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Arbeitsschutz

Sicherer Umgang mit Bullen: Darauf müssen Sie achten

Mastbullen im Stall am Futtertisch
am Donnerstag, 17.06.2021 - 09:00 (Jetzt kommentieren)

Im Umgang mit Bullen steht die Arbeitssicherheit an erster Stelle. Wir zeigen, worauf Sie achten müssen.

Im Jahr 2019 ereignete sich jeder fünfte Unfall in den grünen Berufen in der Tierhaltung - jeder achte Unfall passierte in der Rinderhaltung. Besonders der Umgang mit Bullen birgt ein erhöhtes Risiko. Doch diese Gefahr wird bei der täglichen Arbeit im Stall häufig unterschätzt. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) verzeichnet jährlich mehrere dieser Unfälle. Meist haben die Angriffe von Bullen schwere - oft sogar tödliche - Verletzungen zur Folge. 

Seit April dieses Jahres gilt daher eine novellierte Fassung der Unfallverhütungsvorschrift (UVV), die Landwirte zusätzlich schützen soll.

Umgang mit Bullen: Niemals allein

Weiden oder Ställe mit Bullen dürfen Landwirte nur mit Helfern betreten. Dabei müssen sie zudem immer eine Treibehilfe mitführen. Auch ein Hütehund kann hierbei ein Hilfe sein. Gut ausgebildete Hunde ermöglichen es, Rinder so zu treiben, dass zwischen Tier und Mensch eine ausreichende räumliche Distanz gewahrt bleibt. 

Treibehilfen in der Bullenmast

In Bullenmaststall sollten Treibehilfen installiert werden. Hierbei gibt es viele Möglichkeiten, diese an die betrieblichen Gegebenheiten des jeweiligen Stalls anzupassen. Ist beispielsweise in einem Altbau das Einrichten eines Treibegangs nicht möglich, kann ein Treibgestell genutzt werden. Dieser mechanische Bullentreiber eignen sich zum Anbau an den Frontlader, sodass die Tiere sicher aus der Kabine des Schleppers getrieben werden können. Ein Schnellwechselrahmen sorgt für schnelles An- und Abbauen des Gestells. Durch die Hydraulikbetätigung kann das Treibschild mittels Kettenzügen jeweils nach links oder rechts in eine Mastbucht eingeschoben werden, um die Bullen dann herauszutreiben. Auch in Ställen mit Treibegängen kann das Treibeschild eingesetzt werden. Hier können mithilfe des Treibeschilds die Mastbullen aus den Buchten getrieben werden, ohne dass eine Person zu den Tieren gehen muss. 

Mithilfe von Schwenkgattern, die über der Mastbucht angebracht sind, kann mit dem Herunterklappen der Gatter ein Treibegang im vorderen Bereich der Bucht erstellt werden. Wird der Treibgang nicht mehr benutzt, können die Gatter einfach wieder nach oben geklappt werden und die Tiere haben wieder Zugang zum Futtertisch.

Auch Fangfressgitter können sich auf einigen betrieben als hilfreich erweisen. Sie bieten sich vor allem auf Betrieben an, in denen häufig einzelne Tiere zum Beispiel zum Schlachten ausselektiert werden müssen. Außerdem kann es genutzt werden, um Tierbehandlungen sicher durchzuführen.

 

Gefahrenquelle: Bulle als Brunsterkennung im Milchviehstall

In Milchviehherden setzten einige Landwirte auf den Einsatz eines Bullen zur Brunstkontrolle. Doch einfach den Bullen unkontrolliert in der Herde mitlaufen zu lassen, ist nicht nur gefährlich für die betreuenden Personen, sondern auch nicht mehr zeitgemäß. Spezielle Bullenboxen mit direkter Nähe zur Herde sollen nicht nur eine artgerechtere Tierhaltung, sondern auch die Arbeitssicherheit des Personals berücksichtigen.

