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Zoonosen

Rindertuberkulose: Das müssen Sie wissen

Kuh schleckt eine hingestreckte Hand ab
am Donnerstag, 04.02.2021 - 05:00 (Jetzt kommentieren)

Wir zeigen Ihnen sechs wissenswerte Fakten auf, die Sie über die Rindertuberkulose wissen sollten.

Frei von Tuberkulose - diesen Status trägt Deutschland bereits seit dem Jahr 1997. Im Januar wurde allerdings ein Fall von Rindertuberkulose in einer Landwirtsfamilie bekannt, die sich bei ihrem infizierten Bestand angesteckt hatte.

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung wurden in den vergangenen Jahren sporadisch immer wieder infizierte Tiere bei Fleischuntersuchungen im Rahmen der Schlachtung festgestellt.

Was ist Rindertuberkulose?

Rotwild mit Geweihen auf einer Weide

Bei der Rindertuberkulose handelt es sich um eine ansteckende, chronisch verlaufende Zoonose, die zu den anzeigepflichtigen Tierseuchen gehört. Sie wird durch die Bakterien Mykobakterium bovis und Mykobakterium caprae verursacht.

Hauptsächlich wird der Erreger über die Atemluft als Tröpfcheninfektion weitergegeben. Es ist allerdings auch ein Übertragen mit Rindertuberkulose über Futtermittel, Blut oder andere Körperflüssigkeiten möglich.

Seit 1997 wurde in Deutschland der Status „amtlich anerkannt tuberkulosefrei“ vergeben. Laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bedeutet dies, dass 99,9 Prozent der Rinderbestände jährlich in einem Zeitraum von 10 Jahren amtlich frei von Tuberkulose waren. Die seitdem vereinzelt auftretenden Fälle treten meist durch den Kontakt mit infizierten Wildtieren auf.

Die Tuberkulose ist eine weltweit verbreitete Krankheit, die in Europa vermehrt in Spanien, Irland und Großbritannien auftritt.

Welche Krankheitssymptome gibt es bei Tieren mit Rindertuberkulose?

Die Rindertuberkulose verläuft zunächst symptomlos und kann im Frühstadium nur mit Hilfe spezifischer Untersuchungsverfahren erkannt werden. Die Krankheit äußert sich anschließend häufig durch geschwülstige Veränderungen und geschwulstartige Knoten in den Lymphknoten und Organen bei den Tieren.

Im fortgeschrittenen Stadium können folgende Symptome auftreten:

  • Husten
  • Atembeschwerden
  • Abmagerung
  • Leistungsabfall

Die häufigste Form der Tuberkulose beim Rind ist die Lungentuberkulose. Es ist aber auch möglich, dass die Bakterien den Darmtrakt oder das Euter befallen.

Werden Tiere regelmäßig auf Tuberkulose untersucht?

Es gibt zwar kein vorsorgliches Beobachten von Tierbeständen, allerdings gelten bei der Schlachttier- und Fleischuntersuchung strenge tierseuchen- und fleischhygienerechtlichen Vorgaben.

Wenn beim Untersuchen der Schlachtkörper ein begründeter Verdacht auf Tuberkulose besteht, wird der Schlachtkörper umgehend verworfen und ein Schlachtverbot ausgesprochen.

Wie gefährlich ist Rindertuberkulose für den Menschen?

Rohmilch in einer Kanne auf einem Holzboden

Die Tuberkulose beim Menschen wird durch den Erreger Mykobakterium tuberculosis ausgelöst. Neben diesem Bakterium kann auch der für das Rind typische Erreger Mykobakterium bovis eine Tuberkulose beim Menschen auslösen.

Neben der Infektion über die Luft ist auch die Aufnahme über erregerhaltige Lebensmittel wie Milch oder Fleisch möglich. Das Mykobakterium wird allerdings durch Abkochen der Milch und Durchgaren des Fleischs vollständig abgetötet.

Kinder, ältere Menschen und Menschen mit einer Immunschwäche sind besonders gefährdet. Schwere Krankheitsverläufe kommen allerdings auch hier selten vor.

Ähnlich wie bei den Tieren äußert sich die Krankheit beim Menschen durch Symptome wie Husten, ungewollte Gewichtsabnahme, leichtem Fieber und Müdigkeit. Sollte sich ein Mensch mit Tuberkulose infiziert haben, wird das Bakterium mit Antibiotika behandelt.

Wie wird die Rindertuberkulose bekämpft?

Da es sich bei dieser Krankheit um eine Tierseuche handelt, gibt es spezielle Bekämpfungsvorschriften, die in der „Verordnung zum Schutz gegen die Tuberkulose des Rindes“ niedergeschrieben sind. Vor allem steht hier die Prävention vor Neuansteckungen im Vordergrund.

Bei einem Ausbruch werden staatliche Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet:

  • Untersuchung aller Rinder des Bestandes
  • Anordnung der Tötung infizierter Tiere
  • Beseitigung von erkrankten Tieren
  • Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen im Bestand

Wie verhalte ich mich als Landwirt, wenn der Verdacht auf Tuberkulose im Bestand besteht?

Sobald ein amtlicher Verdacht auf Rindertuberkulose im Bestand besteht, muss der Landwirt vorgegebene Schutzmaßnahmen umsetzen. So muss der Landwirt betroffene Rinder beispielsweise im Stall absondern und darf Tiere nur noch mit behördlicher Genehmigung aus dem Bestand nehmen.

Alle Maßnahmen zum Umgang mit infizierten oder verdächtigen Tieren sind ebenfalls in der oben genannten Verordnung zusammengefasst.

Sobald die Infektion der Tiere nachgewiesen ist, ordnet die zuständige Behörde das Töten der Tuberkuloserinder an. Um ein weiteres Verbreiten zu vermeiden, können auch verdächtige Rinder, bei denen der Erreger noch nicht eindeutig nachgewiesen ist, getötet werden.

Mit Material von BMEL; FLI; Bundesinstitut für Risikobewertung

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