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Aus der Wirtschaft

Rindfleisch: Knappes Angebot und Rekordpreise

von , am
20.09.2012

Scheinbar unaufhaltsam steigen in Europa die Preise für Schlachtrinder. In den letzten Wochen erreichten die Notierungen für Jungbullen und für Schlachtkühe neue Rekordmarken.

© Andreas Dück/aboutpixel.de
Ursache für diese Preisrallye ist die kräftig schrumpfende Produktion. Der Produktionsrückgang wird durch die rasant steigenden Futterkosten noch beschleunigt. Gleichzeitig gehen die Importe zurück und reduzieren damit das Angebot am EU-Binnenmarkt.

Produktion bricht ein

Der entscheidende Grund für die Preisrally in der EU ist eine stark schrumpfende Produktion, ausgelöst durch eine anhaltende Reduzierung der Bestände. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 nahm die Rindfleischproduktion (Schlachtung) in der EU um etwa fünf Prozent (%) ab. Dies lassen zumindest die Anfang September aktualisierten Daten der EU-Kommission erkennen.
 
Dabei waren nahezu alle großen Erzeugerländer von dem Rückgang der Produktion betroffen. Lediglich in Deutschland blieb die Schlachtmenge (Rinder und Kälber) im ersten Halbjahr nur knapp unter dem Vorjahreswert. Während jedoch auch hierzulande weniger Kühe (-2,1 %) und Färsen (-2,7 %) geschlachtet wurden, blieb die Bullenschlachtung in etwa stabil. Außerdem übertraf die Schlachtmenge bei Kälbern (+ 9 %) den Vorjahreswert sehr deutlich. Offenbar ist dies eine Folge der stark gestiegen Futterkosten und der bis zur Jahresmitte rückläufigen Milchpreise.

Stärkster Rückgang in Osteuropa

Deutlich stärker als in Deutschland war der Produktionsrückgang jedoch in anderen wichtigen europäischen Erzeugerländern. Dies gilt insbesondere auch für traditionelle Abnehmer von deutschem Rindfleisch.
 
So nahm die Rinderschlachtung beim größten europäischen Rindfleischproduzenten Frankreich im ersten Halbjahr 2012 um knapp fünf Prozent ab und an dem für deutsche Lieferanten sehr wichtigen italienischen Markt, ging die Schlachtung um - 4,8 % zurück. In den Niederlanden verfehlte die Rinderschlachtung das Vorjahresergebnis um vier Prozent in Österreich um - 3,5 %, in Dänemark um - 5,8 % und in Polen sogar um - 6,5 %. In einigen osteuropäischen Ländern wie Rumänien, Tschechien, der Slowakei und Ungarn schrumpfte die Produktion sogar noch stärker und zum Teil sogar zweistellig.
 
Nach Rinderkategorien war der Rückgang bei Bullen und Ochsen deutlich stärker ausgeprägt als bei Kühen. Die Kälberschlachtung war auch im Mittel der EU etwas höher als im letzten Jahr.

Explosion der Futterkosten

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Ein entscheidender Grund für den anhaltenden Bestandsabbau sind die geradezu explosionsartig gestiegenen Futterkosten. In einer Beispielrechnung hat die EU-Kommission den dramatischen Anstieg der Futterkosten in der intensiven Rindermast verdeutlicht.
 
Nach einem Rückgang im letzten Jahr sind die Kosten für die von der Kommission zusammengestellte Beispielration von Dezember 2011 bis August 2012 um 50 % gestiegen. Diese Kostenexplosion gilt im Grunde auch für die intensive Milchproduktion. Danach haben sich von den verschiedenen Einzelfuttermitteln ganz besonders Soja (+ 95 %) und Mais (+ 47 %) verteuert. Zu ähnlichen Ergebnissen war zuvor bereits das US-Landwirtschaftsministerium gekommen. Von Januar bis Juli waren die Kosten für zugekauftes Futter in der US-Milchproduktion um 57 % gestiegen und die Gesamtfutterkosten um ein Drittel.
 
 
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