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Tiergesundheit

Rotwein gegen Ketose: Ergebnisse verblüffen Tierärzte

Jede zwanzigste Kuh erkrankt auch im ersten Vierteljahr nach der Kalbung an einer Ketose.
am Donnerstag, 27.10.2022 - 05:00 (3 Kommentare)

Die Gabe von Rotwein gegen Ketose stellt alle bewährten Methoden in den Schatten. Diese Praxisergebnisse sorgen auf dem Weltrindertierärztekongress für Aufsehen.

Beim Weltrindertierärztekongress in Madrid trafen sich über 3200 Tierärzte aus 74 Ländern zum globalen Erfahrungsaustausch. Auch neue Erkenntnisse zum Thema Ketose wurden vorgestellt. So wurde noch mal klar, dass Ketosen nicht nur ein Problem von frischabgekalbten Kühen sind, sondern es deutlich auch über den ersten Kalbemonat hinausgeht. Während im Schnitt im ersten Monat rund 9 Prozent aller Kühe eine Ketose hatten, halbierte sich dieser Wert in den Folgemonaten. Das heißt, dass jede zwanzigste Kuh auch im ersten Vierteljahr nach der Kalbung an einer Ketose erkranken kann. Früherkennung ist hier deshalb wichtig. Von höheren Inzidenzen berichten dazu spanische Wissenschaftler der Universität Madrid. Sie analysierten retrospektiv über 12.500 Färsen aus 1.320 Betrieben über mehrere Laktationen hinweg. Bei einem Ketonkörper (BHB)-Grenzwert in der Milch über 0.1mmol/ml waren im Schnitt 23 Prozent der Tiere ketotisch und produzierten über 350 kg Milch weniger in der jeweils laufenden Laktation.

Ketosebehandlung im Wandel

Bei der Frage der richtigen Behandlung einer Ketose hat sich in den letzten Jahren viel getan. Während noch vor 10 Jahren ein Rundumschlag aus Glucoseinfusion, Cortison- und Phosphor-B12 Injektionen und oralen Propylengaben Standard war, zeigte es sich, dass in den allermeisten Fällen die mehrtägige orale Propylenglycolgabe (jeweils 250 bis 300 ml, 1 x täglich) vollkommen ausreichend ist.

Zwei Liter Wein am ersten Tag

Dass nun sogar Rotwein besser sein soll, als die bei uns übliche Propylenglycol-Gabe fand nun eine Forschergruppe aus den USA heraus. Sie behandelten Kühe mit subklinischer Ketose unter anderem mit Rotwein und zeigten, dass diese Methode anderen überlegen sein kann. Zwei Liter Wein am ersten Tag und jeweils 1 Liter an den beiden Folgetagen war insgesamt erfolgreicher als alle anderen Behandlungen (Drench mit Propylenglycol; Propylenglycol 300 ml, Ethanol 2 Liter/1 Liter/1 Liter). Insbesondere die älteren Kühe ab der zweiten Laktation profitierten davon. Die Wirkungen von Rotwein gehen über die reine Bereitstellung von Alkohol hinaus; dort sind zum Beispiel Tannine enthalten, die entoxifizierend und darmregulierend wirken können. Des Weiteren mit Resveratrol auch Polyphenole, die eine entzündungshemmende Wirkung haben können. Diese Praxisbeobachtung sorgte unter den anwesenden Tierärzten für viel Aufmerksamkeit.

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