Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Hygiene

So bleiben Kühe blitzblank

Kuh-Kühe-Hinterhand-Euter-frisiert-gestylt
am Donnerstag, 23.07.2020 - 12:42 (Jetzt kommentieren)

Sauber bis zu den Klauen – das hat nichts mit einem übertriebenen Putzfimmel zu tun, sondern ist ein wesentlicher Bestandteil des Hygienemanagements im Stall. Wir zeigen, worauf Sie bei Verschmutzungen von Rindern achten sollten.

02-CERES_Milchviehhalter_Müller_JAWORR_TJR_8189
Sauber aufgereiht – so sollten Ihre Kühe im Idealfall am Futtertisch oder im Melkstand stehen. Schließlich ist ein gepflegtes Haarkleid ein Zeichen für gute Tiergesundheit und bestes Hygienemanagement. Verschmutzte Laufgänge und Liegeboxen führen zu Klauen- und Eutererkrankungen und schlagen sich auf diese Weise in teuren Behandlungskosten nieder. Je nach Grad der Erkrankung können die Kosten bei einer Größenordnung von 200 bis über 500 Euro je Kuh und Laktation liegen. Im schlimmsten Fall gehen die Tiere vorzeitig ab.
Die Ursachen für verschmutzte Beine, Euter, Brust- und Bauchbereiche lassen sich vor allem auf verschmutzte Liege flächen und stark verunreinigte Laufgänge zurückführen. Zum Beispiel zu viel Kot und Harn auf den Laufgängen, weil zu selten abgeschoben wird. Deutlich sichtbare Fellverfärbungen, große Flecken und Schmutzkrusten auf der Hinterhand spiegeln wider, dass beim Stallmanagement etwas falsch läuft. Eine Ursache ist falsches oder zu wenig Einstreu.
Tauchen solche Phänomene zeitlich begrenzt auf, können sie auch mit einer Futterumstellung zusammenhängen. Jeder kennt den Effekt, den frisches Gras auslösen kann: Der Kot wird dünner und die Tiere in der Regel schmutziger.
Ein stark verunreinigtes Haarkleid beeinträchtigt nachhaltig das Wohlbefinden der Kühe. Es kommt zu vermehrtem Juckreiz, die Thermoregulation ist beeinträchtigt und das Gewebe durch den Kot gereizt. Im schlimmsten Fall können eitrige Hautentzündungen durch einen massiven bakteriellen Befall entstehen.
Besonders verschmutzte Euter spielen eine große Rolle in der Tiergesundheit und in der Milchhygiene. Eine hochgradige Verschmutzung von Milchkühen ist zudem tierschutzrelevant. Daher müssen Nutztierhalter laut § 11 (8) des Tierschutzgesetzes die Situation im Stall mit sogenannten Tierschutzindikatoren bewerten. Mit dieser Regelung wird explizit die Eigenverantwortung des Tierhalters für das Wohlbefinden des Tiers herausgestellt. Der Haken: Nach derzeitigem Gesetzesstand gibt es keine einheitlichen Vorschriften. Es reicht aus, wenn der Tierhalter für seinen Betrieb passende tierbezogene Indikatoren auswählt und anwendet. Bei Rindern sind dies beispielsweise die Körperkondition, die Verschmutzung, die haltungsbedingten Verletzungen, die Klauengesundheit und die Lahmheit.

Tiere genau beobachten und bewerten

Dabei ist es aus vorgenannten Gründen durchaus im Eigeninteresse, regelmäßig solche Tierkontrollen durchzuführen. Für den besten Überblick führt man sie zweimal im Jahr durch, zum Beispiel im Sommer und im Winter. Man kann sich dabei an verschiedenen Leitfäden orientieren, um die Verschmutzung einzustufen. Beispielsweise am „KTBL-Tierschutzindikatoren-Leitfaden für die Praxis – Rind“ oder am „Leitfaden für das sachgerechte Scoring von Lahmheiten, Sprunggelenksveränderungen und Verschmutzungen bei Milchkühen“ des niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES).

