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Haltung und Mast

Schmallenberg-Virus: Viele Fragen noch ungeklärt

von , am
21.02.2012

München - Das Schmallenberg-Virus breitet sich weiter aus, täglich werden neue Fälle gemeldet. Dr. Franz Conraths vom Friedrich Loeffler Institut berichtet über die aktuelle Situation.

Pipette zur Besamung eines Rinds
Landwirte sollten wissen, wenn sie einen Klonbullen einsetzen. © Mühlhausen/landpixel
Bundesweit wurde das Schmallenberg-Virus mittlerweile in 629 Betrieben nachgewiesen. Im November 2011 stellte das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erstmals das Auftreten des Virus bei Rindern fest. Viele Fragen sind ungeklärt, so zum Beispiel, ob es sich um ein neues exotisches Virus handelt, oder ob die sogenannten Orthobunyaviren schon seit längerer Zeit bei Wiederkäuern in Europa vorkommen. Auch wie die Krankheit übertragen wird, ist weiterhin unklar.
 
"Wegen der Verwandtschaft zu anderen Viren, vermuten wir im Moment, dass das Schmallenberg-Virus über Insekten wie Gnitzen, vielleicht aber auch Steckmücken übertragen wird", sagte Dr. Franz Conraths, Leiter des Instituts für Epidemiologie des FLI. "Wir müssen die nächsten Monate für wissenschaftliche Untersuchungen nutzen, um zu sehen ob der Schutz der Tiere vor dem Befall mit Insekten das Risiko einer Infektion mit dem Schmallenberg-Virus reduzieren kann."
 
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Besamungszeitpunkt anpassen

Dr. Franz J. Conraths, Leiter des Instituts für Epidemiologie des FLI.
Genaue Empfehlungen, wie Landwirte ihre Tiere vor einer Infektion schützen können, kann Dr. Conraths nicht geben. Einen Tipp hat der Wissenschaftler jedoch: "Wir müssen prüfen, ob durch ein bestimmtes Management der Reproduktion das Risiko einer interuterinen Infektion gemindert werden kann. Wenn es sich für Betriebe einrichten lässt, den Besamungszeitpunkt so zu legen, dass die Föten nicht in dem empfindlichen Zeitpunkt für die Infektion liegen, wird man möglicherweise verhindern können, dass solche schwerwiegenden Krankheitserscheinungen im nächsten Jahr auftreten."
 
 

Kein Anspruch auf Entschädigung

Der Fötus des Schafes infiziert sich wahrscheinlich zwischen dem 25. und 45. Tag über das Muttertier. Bei Kälbern liegt der empfindliche Zeitpunkt zwischen dem 55. und 110. Tag. "Man erkennt die betroffenen Kälber und Lämmer vor allem an der Gelenksteife, manche haben auch einen verkürzten Unterkiefer oder eine stark verdrehte Wirbelsäule oder einen verdrehten Hals", so der Wissenschaftler. Im Moment haben die Landwirte noch keinen Anspruch auf Entschädigung. "Die Schmallenberg-Infektion stellt noch keine Anzeigepflichtige Tierseuche dar und das wäre die Voraussetzung für die Entschädigungsregelung", sagt Dr. Conraths. Ein Impfstoff kann frühestens bis 2013 entwickelt werden.
 
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