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Zucht

"Risikoanpaarungen vermeiden!"

von , am
02.10.2013

Wien/München - Die beiden Erbfehler Zwergwuchs und Minderwuchs wurden vor kurzem mittels Genanalyse bei einigen Fleckvieh-Vererbern identifiziert. agrarheute fragte im Telefoninterview nach.

Typisches Erscheinungsbild bei Zwergwuchs, z.B. die gerade Nasenlinie. © Schwarzenbacher
Nachdem im Frühjahr dieses Jahres mehrfach kleinwüchsige Nachkommen beim Fleckviehstier Wille aufgefallen sind, hat sich die ZuchtData Wien die Gendaten dieser Tiere genauer angeschaut. "In der Fleckviehzucht wird der Stier Polzer bereits seit den 70er Jahren als Träger dieses Erbfehlers angesehen", sagen Dr. Hermann Schwarzenbacher und Dr. Christian Fürst von der ZuchtData Wien. "Bei Wille kommt Polzer ebenfalls im Pedigree vor, er galt bisher allerdings als unbedenklich".
 
Um der Ursache dieser Missbildungen auf die Spur zu kommen, wurden bei zwei auffälligen Kälbern Gewebeproben untersucht. Durch den Vergleich dieser Tiere mit den Daten von ca. 25.000 genotypisierten Fleckviehtieren "konnte ein Chromosomenabschnitt identifiziert werden, der nur bei den beiden Zwergwuchs-Kälbern homozygot auftritt", schreiben die beiden Rinderzucht-Experten.
 

Worauf sollten Landwirte achten, die Wille-Töchter im Stall haben?

Insgesamt kommt Zwergwuchs (DW) zwar relativ selten vor, das heißt nur bei 0,7 Prozent innerhalb aller genotypisierten Fleckviehstiere. Da der Stier Wille jedoch aufgrund seiner sehr guten Zuchtwerte sowohl in Süddeutschland als auch in seinem Heimatland Österreich ein häufig eingesetzter Besamungsbulle ist, hat sich agrarheute.com bei Dr. Schwarzenbacher nach den Hintergründen und Auswirkungen dieser beiden Erbfehler erkundigt.
 
Im ersten Teil unseres zweiteiligen Telefoninterviews mit Dr. Schwarzenbachergeht es darum, welche Auswirkungen die Entdeckung dieser beiden Erbfehler auf die Fleckviehzucht hat und worauf Landwirte, die Nachkommen von Wille oder Waldbrand im Stall haben, künftig achten sollten.

Zweiter Erbfehler: Minderwuchs

Im Zuge der Gen-Analyse kam noch ein zweiter Erbfehler ans Licht: der sogenannte Minderwuchs, der auch als "FH2" bezeichnet wird. Er tritt innerhalb der Fleckvieh-Population etwas häufiger auf, nämlich bei vier Prozent der genotypisierten Tiere. Auch dieser Erbfehler äußert sich in Form von kleinwüchsigen Nachkommen. Anders als beim oben genannten Zwergwuchs (DW), entwickeln sich diese Kälber aber anfangs normal, erst nach dem Absetzen der Milch stockt die weitere Entwicklung.
 
Die Schlußfolgerungen, die Dr. Schwarzenbacher aus den Forschungsergebnissen zieht, lassen sich kurz zusammenfassen: "Risikoanpaarungen sollten vermieden werden". Das heißt, Kühe die Anlageträger dieser Erbfehler sind sollten nicht mit Stieren angepaart werden, die ebenfalls Anlageträger sind.
 
Eine Hilfestellung bei der Beantwortung der Fragen "Wer passt zu wem und wer ist Anlageträger?" soll der erweiterte RDV-Anpaarungsplan OptiBull bieten, der bis Ende des Jahres geplant ist.
 
 
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