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Eutergesundheit

Selektives Trockenstellen: Darauf gilt es zu achten

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
11.03.2016

Beim selektiven Trockenstellen wird nur bei euterauffälligen Kühen Antibiotika gegeben. Das Verfahren spart damit zwar Mittel, doch ist ein genaues Beobachten der Eutergesundheit der Einzeltiere von Nöten.

Die DLG geht in ihrem Merkblatt 400 "Trockenstellen von Milchvieh" auch auf das Thema "selektives Trockenstellen" ein. Bei dem Verfahren wird zwar langfristig Antibiotika eingespart, es ist aber ein genaues Wissen über die Eutergesundheite der Milchkühe nötig. Demzufolge basiert das selektive Trockenstellen auf den Informationen

  • der letzten Milchleistungsprüfung vor dem Trockenstellen,
  • dem Ergebnis des Schalmtest und gegebenenfalls
  • einer Viertelanfangsgemelksdiagnostik.

Hieraus ergeben sich laut Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) verschiedenen Entscheidungspfade.

Zellzahl ≤ 100.000 Zellen/ml Milch

Diese mit hoher Wahrscheinlichkeit eutergesunden Kühe werden zum Zeitpunkt des Trockenstellens ohne antibiotischen Trockensteller abrupt trockengestellt.

Durch die Verabreichung eines internen Zitzenversieglers, kann bei diesen Tieren das Risiko einer Neuinfektion weitestgehend reduziert werden.

Zellzahl von 100.000 – 200.000 Zellen/ml Milch

Diese Tiere sind zum Zeitpunkt des Trockenstellens mit einem Schalmtest (CMT) zu überprüfen.

  • fällt dieser negativ aus (keine "+++"-Reaktionen, keine Vierteldifferenzen > 1 Stufe), kann auch hier ohne Trockensteller verfahren werden
  • bei einem positiven Schalmtest (deutlichen Vierteldifferenzen > 1 Stufe und/oder "+++"-Reaktionen) ist der Einsatz des Trockenstellers angeraten. Auch bei diesen Tieren ist die zusätzliche Anwendung eines internen Zitzenversieglers zu empfehlen.

Zellzahlen > 200.000 Zellen/ml Milch

Bei diesen Tieren ist der Einsatz antibiotischer Trockensteller nach Angaben der LLH vertretbar. Darüber hinaus sollten laut Beratungsempfehlung zwei Wochen vor dem geplanten Trockenstellen Viertelanfangsgemelksproben genommen werden und diese in einem zertifizierten Mastitislabor untersucht werden lassen.

  • Werden dabei Erreger wie ansteckende Sc. agalactiae, S. aureus oder Sc. canis gefunden, die in erster Linie beim Melken übertragen werden, so ist eine Gesamtbestandsuntersuchung angeraten. Eine Verbreitung dieser Erreger in der Herde ist dringlich zu verhindern. Solange hier keine Sanierung erfolgreich durchgeführt wurde, sind laut Empfehlung antibiotische Trockensteller zu nutzen.
  • Werden Äskulin-positive-Streptokokken (Sc. uberis) nachgewiesen ist der Trockensteller ebenfalls einzusetzen.
  • Nur beim Nachweis von KNS und Corynebakterien spp. ist der Verzicht auf antibiotische Trockensteller vertretbar. Hierbei wird ein Schalmtest durchgeführt.

Best practice: So bleibt die Milchkuh gesund

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