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Haltung und Mast

Schmallenberg-Virus: Ausbreitung abgeschwächt

von , am
14.05.2012

Bonn/Berlin/Brüssel – Die EU stellt zusätzliche Gelder zur Forschung am Schmallenberg-Virus bereit. Die Zahl der neu festgestellten Infektionen ist zuletzt deutlich gesunken.

Eine genetische Ursache für erhöhte Kälberverluste, genannt Cholesterin Defizit, wurde bei der Rinderrasse Holstein aufgedeckt. © Mühlhausen/landpixel
Die Europäische Kommission stellt zusätzliche Forschungsmittel zur Untersuchung des Schmallenberg-Virus bereit. Wie die Brüsseler Behörde kürzlich mitteilte, wurden annähernd drei Millionen Euro vorgemerkt, um insgesamt 14 Studien in Deutschland und sechs weiteren EU-Mitgliedstaaten zu bezuschussen. Dabei sollen Wissenslücken in drei Kernbereichen geschlossen werden, nämlich hinsichtlich der Ursachen der Erkrankung, der Übertragungswege und der Entwicklung großflächiger Testmethoden. Von den Forschungsanträgen wurden elf als Gemeinschaftsprojekte mehrerer Mitgliedstaaten eingereicht, auch im Hinblick darauf, eine möglichst große Datenbasis zu nutzen. Die EU übernimmt die Hälfte der Kosten. Ergebnisse dürften im Frühjahr 2014 vorliegen. 

Ausbreitung mittlerweile zurückgegangen

Das Schmallenberg-Virus hat sich zuletzt nicht mehr so stark ausgebreitet wie dies zuvor befürchtet worden war. Laut Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) wurden bis zum vergangenen Freitagmittag bundesweit insgesamt 1.471 Fälle des Schmallenberg-Virus bestätigt, davon
  • 851 in Schaf-,
  • 574 in Rinder- und
  • 46 in Ziegenhaltungen.
Regional am stärksten betroffen war Nordrhein-Westfalen mit insgesamt 481 Fällen, gefolgt von Niedersachsen mit 324, Hessen mit 183 und Schleswig-Holstein mit 168.

Dieses Jahr noch kein Impstoff

Das Bundeslandwirtschaftsministerium wies darauf hin, dass de Zahl der Neufeststellungen bei allen betroffenen Tierarten in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen sei. Ein fertig entwickelter, validierter und zugelassener Impfstoff werde nach Expertenmeinung nicht mehr in diesem Jahr zur Verfügung stehen. Die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten sind sich laut Bundeslandwirtschaftsministerium darin einig, dass derzeit weder Bekämpfungsmaßnahmen noch Restriktionen in Betracht kommen. Zunächst müssten die Forschungsprojekte neue Erkenntnisse bringen.

Deutschland drängt auf EU-weite Meldepflicht

Nach wie vor drängt Deutschland auf die Einführung einer Meldepflicht für Infektionen mit dem Schmallenberg-Virus auch auf EU-Ebene, da dies Voraussetzung für die Gewährung von Beihilfen an betroffene Betriebe durch die Tierseuchenkassen ist. National gilt seit dem 6. April eine Meldepflicht für diese Tiererkrankung. Die Landwirtschaftliche Rentenbank hat im März ihr Programm "Liquiditätssicherung" für Rinder-, Schaf- und Ziegenhalter geöffnet, die aufgrund des Schmallenberg-Virus wirtschaftliche Schäden erlitten haben.

Zehn Millionen Euro bereitstellen

Angesichts der Erfahrungen mit dem Blauzungen- sowie dem Schmallenberg-Virus hält die Bundestagsfraktion Die Linke die Einrichtung eines "Notfonds" zugunsten tierhaltender Betriebe für zwingend erforderlich. Wie die agrarpolitische Sprecherin der Fraktion, Dr. Kirsten Tackmann , am vergangenen Donnerstag miteilte, wurde ein entsprechender Antrag beschlossen. Ende Mai werde dieser Antrag im Plenum des Bundestages in Erster Lesung beraten. Tackmann wies darauf hin, dass in immer kürzeren Zeitabständen tierhaltende Agrarbetriebe durch bislang unbekannte Gefahrenursachen in existenzielle Notsituationen kämen. Klimawandel sowie globale Handels- und Personenströme gehörten zu den wichtigsten Ursachen neuer oder erhöhter Infektionsrisiken für Nutztierbestände. 

Die Linke für Einrichtung eines Notfonds

Das Schmallenberg-Virus, der sogenannte "chronische Botulismus" oder die Blauzungenkrankheit seien Zeichen dieser Entwicklung. Wenn Tiere erkranken oder sterben würden, sei das nicht nur eine emotionale Belastung, sondern schnell auch eine finanzielle Bedrohung. Bei unbekannten Ursachen seien die Möglichkeiten der Betriebe zur Risikoreduzierung stark eingeschränkt, gab Tackmann zu bedenken. Solange eine Tierseuche nicht anerkannt sei, zahle auch keine Tierseuchenkasse. Bisher helfe dann also niemand, die finanziellen Verluste abzufedern. Zur Überbrückung dieses Zeitraums schlage Die Linke die Einrichtung eines Notfonds vor. Er solle bei ungeklärten oder noch nicht amtlich anerkannten Bestandserkrankungen greifen. Ab dem Jahr 2013 fordere die Fraktion dafür zehn Millionen Euro. 
 
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