Bei einem Neu- oder Umbau des Kuhstalles muss eine separate Box mit Fixiermöglichkeiten eingeplant werden. Dies ist auch in vielen Altgebäuden möglich. Die zu belegenden Kühe können so gefahrlos in die Box des Bullen getrieben werden. Ist die Errichtung einer Bullenbox technisch nicht möglich, muss der Bulle auch im Laufstall fixiert werden können. Die Fangfressgitter bieten sich als Einfanghilfe an. Praktiker berichten häufig, dass sie vor dem Melkbeginn den Bullen mit Schrot an einen bestimmten Fressplatz locken. Steckt der Bulle den Kopf durch das Gitter, löst er die Verriegelung aus und fixiert sich selbst. Der Landwirt kann dann gefahrlos den Stall betreten, um zum Beispiel die letzten Kühe in den Melkstand zu treiben. Wichtig sind auch Schlupfmöglichkeiten im Fangfressgitter durch die ein Mensch den Laufstall schnell verlassen kann.

Bei Weidearbeiten in einer Herde mit einem Bullen sollte beispielsweise der Schlepper immer in der Nähe als Rettungsinsel platziert werden. Sicherer ist es jedoch, den Bullen vor dem Beginn der Arbeiten zu fixieren. Dies kann mit einem Fangstand auf der Weide oder einem Treibewagen erfolgen.

Sicherer Umgang mit Zuchtbullen

Werden auf einem Betrieb Zuchtbullen gehalten, dürfen sie nur mit einer Leitstange und einem Halfter geführt werden. Beim Führen durch Türöffnungen und in engen Gängen ist darauf zu achten, dass die führende Person vor dem Bullen geht. Sonst besteht die Gefahr, dass sie eingequetscht wird. 

Sichtig ist auch, dass der Leitstrick nicht um die Hand gewickelt wird. Leitstange und Führstrick müssen außerhalb der Box befestigt und gelöst werden. 

Bullen, die zur Zucht eingesetzt werden, müssen spätestens im Alter von zwölf Monaten einen Nasenring eingezogen bekommen. Dieser muss aus nicht rostfreiem Stahl sein. Der Bulle darf jedoch an diesem Ring nicht angebunden werden. 

Mitarbeiter und Helfer im Umgang mit Bullen schützen

Wer mit Bullen umgeht, muss sich immer bewusst sein, dass das Tier unvorhergesehen reagieren kann. Auch Tiere, die von klein auf im Betrieb sind, können zu einer Gefahr für den Menschen werden.

Mit zunehmenden Alter des Tiers steigt auch die Gefahr, dass sich die Verhaltensweise ändert. Bullen, die ihr Verhalten ändern und aggressiv werden, müsse umgehend aus dem Betrieb entfernt werden.

Der Unternehmer muss sicherstellen, dass alle Mitarbeiter und sonstige Helfer im Betrieb im Umgang mit Bullen ausreichend unterwiesen sind und die Sicherheits- und Verhaltensmaßnahmen kennen.

Tiersignale sicher erkennen

Zum sicheren Umgang mit Bullen gehört auch, dass jede Person, die mit den Tieren umgeht, die Signale der Bullen richtig deuten kann. Immer wieder berichten Landwirte nach einem Angriff durch beispielsweise einen Deckbullen, dass dieser bis zum Angriff zahm gewesen und aus dem Nichts aggressiv geworden sei. Tatsächlich zeigen sich vor einem Angriff aber häufig Verhaltensauffälligkeiten. Erste Anzeichen dafür können zum Beispiel sein:

  • der Bulle stellt sich zwischen Herde und Landwirt,
  • er stellt sich breit und senkt den Kopf.

Es ist für alle Mitarbeiter überlebenswichtig, das Tier immer im Blick zu behalten, seine Verhaltensweisen richtig zu erfassen und dementsprechend zu handeln, um Stresssituationen für den Bullen zu verringern und um einen Angriff vorzubeugen.

Wenn Rinder auffällige Verhaltensweisen zeigen, ist der Landwirt im direkten Umgang mit den Tieren gefordert, sein Verhalten anzupassen und Druck bon den Tieren zu nehmen. Tut er das nicht, muss er mit einem eskalierenden Aggressionsverhalten rechnen, das sich in den aufeinanderfolgenden Verhaltensmerkmalen zeigt: 

  • Kopfschütteln, Ohrenschlagen, Schwanzpeitschen,
  • Scharren, Herausstrecken der Zunge, Speichelfluss,
  • Röhren, Schnauben, Aufreißen der Augen,
  • Sprung nach vorne mit gesenktem Kopf. 

Ein verantwortlicher Umgang ist also nur möglich, wenn technische, organisatorische und persönliche Schutzmaßnahmen und an das Tierverhalten angepasste Arbeitsweisen eingehalten werden.
 

Mit Material von SVLFG

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