Ganz gleich, welchen Tierschutzindikator Sie verwenden: Wichtig ist es, die Verschmutzungen systematisch und standardisiert zu erfassen. Am besten sollten immer dieselben Personen die Tiere beurteilen, damit die Ergebnisse vergleichbar sind. Gute Lichtverhältnisse im Stall und ausreichend Zeit sind für die Tierbeurteilung hilfreich. Wer die Tiere im Fressgitter fixieren kann, erleichtert sich das Bewerten.
Achten Sie darauf, dass die ausgewählten Tiere eine Stichprobe aus allen laktierenden und trockenstehenden Kühen einer Herde bilden. Die Stichprobe sollte anteilig aus den einzelnen Gruppen gezogen werden. Teilen sich zum Beispiel hundert Kühe auf zwei Leistungsgruppen mit je 40 Tieren und eine Trockenstehergruppe mit 20 Kühen auf, sollte die Hälfte der Kühe jeder Gruppe beurteilt werden; jeweils 20 Tiere aus den Leistungsgruppen und zehn Kühe aus der Trockenstellgruppe.

Den Verschmutzungsgrad beurteilen

Am Beispiel des KTBL-Leitfadens wird an jedem Tier eine Körperseite zufällig ausgewählt. Anschließend werden aus maximal 2 m Entfernung die Körperregionen unteres Hinterbein, oberes Hinterbein und Euter getrennt beurteilt. Berücksichtigt werden Kotauflagerungen, egal ob frisch oder getrocknet, die in der Summe eine mindestens handtellergroße Fläche ausmachen. Verfärbungen der Haut beziehungsweise des Haarkleids alleine sind nicht zu werten.

Anschließend wird die Anzahl der Tiere, die als schmutzig für die jeweilige Körperregion eingestuft wurde, durch die Gesamtzahl der beurteilten Tiere geteilt und mit 100 multipliziert. Das ergibt den prozentualen Anteil der Kühe mit Verschmutzung für das jeweilige Merkmal.
Auf Basis des KTBL-Leitfadens sollten nach Meinung der Experten die Zielwerte des Verschmutzungsgrads für das untere und das obere Hinterbein bei 10 Prozent und im Bereich des Euters bei rund 5 Prozent liegen. Hingegen sind Werte ab 30 Prozent für unteres Hinterbein und jeweils 20 Prozent für oberes Hinterbein und Euter ein Alarmsignal für den Halter. Diese Werte deuten darauf hin, dass die Tiere zu schmutzig sind und dass die damit verbundenen Gesundheitsprobleme – vor allem an Euter und Klauen – zunehmen könnten.

Egal für welchen Leitfaden zur Tierbeurteilung Sie sich entscheiden: Das regelmäßige Arbeiten mit Tierschutzindikatoren hilft, Mängel im eigenen Bestand zu erkennen. Dadurch lassen sich die Tiergesundheit und die Wirtschaftlichkeit des Betriebs verbessern. 

Zusatzinfo: Betriebliche Eigenkontrolle

Wieso? Nutztierhalter müssen laut § 11 (8) des Tierschutzgesetzes mit geeigneten tierbezogenen Merkmalen (Tierschutzindikatoren) die Anforderungen des § 2 erheben und bewerten.

Warum? Verschmutzungen fördern Klauen- und Eutererkrankungen. Sie können zu Juckreiz führen und im schlimmsten Fall die darunterliegende Haut entzünden und die Thermoregulation beeinträchtigen. Außerdem zeigen sie dem Landwirt Schwachstellen in Haltung und Management auf.

Wann? Kontrolle halbjährlich, zur Mitte des Sommer- und Winterhalbjahres, erheben und auswerten.

  • Euter- und Klauenerkrankungen sind die häufigsten Gründe für vorzeitige Abgänge der Kühe.
  • Die Ursachen lassen sich auf verschmutzte Laufgänge und Liegebereiche zurückführen.

Kommentare

agrarheute.comKommentare werden geladen. Bitte kurz warten...