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Züchterporträt

Sicheres Standbein mit Jerseyzucht: Ein Landwirt erzählt

Hartmut Kröger mit Jerseykuh auf der Wiese
am Dienstag, 14.04.2020 - 12:00 (Jetzt kommentieren)

Klein, robust und anpassungsfähig – das Jerseyrind. Im niedersächsischen Ahlerstedt ist Harmut Kröger von ihm überzeugt. Dabei züchtet er erst seit drei Jahren die kleine Milchviehrasse.

Die großen, braunen Ohren zucken leicht beim Geräusch sich nähernder Schritte. Noch bevor Hartmut Kröger den Stall betritt, wird er bereits von neugierigen schwarzen Knopfaugen erwartet. Beim Schließen des Stalltors umzingeln ihn die kleinen, kräftigen Körper im Halbkreis, von Scheu keine Spur. Bis zu 450 kg bringt jeder von ihnen auf die Waage. „Die Jerseys sind von ihrem Charakter her viel aufgeweckter und zutraulicher als unsere Holsteinkühe“, sagt der Rinderzüchter aus Ahlerstedt. Etwa 95 Kühe, davon 45 Jerseys und 50 Holsteinkühe, stehen bei Familie Kröger im erst wenige Jahre alten Boxenlaufstall (siehe Tabelle „Der Betrieb Kröger“). Hartmut Kröger züchtet seit 25 Jahren intensiv Rinder, aber erst seit drei Jahren Jerseys.

Familie Kröger mit einer Jerseyzuchtkuh vor dem Boxenlaufstall

Das aus Großbritannien stammende Jerseyrind ist kleiner und zierlicher als die schwarzweißen Leistungssportler. Im Durchschnitt hat es eine Widerristhöhe von etwa 125 cm. Seine Fellfarbe reicht von gelbbraun bis hellrot, cremefarben und schwarz. Gelegentlich kommen sogar Schecken vor. An Kopf, Schulter und Hüfte ist es fast immer etwas dunkler und häufig erstreckt sich ein Aalstrich entlang des Rückens. Das Flotzmaul ist dunkel und hell gesäumt. Die Tiere habe einen charakteristischen kurzen Kopf mit breiter Stirn und großen ausdrucksvollen Augen. Bei der Frage, warum ausgerechnet Jerseykühe, muss der Landwirt kurz überlegen. „Ich bin ein Querdenker und mache nicht unbedingt das, was die breite Masse macht. Ich habe es nicht eingesehen, meine Kälber mit 14 Tagen fast zu verschleudern“, sagt er. Nach seiner Meinung ist der Markt überschwemmt, weil im Überschuss produziert wird. „Was hat das noch mit Nachhaltigkeit zu tun? Selbst für Einkreuzungen mit blau-weißen Belgiern haben sich die Preise nahezu halbiert“, sagt der Landwirt. Der Verkauf von Zuchttieren hingegen rechne sich noch.

Jerseys brauchen weniger Fläche als Holsteinkühe

Seit 2010 bewirtschaftet Hartmut Kröger zusammen mit seiner Frau den elterlichen Betrieb in vierter Generation. „Wir hatten das Privileg, einen schuldenfreien Betrieb übernehmen zu können. Dadurch konnten wir in alle Richtungen denken“, sagt er. So baute die Familie 2013 gegenüber der Hofstelle den neuen Boxenlaufstall. „Jerseys sind eine kleine Milchviehrasse und erfüllen keine ganze Großvieheinheit wie Holsteinkühe. Das heißt, ich brauche nicht so viel Fläche.“ Aus diesem Grund zogen während des zweiten Bauabschnitts Ende 2016 knapp 17 tragende Jerseyfärsen in den Betrieb ein. Wenige Monate später folgten weitere vier abgekalbte Färsen. „Zudem hat die Rasse eine geringere Futteraufnahme, ist sehr robust und besitzt eine hohe Tiergesundheit“, sagt er. Aus diesem Grund entschied er sich für die Rinderrasse.

Hartmut-Kröger im Boxenlaufstall bei seinen Jerseykühen

Noch bevor das erste Jerseyrind auf den Hof zog, hatte sich der Landwirt über die wichtigsten Kuhfamilien in der Jerseyzucht informiert. „Wir hatten uns ziemlich gut auf die Rasse vorbereitet. Deswegen habe ich entgegen der Beratung keine kompletten Herden übernommen, die mir am Anfang angeboten wurden, sondern nach und nach zwischen fünf und zehn Tiere gezielt von Züchtern zugekauft.“ Als die ersten Tiere bei ihm einzogen, wurde er von Berufskollegen belächelt. „Aber schon in relativ kurzer Zeit gaben uns die züchterischen Erfolge recht. Wir konnten vom Exterieurniveau der Herde gleich oben an der Spitze mitmischen. Nur beim Leistungsniveau sind wir noch nicht am Ende unserer züchterischen Entwicklung angekommen. Hier ist noch Luft nach oben“ sagt der Milchviehhalter.

