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Tiergesundheit

Schmallenberg-Virus in Hessen aufgetreten

Rinder auf der Weide
am Montag, 28.12.2020 - 05:00 (1 Kommentar)

In Hessen wurde in sechs missgebildeten Lämmern das Schmallenberg-Virus nachgewiesen. Das muss auch Rinderhalter aufhorchen lassen.

Im Hessischen Landeslabor sind seit Anfang Dezember sechs totgeborene Lämmer positiv auf das Schmallenberg-Virus getestet worden. Die Tiere stammten aus drei verschiedenen Landkreisen (Marburg-Biedenkopf, Hochtaunuskreis und Lahn-Dill-Kreis). Dabei wurden in drei betroffenen Betrieben jeweils zwei Tiere mit Missbildungen gefunden. Die Infektionen stammten vermutlich aus dem Spätsommer.

Aufgrund der kürzeren Tragezeit treten die ersten Fälle des Schmallenberg-Virus meist bei Schafen und Ziegen auf und können dann verspätet auch Rinder betreffen. Rinderhalter, die ihre Tiere in den Landkreisen auf der Weide gehalten hatten, sollten vor allem beim Kalben sehr aufmerksam sein, da es durch die missgebildeten Kälber bei der Geburt zu großen Komplikationen kommen kann.

Erreger des Schmallenberg-Virus ist ein RNA-Virus

Beim Schmallenberg-Virus handelt es sich um ein RNA-Virus. Es vermehrt sich in Stechmücken, insbesondere Gnitzen, und wird durch einen Stich auf Wiederkäuer übertragen. Eine anschließende Weitergabe der Infektion von Tier zu Tier findet nicht statt.

Benannt ist das Virus nach dem Ort seiner Entdeckung im Jahr 2011 in Schmallenberg, Nordrhein-Westfalen. Es ist eng verwandt mit dem in Ozeanien, Asien und Afrika weitverbreiteten Akabane-Virus und verursacht ein ähnliches Erkrankungsbild.

Nach den ersten Nachweisen in Deutschland im Jahr 2011 wurde das Virus im Anschluss in vielen Ländern Europas nachgewiesen (u.a. Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien).

Betroffene Kälber missgebildet und meist nicht lebensfähig

Eine Erkrankung ist lediglich bei Wiederkäuern (insbesondere Rindern, Schafen und Ziegen) zu beobachten und unterliegt der Meldepflicht. Erwachsene Tiere zeigen in den meisten Fällen keine oder nur leichte Krankheitssymptome wie erhöhte Körpertemperatur oder Milchrückgang.

Dramatisch kann die Infektion bei trächtigen Tieren und deren Feten verlaufen. Je nachdem, in welchem Stadium der Trächtigkeit das Muttertier infiziert wird, kann es zu schweren Missbildungen kommen. Die Jungtiere sind meist nicht lebensfähig und zeigen zum Beispiel Gelenkversteifungen in Halswirbelsäule und Gliedmaßen, Verkürzung des Ober- oder Unterkiefers, Veränderungen des Gehirns bis zum vollständigen Fehlen des Großhirns.

Aufgrund der verkrümmten Gliedmaßen kann es auch zu Schwergeburten und entsprechenden Komplikationen für das Muttertier kommen.
Ein Teil der typischen Missbildungen war auch bei den am Hessischen Landeslabor untersuchten Lämmern feststellbar. Der Nachweis einer Infektion ist in den missgebildeten Feten gut möglich. Bei den Muttertieren sind die Viren nur rund sechs Tage im Blut nachweisbar.

Gegen das Virus ist eine Impfung für Rinder und Schafe verfügbar. Tiere können in der Mückensaison zusätzlich mit Mitteln zur Insektenabwehr wie Naturölen oder künstlichen Repellentien vor einer Infektion geschützt werden.

Mit Material von Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL)

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