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Milchproduktion

Schweiz: SMP-Spitze tritt zurück

von , am
04.02.2013

Bern - Die Führungsspitze der Schweizer Milchproduzenten (SMP) hält eine zukunftsgerichtete Verbandsführung derzeit nicht für möglich. Regionale Organisationen hätten Beschlüsse unterwandert.

Mittlerweile fürchten Experten, dass die hohen Milchpreise den Verbrauch drosseln könnten. © tinadefortunata/Fotolia.com
Bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP) haben Präsident Peter Gfeller und Direktor Albert Rösti angekündigt, im Verlauf dieses Jahres ihre Funktionen gestaffelt abzugeben. Gfeller wird den Verband auf der nächsten Delegiertenversammlung im Frühjahr verlassen, während Rösti sein Amt Ende August aufgibt.
 
Die Rücktritte stehen laut Darstellung der SMP im direkten Zusammenhang mit einer strategischen Blockade innerhalb des Vorstands, die eine zukunftsgerichtete Verbandsführung in der jetzigen Zusammensetzung unmöglich mache.

Mitgliedsorganisationen unterlaufen Beschlüsse

Nachdem die vom SMP-Vorstand jeweils mit klaren Mehrheitsentscheiden abgesegneten Vorschläge zu einer Verbesserung der Situation der Milchproduzenten in den vergangenen Jahren immer wieder von den eigenen Mitgliedsorganisationen unterlaufen wurden, sind Gfeller und Rösti nicht mehr bereit, diesen Zustand zu decken.
 
Gefeller und Rösti legten den Mitgliedern des SMP-Vorstands nahe, ihre eigene Haltung zu überprüfen und sich entweder auf die Vertretung der nationalen Standesinteressen zu konzentrieren oder sich im Vorstand ebenfalls ersetzen zu lassen.

Beschlüsse nicht umgesetzt

Gfeller und Rösti fordern die Mitglieder des SMP-Vorstands auf, einen Neustart zu wagen. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Doppelfunktion SMP-Vorstandsmitglied und Vertreter einer Handelsorganisation nicht in Einklang gebracht werden könne, erklärten Gfeller und Rösti. Der Vorstand habe oft einstimmig etwas entschieden, was in der Region nicht umgesetzt worden sei. Gegen ein solches Vorgehen sei die Verbandsspitze machtlos.
 
Die SMP ist nach eigenen Angaben heute eine operativ intakte Organisation in guter finanzieller Verfassung. Der Abgang von Gfeller und Rösti führe weder zu einem Vakuum noch zu einem weiteren Druck auf die Milchpreise. Vielmehr sei jetzt der richtige Zeitpunkt, damit der Vorstand den Prozess einer Erneuerung starten könne.
 

Bessere Position der Milchproduzenten verhindert

Laut SMP haben Mitglieder des Verbandes die Erteilung einer Allgemeinverbindlichkeit für Marktstabilisierungsmaßnahmen hintertrieben. Deshalb sei es nicht gelungen, auf politischem Weg dringend notwendige Verbesserungen für die Milchproduzenten zu realisieren. Durch diese Aktivitäten seien der SMP die Instrumente zur Einflussnahme auf den Markt zunehmend entzogen worden.
 
Dies sei umso unverständlicher, weil Gfeller und Rösti zweimal in Verhandlungen mit den vier großen Verarbeitern zentral eine Richtpreiserhöhung realisiert hätten. Aus Angst, Handlungsfreiheit zu verlieren, hätten jedoch einzelne Landwirte und Milchverwerterorganisationen weitere zentrale Verhandlungen nicht mehr zugelassen oder hinter den Kulissen gemeinsam beschlossene Marktentlastungsmaßnahmen unterwandert.

Ständig neue Systeme führen zu Intransparenz

Auch die Gründung der zweiten Branchenorganisation Milch (BO Milch) habe die wirtschaftliche Lage der Milchproduzenten nicht verbessert, so die SMP. Auch dort müsse die fehlende Umsetzung einst gefällter Beschlüsse festgestellt werden, denn weder der Richtpreis noch die Segmentierung seien bis heute ordentlich umgesetzt.
Vielmehr würden stets neue Systeme erfunden und damit für die Milchproduzenten völlige Intransparenz geschaffen. Zudem klaffe unverändert eine große Preislücke zwischen den ausbezahlten Erzeugerpreisen und dem vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) publizierten Preisindex.
 
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