Das Jerseyrind: Gute Tiergesundheit aber kleine und zierliche Kälber

Nach nur zwei Jahren fand auf dem Familienbetrieb Kröger 2019 die erste ausgerichtete stille Auktion im Rahmen der Versammlung des Jerseyverbands statt. „Wir wurden bereits das Jahr zuvor gefragt, aber mit nur einer Handvoll Tiere im eigenen Bestand, wollte ich keine Auktion durchführen.“ Ein Jahr später willigte Kröger dann schließlich ein. „Dann haben wir richtig Gas gegeben.“ Dazu baute der Landwirt im Altgebäude Boxen für die Verkaufstiere, bestellte ein extra Kuhfitterteam und Imbisswagen. „Ich wusste, wir bekommen solch eine Chance nicht so schnell wieder. Schließlich waren unter den Teilnehmern internationale Züchter und diese Gelegenheit wollte ich nutzen“, sagt er. Die Auktion war ein voller Erfolg.

Jersey-Kalb

Mittlerweile ist Hartmut Kröger in der Jerseyzucht für viele ein Begriff. Für ihn war die Entscheidung die richtige, doch auch bei den Jerseys gibt es nicht nur Vorteile. „Sie sind sehr leichtkalbig, fast zu gut. Gerade in der Nacht kann es zu toten Kälbern kommen, weil sie in der Fruchtblase ertrinken. Das kommt überwiegend bei den reinrassigen Mehrkalbskühen vor“, erzählt der Züchter. Ein weiterer Nachteil ist, dass sich reinrassige Bullenkälber schlecht vermarkten lassen. „Sie sind zu klein und zu leicht. Bei der Geburt sehen sie fast wie kleine Rehe aus“, sagt der Züchter.

Nachfrage nach Jersey-Zuchttieren ist groß

Aus diesem Grund werden die Tiere alle mit gesexten Sperma besamt. „Die Jerseys, die wir nicht tragend bekommen, werden mit blau-weißen Belgiern belegt. Mit dieser Philosophie fahren wir sehr gut“, sagt er. Weibliche Jerseytiere kann der Familienbetrieb Kröger im Prinzip nie genug haben. „Wir haben Nachfrage ohne Ende von anderen Jerseyzüchtern“, sagt Kröger. „Das betrifft aber nur die ganz normalen Zuchtkälber. Die Kuhfamilien, mit denen wir intensiv züchten, verkaufen wir so eigentlich nicht“, sagt der Milchviehalter. Außer es käme vielleicht ein überaus unmoralisches Angebot. Dann denke der Betrieb wenigstens darüber nach. „Wir befinden uns züchterisch nach wie vor noch im Aufbau. Schließlich betreiben wir die Jerseyzucht erst seit drei Jahren.“

In naher Zukunft will der Landwirt seine Milchviehherden zu gleichen Teilen aufstallen. „Mein Traum wäre aber, irgendwann komplett auf Jerseys umzusteigen“, sagt der Landwirt beim Gang durch den Stall. 

Der Betrieb Kröger

Landwirtschaftliche Nutzfläche (ha) 57; davon 43 Grünland und 14 Ackerland
Anzahl Milchkühe (Stück) 40 Jersey und 55 Holstein
Anzahl weibliche Nachzucht (Stück) 30 Jersey und 60 Holstein
 Milchleistung (kg) 7.300 Jersey und 10.600 Holstein
Fett (%) 5,26 Jersey und 4,0 Holstein
Eiweiß (%) 3,97 Jersey und 3,33 Holstein
Zellzahlgehalt (Zellen/ml) 65.000 Jersey und 43.000 Holstein
ZKZ (Tage) 391 Jersey und 399 Holstein
EKA (Monate) 24
Verlustrate (%) 6-7 im gesamten Bestand
Besamungsindex Kühe  2,4 Jersey und 2,5 Holstein
Besamungsindex Färse 2,2 Jersey und 1,5 Holstein
Bullenauswahl Jersey Chrome, Casino, Matt, Barnabas
Melktechnik 2 Melkroboter Lely
Arbeitskräfte insgesamt 2,2

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