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Milchproduktion

Rind/Stickstoff: Zwei Prozent weniger Rohprotein füttern?

von , am
16.06.2014

Hannover - Stickstoffausscheidungen und der Ammoniakemissionen von Kühen treten gegenwärtig immer mehr in den Fokus. Die LWK Niedersachsen untersucht die Frage: Weniger Protein für Milchkühe?

Das ife Institut geht davon aus, dass der Milchpreis aktuell weder für Milchbauern, noch für Molkereien kostendeckend ist. © Mühlhausen/landpixel
Die Stickstoff-(N)-ausscheidungen in der Milchkuhfütterung reduzieren, mit diesem Thema beschäftigt sich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK). Denn vor dem Hintergrund der Novellierung der Düngeverordnung, Wegfall der 230 Kilogramm-N-Regelung oder die EU-Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen geraten die Höhe der Stickstoffausscheidungen und der Ammoniakemissionen von Kühen mehr in den Fokus.
 
Wie sich die Umstellung von Milchkühen mit hohem Leistungspotenzial auf Rationen mit abgesenkten Rohproteingehalten und mit stark negativ ausgeprägter Ruminaler Stickstoffbilanz auswirkt, haben die Landwirtschaftskammer Niedersachen und die Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (LLFG), Sachsen-Anhalt, in einem Fütterungsversuch geprüft.

Versuch mit 75 Holsteins

Der Versuch, wie ihn die LWK beschreibt, umfasste die ersten 100 Laktationstage, dazu gehörten 75 Kühe der Rasse Deutsche-Holstein. Sie erhielten auch schon vor der Kalbung und in der ersten Laktationswoche Rationen mit stark negativer RNB. Danach erfolgte die Aufteilung der Tiere in zwei vergleichbare Gruppen.
 
Die Kontrollgruppe bekam eine Total-Misch-Ration (TMR), deren Proteingehalte knapp am kalkulierten Bedarf für die erwartet hohe Milchleistung ausgerichtet war. Die Kühe der Versuchsgruppe bekamen einen Rohproteingehalt in der Ration von 144 statt 163 g/kg TM. Ihnen wurde durchschnittlich etwa 1,3 Kilogramm (kg) Extraktionsschrote weniger angeboten als den Kontrolltieren und durch Energiekonzentrat, hauptsächlich melassierte Trockenschnitzel und etwas Getreide, ersetzt.

Fazit: Ein Euro Milchgeldeinbußen

Von ganz erheblichen Differenzen berichten die Autoren bei den Aufnahmen an Rohprotein und bei der RNB zwischen den Gruppen und auch beim nXP. Diese Unterschiede sind laut LKW als Ursache für die geringeren Milch- und Milcheiweißleistungen in der Versuchsgruppe anzunehmen. Trotz der um zirka 20 Cent geringeren Futterkosten je Tier und Tag in der Versuchsgruppe während des Untersuchungszeitraums lag der Verlust gegenüber den Kontrollkühen als Folge der Milchgeldeinbußen bei täglich etwa einem Euro je Kuh.
 
In der Tiergesundheit und Stoffwechselstabilität haben sich zwischen den Gruppen keinerlei nennenswerte Unterschiede ergeben. Doch kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass die Kühe der Versuchsgruppe auf die proteinärmere Fütterung mit geringeren Futteraufnahmen im Vergleich zu den Kühen der Kontrollgruppe reagierten. Der Unterschied sei zwar nicht statistisch gesichert, aber die Verläufe des Trockenmasseverzehrs in den beiden Gruppen im ersten Laktationsdrittel deuten auf einen Einfluss der unterschiedlichen Versorgung hin.

Reserven prüfen
 
Durch eine angepasste Eiweißzufuhr können mögliche Stoffwechselbelastungen durch unnötige Rohproteinüberschüsse verhindert sowie Proteinkonzentrate und Futterkosten gespart werden, erklärt die LWK. Gleichzeitig biete ein verringerter N-Input im Bedarfsfall auch die Möglichkeit, die N-Ausscheidungen der Kühe zu verringern und betriebliche N-Bilanzen zu optimieren. Jedoch sollen auch dann daraus keine Leistungsminderung und/oder insbesondere keine wirtschaftlichen Verluste resultieren.

Hofreport aus Niedersachsen: Futtermanagement auf dem Milchhof Reyels

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