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Milchproduktion

Situation am EU-Markt noch relativ stabil

von , am
12.08.2011

Berlin - Während die Preise an den internationalen Märkten zuletzt nachgaben, zeigten sich die Verhältnisse am EU-Markt noch relativ stabil.

Am internationalen Milchmarkt nehmen die Anzeichen für eine Abschwächung der globalen Nachfrage und damit für eine Preiskorrektur zu. Zwar ist das Preisniveau für die wichtigsten Milchprodukte nach wie vor recht hoch, jedoch haben die Exportpreise im Juli sowohl in Europa als auch in Ozeanien nachgegeben. Auch für die nächsten Monate zeigen die Preis-Indikatoren derzeit nach unten. So gingen die Kontraktpreise der internationalen Handelsplattform Global Dairy Trade in den letzten vier aufeinanderfolgenden Handelsterminen zurück. Anfang August lag das dort für die Lieferung in den kommenden Monaten ausgehandelte Preisniveau rund 15 Prozent (%) niedriger als Mitte Juni. Verursacht wird diese Entwicklung offenbar durch eine Abschwächung der globalen Nachfrage. Nach den bislang vorliegenden Handelsdaten haben unter anderem solche bedeutenden Importeure wie China und Russland ab dem zweiten Quartal den Einkauf von Milchprodukten am Weltmarkt eingeschränkt. Dabei dürften der kräftige Anstieg der Verbraucherpreise und die Abschwächung der globalen Wirtschaftsdynamik hauptverantwortlich für den Rückgang der Nachfrage sein. Preisdämpfend wirkt zudem die durch den Preisanstieg ausgelöste Ausweitung der globalen Produktion.

Preise am EU-Markt noch relativ stabil

Am EU-Binnenmarkt haben sich das Preise für die wichtigsten Milchprodukte zumindest bis Mitte Juli auf hohem Niveau behauptet. Die nachgebenden Weltmarktpreise hatten bis dahin noch keine erkennbaren Auswirkungen. Butter war im Juli nach den wöchentlich erfassten Daten der EU-Kommission sogar etwas teurer als im Juni, während sich die Preise für Käse und Milchpulver kaum veränderten. Entsprechend dieser Entwicklung blieben auch die Erzeugerpreise im Schnitt aller EU-Länder relativ stabil. Allerdings lagen auf Erzeugerebene erst Daten bis zum Monat Mai und für einzelne Länder bis Juni vor. Im Schnitt der EU 27 kostete Rohmilch (natürlicher Fettgehalt) im Mai 33,3 Euro je 100 Kilo (kg). Damit bewegten die Erzeugerpreise in der EU seit 8 Monaten nahezu stabil um die Marke von 33 Euro/100 kg. Dabei sind die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Ländern jedoch beträchtlich. Der deutsche Rohmilchpreis lag im Mai mit 34,44 Euro/100 kg etwas über dem durchschnittlichen EU-Niveau und ist im Juni noch einmal leicht angestiegen. Höhere Preise als in Deutschland erzielten die Milcherzeuger im Mai unter anderem in Dänemark, Italien, den Niederlanden, in Schweden und Finnland. Weniger Milchgeld als in Deutschland erhielten die Landwirte hingegen in Tschechien, Frankreich, Polen und dem Vereinigten Königreich. Von den großen Milcherzeugerländern der EU lag das Preisniveau lediglich im Vereinigten Königreich unter 30 Euro/100 kg.

