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Milchproduktion

Schleswig-Holstein: Der Trend geht zu über 100 Kühen

© landpixel
von , am
13.03.2015

Milchquote ging in den letzten Jahren vor allem gen Norden. Auch Schleswig-Holstein griff beim letzten Börsentermin noch einmal zu. Seit 2007 wanderten rund fünf Prozent der nationalen Quote an die Küste.

Ein Knackpunkt bei der Umstellung auf Bio ist der teils hohe Pachtpreis. © Mühlhausen/landpixel
Mit insgesamt 30.318.928 kg Milchquote hat Deutschland die größte zugewiesene Referenzmenge aller EU-Mitgliedsstaaten. Seit 2006 wurde die Menge dabei jährlich leicht erhöht, um die Milcherzeuger auf den Ausstieg aus der Milchquote vorzubereiten. Durch die tollen Erzeugerpreise in 2013/14 lief der Markt allerdings ziemlich heiß, als dann der Export einknickte und der russische Markt wegfiel war auf einmal zuviel da - der Milchpreis ging nach unten. Aktuell sehen Experten eine Erholung des Preises ab Mitte des Jahres, der Abwärtstrend von Ende letzten Jahres hat sich allerdings jetzt schon abgeschwächt. Pünktlich zum Auslaufen der 31jährigen Milchquote.
 
Die Milchbauern in Schleswig-Holstein haben ähnlich wie ihre niedersächsischen Kollegen in den letzten Jahren fleißig Quote zugekauft und die Produktion vergrößert. Wie haben sich daraus folgend die Strukturen in den letzten Jahren verändert?

Schleswig-Holstein: Größte durchschnittliche Herdengröße im Westgebiet

  • Die Milcherzeugung stieg von 2000 bis 2013 in Schleswig-Holstein von 2,4 Mio. t auf rund 2,8 Mio. t. Während bundesweit die Produktion von 2012 auf 2013 um 2,2 Prozent wuchs, legte sie im nördlichsten Bundesland um 3,5 Prozent zu. Von 2006 bis heute hat sie sich um 16,2 Prozent erhöht, was die zweithöchste Steigerung im Bundesgebiet ist (nach 21,8 % Niedersachsen).
  • In den letzten 14 Jahren nahm der Milchkuhbestand um rund 40.000 Tiere zu. So standen in 2014 395.000 Kühe in den Ställen Schleswig-Holsteins. Ab 2008 wurden die Zahlen durch die HIT-Rinderdatenbank erfasst.
  • Nach Angaben der LWK Schleswig-Holstein ist die Zahl derMilchviehhalter von 7.552 in 1999 auf 4.084 in 2014 geschmolzen. Das heißt, dass über die letzten zehn Jahre jährlich 3,1 Prozent der Milchviehhalter das Handtuch geworfen haben. Geht diese Entwicklung ähnlich weiter, bleiben bis 2025 noch rund 2.900 Milchbetriebe in Schleswig-Holstein übrig.
  • Die Zahl der pro Betrieb gehaltenen Milchkühe nahm von im Schnitt 56,6 Tieren/Betrieb in 2000 auf heute 86,5 zu. Das ist der höchste Durchschnittswert unter den westdeutschen Bundesländern.
  • Durchschnittliche Milchleistung je Kuh: 2013 knackten die Milcherzeuger mit durchschnittlichen 7.031 kg Milchleistung pro Jahr erstmals die 7.000er Marke. 14 Jahre vorher lag der Wert noch bei 6.209 kg Milch im Jahr.

Mehr als ein Drittel der Betriebe hält über 100 Milchkühe

Von den heute gezählten 4.084 Betrieben halten 35,9 Prozent mehr als 100 Milchkühe in ihren Herden. Das macht 58,7 Prozent der gehaltenen Tiere aus. Laut LWK Schleswig-Holstein sind die Kühe auf die Betriebe wie folgt aufgeteilt:
  • bis 50 Kühe in 816 Betrieben (20 % der Betriebe, 7,8 % der Milchkühe)
  • zwischen 50 bis 100 Kühe in 1.801 Betrieben (44,1 der Betriebe, 33,5 % der Kühe)
  • zwischen 100 bis 199 Kühe in 1.234 Betrieben (30,2 der Betriebe, 41,8 % der Kühe)
  • zwischen 200 und 499 Kühe in 219 Betrieben (5,4 % der Betriebe, 14,8 % der Kühe)
  • über 500 Kühe in 14 Betrieben (0,3 % der Betriebe, 2,1 % der Kühe)

Organisation rückt in den Vordergrund

Die Milchwirtschaft in Schleswig-Holstein hat in den letzten Jahren konsequent auf Wachstum gesetzt. Mit steigenden Betriebsgrößen verschieben sich auch die Anforderungen an die Betriebsleiter. Arbeitsorganisation und Mitarbeiterführung rücken zunehmend in den Fokus und können nicht mehr so nebenbei mitlaufen, um die Produktivität zu sichern. Volatile Märkte beim Milchpreis und den Futterkosten erschweren das Management der Familienbetriebe zusätzlich und verringern die Margen bei steigenden Kosten.
 
Einfacher wird es für die Milchviehhalter an der Küste nach dem Quotenende auch nicht werden, vorbereitet haben sie sich aber allemal auf diese Zeit.
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