Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Rinderfütterung

Schluss mit Futterselektieren: So funktioniert es!

Nicht wühlen: Die ganze, gut gemischte Ration sollte von der Kuh aufgenommen werden.
am Samstag, 06.08.2022 - 07:00 (Jetzt kommentieren)

Kühe, die sich nur das Leckere aus der Ration suchen, gibt es in jeder Herde. Oft bleibt das Problem jedoch unbemerkt. Wie Sie es erkennen, was die Folgen sind und wie Sie es vermieden, haben wir für Sie zusammengefasst.

Es kommt Hektik im Stall auf. Die Herde wird unruhig, die Rang höheren Tiere stürmen und schieben sich an den Rang niedrigeren Kühen vorbei zum Futtertisch, um sich das Leckerste aus der vorgelegten Mischration herauszusuchen. Es ist Fütterungszeit und der Futtermischwagen füttert die frische Ration aus. Diese unruhige Stimmung kann ein Anzeichen für Futterselektion sein.

Weitere Anzeichen sind:

  • Die Kühe fressen nicht einheitlich von oben nach unten runter, sondern zerwühlen die Rationen. Es entsteht der dafür typische Lochfraß.
  • Die Kotkonsistenz der Herde ist sehr unterschiedlich: eine sehr dünne Kotkonsistenz ist typisch für ein schlechtes Grundfutter/Kraftfutter-Verhältnis zu Gunsten des Kraftfutters
  • Die Körperkonditionen in einer Laktationsgruppe sind nicht homogen.
  • Die Milchinhaltsstoffe und auch die Milchleistung variieren in der Gruppen und zwischen den Abholungen stark.
  • Immer häufiger treten Krankheiten wie Pansenazidose, Mastitiden und Klauenprobleme wie Klauenrehe auf.
  • Einige Kühe starten sehr stark und andere sehr schwach in die Laktation und Stoffwechselprobleme rund um die Geburt treten vermehrt auf. Das deutet auf Futterselektion bei der Trockenstehern hin.

Das sind die Folgen

Denn bei nicht eingreifen, verstärken sich die Probleme Zunehmens. Gibt es zum Beispiel mehr Tiere als Fressplätze, haben die rangniedrigeren Tiere das Nachsehen. Sie müssen die selektiert, minderwertige Ration mit weniger Energie und Inhaltstoffen fressen. Die ranghöheren Tiere neigen damit schnell zur Überkonditionierung und so mit dem Trockenstellen nach dem Abkalben zu Milchfieber und Ketosen. Rangniedere Tiere magern hingegen weiter ab. Darüber hinaus nehmen die selektieren Kühe weniger Trockenmasse auf, da sie in der Fresszeit mit dem Aussortieren beschäftigt sind. Das Risiko für Pansenazidosen und Klauenerkrankungen steigt.

Wer ist schuld?

Schuld an diesem Verhalten ist entweder eine nicht ordentlich gemischte Futterration oder eine Mischration die aufgrund eines höheren Trockenmassegehalts (TM) keine richtige Verbindung zwischen Grund- und Kraftfutter hat. Ein optimaler TM-Bereich liegt zwischen 35 und 40 Prozent. Problematische wird es, wenn die Silagen TM-Werte von über 45 Prozent erreichen.

Was kann man dagegen tun?

Ein gleichmäßiges Einbringen von Wasser in die Ration ist der effektivste Weg das Selektieren von Futter zu vermeiden. Als Faustregel gilt: 1 Liter pro Tier und Tag senkt den TM-Gehalt in der Ration um rund 1 Prozent.

Weitere Schritte sind:

  • Die Ration mehrmals über den Tag heranschieben.
  • Keine Kraftfutterpellets in die Ration mischen.
  • Liegt der Maissilageanteil in der Ration bei über 50 Prozent, sollt besonders darauf geachtet werden, dass die Grassilage so kurz wie möglich geschnitten wird, damit die Kühe sich den Mais nicht heraussuchen.
  • Das Tier-Fressplatzverhältnis sollte mindestens 1:1 betragen, damit die rangniederen Tiere nicht die aussortierte Ration aufnehmen müssen.
  • Der TM-Gehalt sollte zwischen 30 und 35 Prozent liegen.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...