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Milchproduktion

Schweizer Studie warnt vor Milchquoten-Ende

© Beuermann/landpixel
von , am
29.07.2014

Brüssel - Der Schweizer Ausstieg aus Milchkontingentierung 2009 führte zu einschneidenden Entwicklungen, zeigt eine Studie. Welche Parallelen gibt es zum EU-Milchmarkt?

Es handelt sich zwar um eine Studie zum Ende der Milchkontingentierung in der Schweiz 2009. Doch Experten sehen Erkenntnisse für den EU-Milchmarkt. © Mühlhausen/landpixel
"Auch fünf Jahre nach dem Ausstieg aus der Kontingentierung fehlen den Produzenten langfristig stabile Marktbedingungen." So lautet ein Ergebnis der jetzt in Brüssel vorgestellten Studie zu den Folgen des Schweizer Ausstiegs aus der Milchkontingentierung im Jahre 2009. Zusätzlich liefert die Studie nach Berichten des European Milk Boards (EMB) jedoch auch Erkenntnisse für die zukünftige Entwicklung des EU-Milchmarktes, der selbst kurz vor einem ähnlichen Ausstieg steht.

Parallelen zum geplanten Ausstieg der EU

Der Markt, insbesondere die Produzenten, würden sich selbst überlassen. "Ohne wirksam greifende Instrumente - ohne kostendeckende Preise - werden sehr viele Bauern auch in der EU sehr schnell aufgeben müssen. Am Ende werden ganze Regionen die Milchproduktion einfach verlieren", beschreibt Romuald Schaber, Vorsitzender des European Milk Board, die zu erwartenden Folgen.
Schaber sieht nach eigenen Angaben in der Schweizer Situation Parallelen zum geplanten Ausstieg der EU. "Auch wenn die Entwicklungen nicht alle 1:1 übertragbar sind, ist es dennoch ein Fakt, dass auch der EU sehr schwierige Zeiten bevorstehen."
 
Hinsichtlich des baldigen Ausstiegs der EU aus der Milchkontingentierung kommt auch die Studie aus Bern zu einigen Schlüssen. Das EMB nennt:
  • Wenn die Milchproduktion aus ganzen Regionen der EU verschwindet, geht damit das lokale Kulturgut um die Milchproduktion verloren. Es kann außerdem zu Abwanderung sowie Verwaldung kommen. Angesichts der Welternährungslage ist dies langfristig sehr problematisch.
  • In der EU kann man auch mit Verwerfungen auf der Verarbeiterseite rechnen, wenn langfristig nicht soviel hergestellt bzw. abgesetzt werden kann, wie zuvor erwartet. Damit verbundene Werkschließungen würden regional tiefgreifende Konsequenzen mit sich bringen.
  • Die Machtverhältnisse im Milchsektor stehen zuungunsten der Produzenten (und der Konsumenten). Die asymmetrische Machtverteilung stellt in der EU ein Marktversagen dar.
  • In der EU dürften Standards der Qualität- und Lebensmittelsicherheit sowie sozialverträgliche Arbeitsbedingungen und Tierhaltungsbedingungen nicht aus den Augen verloren werden.
  • Gesamtwirtschaftlich müsste man beachten, dass höhere Kosten dann gerechtfertigt sind, wenn dadurch beispielsweise den Interessen der Nachwelt Sorge getragen wird. 

Konsequenzen für den Schweizer Milchmarkt

Romuald Schaber vom EMB möchte die Erkenntnisse aus der Studie zum Schweizer Milchmarkt genutzt wissen, um in der EU einen Absturz des Milchmarktes zu verhindern. "Die Politik wäre gut beraten, die Studie konzentriert zu lesen und aus den Schweizer Verhältnissen zu lernen, um dann zumindest wirksame Instrumente für Krisensituationen einzusetzen."
 
Wie die Studie für die Schweiz zeige, haben die ausstiegsbedingten Mengenausdehnungen dazu geführt, dass im Vergleich zum mittleren Erzeuger-Milchpreis der Jahre 2000/02 die Schweizer Industriemilch bis 2010/12 zirka 24 Prozent (%) ihres Werts verloren hat. Wirksame privatrechtliche Maßnahmen zur Stabilisierung der Erzeugerpreise konnten aufgrund einer großen Uneinigkeit unter den Marktakteuren jedoch bis dato nicht umgesetzt werden.
 
Zudem berichtet EMB, zeige die Studie, dass sich die Marktkonzentration der Verarbeiter gegenüber den Produzenten in der Schweiz nach dem Ausstieg verstärkt habe, was deren Marktposition zusätzlich verschlechtert hat. Zwischen 2003 und 2012 hätten die vier größten Milchverwerter ihre Verarbeitungsmenge um 38 % gesteigert und den Anteil am Schweizer Milchmarkt von 44 % auf 56 % erhöht.
 
Ungünstig für den gesamten Schweizer Milchmarkt sei laut der Untersuchung auch die Verteilung des Mengenwachstums nach dem Ausstieg. Es konzentriere sich im Bereich der Billigsegmente Butter und Milchpulver, wo es oftmals nur mit Verlust exportiert werden kann.

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