiden Parteien dauern seit geraumer Zeit an. Die Vorschläge sind vielfältig. So raten manche Forscher, die ganze Herde zu schlachten, wenn auch nur ein einziges Rind erkrankt ist. Andere empfehlen eine Verbesserung der Tuberkulintests. Die englischen Landwirte sind für eine intensive Dachsjagd.

Auch in Deutschland wieder zunehmend Fälle

Zwar gilt Deutschland seit 1997 als frei von Rindertuberkulose, doch es treten seit 2012 wieder vermehr Fälle auf, vor allem in Bayern. Auch hier hat man Wildtiere im Verdacht. Seit Jahren forscht man an der wohl sinnvollsten Lösung, nämlich der Impfung für das Rind. Der Impfstoff wäre laut Forschern hier auch schnell vorhanden, gibt es ihn doch für den Menschen bereits.

EU-Bestimmungen verhindern Impfung für das Rind

Wie Spektrum berichtet, gibt es hier ein einziges Problem: EU-Bestimmungen. Diese verlangen, dass kranke und geimpfte Rinder eindeutig voneinander zu unterscheiden sind. Ein hierfür geeigneter Test sei auf längere Sicht hin wohl nicht möglich.
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