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Milchproduktion

Russische Regierung will Milcherzeugern helfen

von , am
28.10.2013

Moskau - Den rückläufigen Trend der heimischen Milchproduktion will Russland mit verstärkten staatlichen Hilfen für die Erzeuger stoppen.

Wie in diesem modernen Milchviehstall in der Region Kaliningrad sieht es nicht überall in Russland aus. © Mühlhausen/landpixel
Wie der Moskauer Regierungspressedienst kürzlich mitteilte, können die Milcherzeuger beispielsweise mit einer Aufstockung der staatlichen Beihilfen für Kreditzinsen von derzeit 80 Prozent (%) auf 100 % des Leitzinsniveaus rechnen. Ministerpräsident Dmitrij Medwedew habe die zuständigen Ministerien bereits mit der Umsetzung der Maßnahme beauftragt. Außerdem habe der Ministerpräsident einige Änderungen für die Förderung der Marktproduktion von Milch sowie die Befreiung aller Agrarproduzenten von der Mehrwertsteuer bei der Einfuhr von Zuchttieren angeordnet, berichtete der Pressedienst.
 
Wenige Tage zuvor hatte der Russische Milchproduzentenverband (Sojusmoloko) an die Regierung appelliert, den Produktionsbereich stärker zu unterstützen, weil dieser unter Wettbewerbsnachteilen leide. Es solle deshalb ein Entwicklungsprogramm mit dem Ziel ausgearbeitet werden, bis zum Jahr 2020 den Bedarf an Molkereierzeugnissen zu 90 Prozent aus heimischer Produktion zu decken, schlug Sojusmoloko vor. Zum Forderungskatalog des Verbandes gehörte auch die nun beschlossene Aufstockung der Kreditbeihilfen, die aus seiner Sicht eine notwendige Regelangleichung mit der Fleischrinderhaltung darstelle. Die Vertreter der Milchproduzenten forderten die russische Regierung zudem auf, trotz Haushaltsschwierigkeiten die rechtzeitige Auszahlung von Beihilfen an die Erzeuger zu gewährleisten.

Molkereisektor mit Wettbewerbsnachteilen

Nach Angaben von Sojusmoloko befindet sich die Milchviehhaltung in Russland seit Jahren in einem Negativtrend. Für 2013 rechnet der Verband mit einem Minus bei der Rohmilchproduktion um fast 3 Prozent auf 31 Millionen Tonnen (Mio t); vor fünf Jahren lag die Erzeugung noch bei 32,4 Mio t.
 
Mit dem Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO) 2012 habe sich die Situation der Milcherzeuger noch einmal spürbar verschlechtert, beklagte der Verband. Er kritisierte insbesondere die Einführung der von der Milchqualität abhängenden Beihilfen, von denen lediglich 37 % der Produzenten profitierten. Bei zu knappem Rohstoffangebot die Prämien an Güteklassen sowie an den Fett- und Eiweißgehalt oder die Geburtenanzahl pro Kuh zu koppeln, sei kein stimulierendes Instrument für die erforderliche Aufstockung der Produktion, stellte Sojusmoloko klar.
Laut Verband hat die Wettbewerbsfähigkeit der russischen Milchproduktion auch unter der deutlichen Verteuerung der Futtermittel gelitten. Unter anderem deswegen sei bei den wichtigsten Marktversorgern, den gemeinschaftlich organisierten Landwirtschaftsbetrieben, die Milcherzeugung in den ersten sieben Monaten 2013 um 5,7 % geringer als im Vorjahreszeitraum ausgefallen. Nun lägen die Marktpreise für die knappe Rohmilch zum Teil deutlich höher als in Weißrussland, der Europäischen Union, Neuseeland oder den USA.

Importe schließen Lücke

Das begrenzte Rohstoffangebot und die gestiegenen Rohmilchpreise haben laut Sojusmoloko von Januar bis Juli 2013 einen Rückgang der heimischen Erzeugung von Käse um ein Zehntel sowie von Trockenmilch und -rahm um ein Viertel gegenüber dem Vorjahr bewirkt. Es wurde versucht, das Defizit durch die verstärkte Verwendung von Pflanzenfetten in Produktionsverfahren zu mildern, doch in erster Linie wurde die entstandene Lücke durch Importe geschlossen. So führte Russland in den ersten sieben Monaten 2013, ausgedrückt in Milchäquivalenten, rund 4 Mio t Molkereiprodukte ein; das waren gut 500.000 t mehr als im Vorjahreszeitraum. Dabei hat sich die Einfuhr von Magermilchpulver mehr als verdoppelt, während der Bezug von Molkenpulver und Butter um rund ein Drittel stieg; zudem legte der Käseimport um etwa ein Fünftel zu.
 
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