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Milchproduktion

Schärfere Auflagen für gemeinsame Milchvermarktung geplant

von , am
07.12.2010

Brüssel - Nach dem Vorschlag von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos dürfen sich Milcherzeuger in der EU zukünftig zusammenschließen und gemeinsam mit den Molkereien über Preise verhandeln.

EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos © EU

Seinen Vorschlag für den Milchmarkt möchte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos am kommenden Donnerstag in Brüssel vorlegen. Trotz einiger Auseinandersetzungen innerhalb der Kommission soll es hier nicht zu einer Verspätung kommen.

Allerdings sollen die Erzeugergemeinschaften den Markt nicht beherrschen, fordert EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia.

Erzeugergemeinschaften dürfen nationalen 
Marktanteil von 49% nicht überschreiten

Er hat die Auflagen an die Erzeugergemeinschaften deshalb verschärft. Diese dürfen einen Marktanteil von 3,5 Prozent in der EU und von 49 Prozent am nationalen Milchmarkt nicht überschreiten. Ciolos hatte in seinem Entwurf noch einen Marktanteil von bis zu 75 Prozent im einzelnen Mitgliedstaat zugelassen.

Österreich: Diskussion über Handelsmargen bei Milch

In Österreich wurden die Handelsmargen bei Milch thematisiert. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter warf den heimischen Lebensmittelketten Preisabsprachen und (gegenüber Deutschland) überhöhte Handelsspannen bei Molkereiprodukten vor. Die Reaktion des Handels folgte prompt: Dies sei ein "völliger Schwachsinn", ärgerte sich Spar-Sprecherin Nicole Berkmann im APA-Gespräch. Auch Rewe-Sprecherin Corinna Tinkler bezeichnete Kräuters Kalkulation als "absolut nicht nachvollziehbar". Die Bundeswettbewerbsbehörde ist zwar noch nicht in Alarmbereitschaft, "der Markt steht aber unter Beobachtung", meinte deren Sprecher Stefan Keznickl.

Preise: Grillitsch fordert mehr Transparenz

Wie hoch die Margen bei Molkereiprodukten wirklich sind, will man im Handel nicht verraten. Im Lebensmittelhandel sind Mischkalkulationen üblich, das heißt, bestimmte Produkte werden mit etwas mehr, andere mit weniger Spanne angeboten. Bauernbund-Präsident Fritz Grillitsch fordert mehr Transparenz bei den Preisen für Milchprodukte und schlägt vor, die Lieferanten rechtlich besser abzusichern. Der Bauernmilchpreis mache jedenfalls nur ein Drittel des Ladenpreises von Trinkmilch aus und könne daher nicht als Preistreiber gelten, stellte Grillitsch fest. (aiz)

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