Milchproduktion in der EU kräftig ausgeweitet

Die Milchanlieferung in der EU lag in den die ersten fünf Monate des Kalenderjahres rund 2,4 % über der Vorjahreslinie. Damit hat sich der Produktionsvorsprung im Vergleich zu den ersten vier Monaten (2,8 %) des Jahres etwas verringert. Verantwortlich hierfür dürfte das trockene Frühjahr in Nordwesteuropa und die bis dahin kräftig gestiegenen Kosten für Eiweißfutter und Energie sein. Allerdings haben die ergiebigen Regefälle der letzten Wochen für eine deutliche Verbesserung der Futteraufwuchses und der Versorgungssituation mit Grünfutter gesorgt. In Deutschland, dem größten Milchproduktionsland der EU, lag die Anlieferungsmenge von Januar bis Mai rund 2,5 % über dem Vorjahreswert, was eine leichte Abschwächung des Produktionswachstums bedeutet. Dagegen hat die Anlieferungsmenge in Frankreich, dem im zweitgrößten Milchproduzenten der EU, im Vorjahresvergleich um 6,3 % zugenommen. Damit hat sich die Produktionsexpansion in Frankreich trotz des trockenen Frühjahrs nicht abgeschwächt. Noch stärker als bei unseren westlichen Nachbarn wuchs die Milchproduktion nur noch in Irland. Hier lag die Anlieferungsmenge in den ersten 5 Monaten diesen Jahres 13 % über dem Vorjahreswert. Im Vereinigten Königreich nahm die Anlieferung immerhin noch um 3,7 % zu und in den Niederlanden blieb die Produktionsmenge nahezu stabil. Weniger Milch als im letzten Jahr lieferten die Milcherzeuger unter anderem in Italien und Dänemark sowie in Rumänien und Ungarn ab.

Weltmarkt beeinflusst Produktionsstruktur

Ganz offensichtlich wurde die Herstellung von Milchprodukten in der EU im laufenden Jahr ganz erheblich von den Absatzmöglichkeiten am Weltmarkt beeinflusst. So hat die Erzeugung von Magermilchpulver in den ersten 5 Monaten des Jahres mit 7,3 % weitaus stärker zugenommen als die Produktion von anderen Milchprodukten. Darüber hinaus wurde EU-weit auch mehr Vollmilchpulver (2,3 %), mehr Käse (1,3 %), Butter (0,9 %) und Sahne (1, 8 %) hergestellt. In Deutschland hat die Erzeugung von Magermilchpulver mit 9 % sowie von Vollmilchpulver mit 11, 8 % sogar noch kräftiger zugenommen als in der übrigen EU. Auch bei Butter (3,7 %) und Käse (1,7 %) lag der deutsche Produktionszuwachs über dem EU-Durchschnitt. Das stärkste Wachstum bei der Butterproduktion unter den großen EU-Produzenten verzeichneten jedoch Irland (19,5 %) und Frankreich (6 %). Demgegenüber ging die Butterzeugung in den Niederlanden, Dänemark und im Vereinigten Königreich zurück. Ihre Käseproduktion haben neben Deutschland (1,7 %) auch Frankreich (1, 6 %), die Niederlande 2,2 %) und das Vereinigte Königreich (5,2 %) sowie Polen (1,8 %) ausgeweitet. In Dänemark (-4 %) und Italien (-2,6 %) wurde in den ersten 5 Monaten dieses Jahres hingegen weniger Käse produziert als vor einem Jahr.

Deutschland verliert beim Käseexport

Bei der Ausfuhr von Milchprodukten aus der EU zeigen die für die ersten 5 Monate vorliegenden Daten bei fast allen Produkten kräftige Zuwächse. Lediglich der Export von Butter liegt knapp 15 % unter dem Vorjahr und die Ausfuhr von Vollmilchpulver stagniert. Das stärkste Wachstum verzeichneten die europäischen Exporte bei Magermilchpulver, Kasein, Butteröl und Molkepulver. Aber auch der Drittlandsexport von Käse hat nach Angaben der EU-Kommission um mehr als 6 % zugenommen. Überraschend ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass der größte europäische Käseproduzent und Exporteur Deutschland, beim Käseexport Marktanteile verloren hat. Während die gesamteuropäische Käseausfuhr nämlich um 6,3 % zunahm, gingen die deutschen Drittlandsexporte (trotz einer größeren Inlandsproduktion) um knapp 10 % zurück. Beim Käseexport in Drittländer konnten insbesondere die Niederlande (+11 %), Frankreich (+22 %), Dänemark (+24 %) sowie Litauen (+53 %) zulegen. Trotz des Verlusts von Marktanteilen entfallen auf Deutschland noch immer 20 % (Vorjahr 24 %) der gesamteuropäische Käseexporte, bei der Ausfuhr von Magermilchpulver lag der deutsche Anteil bei 19 % (Vorjahr 14 %).
 
Dr. Olaf Zinke/Marktanalyst dlv
 
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