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Milchproduktion

Russland: Größter Importeur von Butter und Käse

von , am
05.06.2012

Seit Jahren stagniert in Russland die Milchproduktion. Der Bedarf an Käse und Butter wird über Importe gedeckt. Auch für Deutschland und die Europäische Union ist Russland der wichtigste Exportmarkt.

© Pinoquio_9/Fotolia
Russland ist der weltweit größte Importeur von Käse und Butter. Für die Europäische Union (EU) und Deutschland ist das Land im Osten einer der wichtigsten Exportmärkte. Der russische Importbedarf ist (außer bei Milchpulver) in den letzten Jahren auf hohem Niveau stabil geblieben. Mit dem WTO-Beitritt Russlands dürften sich die Zugangsbedingungen zum russischen Markt weiter verbessern.
Die russische Milchproduktion selbst stagniert seit Jahren. Dabei sind in den letzten Jahren über Förderprogramme erhebliche staatliche Mittel in die russische Milchwirtschaft geflossen. Bislang werden jedoch gerade 45 Prozent der gesamten Milch in marktorientieren Agrarunternehmen erzeugt. Mehr als die Hälfte der Milch produzieren hingegen die kleinen Haus- und Hofwirtschaften.

Milchproduktion stagniert seit Jahren

Die Zahl der russischen Milchkühe ist den letzten drei Jahren (2010 bis 2012) um drei Prozent auf etwa 8,58 Millionen Tiere zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Milchleistung je Kuh gestiegen, während die Produktionsmenge relativ stabil blieb. Für das laufende Jahr 2012 rechnen Marktanalysten des US.Department of Agriculture (USDA) - wegen der relativ hohen Milchpreise und einer guten Futterversorgung – mit einem Produktionsanstieg um etwa ein Prozent auf 32,1 Millionen Tonnen. Allerdings war die Produktionsmenge vor wenigen Jahren auch schon einmal ähnlich groß.
Von der insgesamt erzeugten Milch wird jedoch nur gut die Hälfte (56 %) auch an Molkereien geliefert und von diesen verarbeitet. Die übrige Milch verbrauchen die Hauswirtschaften selbst oder sie wird über Wochenmärkte verkauft.
 

Käseimporte bleiben relativ stabil

Im letzten Jahr haben die Russen nach den aktuellen Daten des USDA rund 344.000 Tonnen Käse importiert. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein leichter Rückgang. Damit war Russland 2011 der mit Abstand größte Importeur von Käse am Weltmarkt und für die EU und Deutschland der wichtigste Absatzmarkt. Der Anteil an importierten Käse machte im letzten Jahr etwa 45 % der gesamten russischen Verbrauchsemeng aus. Etwa die Hälfte der gesamten Käseeinfuhren entfielen auf die EU (insbesondere auf Deutschland), ein Viertel auf Weißrussland und ein Fünftel auf die Ukraine.
 
Gegenüber der Ukraine hat es im letzten Jahr Exportbeschränkungen wegen der Verwendung von Pflanzenfetten bei der Käseherstellung gegeben. Für 2012 gehen die derzeitigen Schätzungen des USDA von einem Anstieg der russischen Käseproduktion auf 450.000 Tonen und einer relativ stabilen Importmenge (345.000 t) aus. In den ersten vier Monaten 2012 lag der Käseimport leicht (zwei Prozent) unter der Vorjahresmarke.

Butterimporte deutlich kleiner

Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
Die russischen Importe bei Butter beliefen sich im letzten Jahr nach den Daten es USDA auf 116.000 Tonnen, das war in etwa so viel wie im Jahr zuvor. Damit waren die Russen - deutlich vor der EU - die größten Importeure von Butter. In den letzten Jahren wurde rund ein Drittel der russischen verbrauchsmenge (217.000 Tonnen) importiert. Die wichtigsten Lieferanten waren nach den Daten des USDA Weißrussland mit gut einem Drittel der Lieferungen sowie Neuseeland und die EU mit jeweils einem Viertel der Liefermenge. Für das laufende Jahr gehen die Hochrechnungen, auf Basis der Entwicklung in den ersten vier Monaten des Jahres, von einem Rückgang der Importe um gut 20 % auf rund 90.000 Tonnen aus. Gleichzeitig wächst die russische Inlandsproduktion wegen der relativ hohen Preise um rund sechs Prozent und der Verbrauch geht ebenfalls wegen der hohen Preise etwas zurück.

Milchpulverimporte gehen zurück

Auch bei Michpulver gehörten die Russen bislang zu den wichtigsten globalen Importeuren. Nach den Daten des USDA sind die Einfuhren bei Magermilchpulver jedoch von knapp 120.000 Tonnen (2010) auf rund 71.000 Tonnen (2011) zurückgegangen. Dabei decken die importierten 71.000 Tonnen bei einer Produktion von knapp 60.000 Tonnen noch immer mehr als die Hälfte des laufenden Inlandsverbrauchs.
 
Für das Jahr 2012 geht man auf Basis der aktuellen Importzahlen von einem weiteren Rückgang der Einfuhren auf rund 60.000 Tonnen aus. Ebenfalls deutlich schrumpfen sollen nach Einschätzung des USDA die Importe von Vollmilchpulver. Nach einer Importmenge von 411.000 Tonnen im Jahr 2010 schrumpft die Einfuhr bis 2012 bis auf 15.000 Tonnen . Dagegen wächst die Inlandsproduktion kräftig bis auf 60.000 Tonnen (2012). Die wichtigsten Lieferanten von Milchpulver für den russischen Markt sind Weißrussland und die EU.
 
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