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Management

So holen Sie mit Algen mehr aus der Gülle raus

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am Donnerstag, 02.05.2019 - 12:39

Mit ihrem Konzept wollen Christine Gärke und Michael Kruse aus dem niedersächsischen Kettenkamp die Güllemengen in ihrer Region reduzieren. Wir haben nachgefragt.

Bisher haben Sie landwirtschaftliche Güter wie Stroh, Gülle und Kalk vermittelt. Jetzt planen Sie, die Gülle anderweitig zu verwerten. Erklären Sie bitte Ihr Konzept?

Gärke: Wir planen, Gülle aufzubereiten. Dazu werden wir in den nächsten zwei Jahren ein Gewächshaus für die Algenproduktion, eine 500-kW-Biogas- und eine Nährstoffaufbereitungsanlage bauen. Unser Plan sieht vor, die Anlage mit 100 Prozent Gülle zu fahren.

Wann soll es losgehen?

Kruse: Das Gewächshaus soll noch in diesem Sommer gebaut werden. Die Anträge laufen. Sobald das Gewächshaus steht und läuft, sollen Biogas- und Totalaufbereitungsanlage folgen.

Warum wollen Sie Algen anbauen?

Gärke: Ein Gewächshaus bietet sich an, da wir die Abwärme der Biogasanlage optimal verwerten können. Zudem wächst der Markt für Algen beziehungsweise Algenpulver enorm, da es sich um ein sogenanntes Superfood handelt.

Wie viel Gülle benötigen Sie für den Betrieb der Anlage?

Kruse: Wir planen mit 80.000 bis 100.000 m3 Gülle im Jahr.

Woher wollen Sie diese Menge nehmen?

Gärke: Wir haben Verträge mit Landwirten abgeschlossen, die aus einem Umkreis von etwa 30 km kommen. Voraussetzung ist, dass die Gülle ausschließlich vom eigenen Betrieb stammt. Wir setzen auf Regionalität, um die Transportwege zu minimieren.

Kruse: Die Landwirte hatten zudem die Möglichkeit, sich finanziell an dem 7,5 Mio. Euro teuren Projekt zu beteiligen. Sie konnten also entweder Lieferverträge mit uns abschließen oder sich als Kommanditist an der Anlage beteiligen oder beides machen.

Mit wie vielen Landwirten haben Sie bisher Verträge abgeschlossen?

Kruse: Derzeit haben wir etwa 65 Landwirte, die sich in der einen oder anderen Form beteiligen. Die Kommanditisten haben durchschnittlich 50.000 Euro investiert. Die Summen schwanken aber zwischen 10.000 und 100.000 Euro.

Bei den Lieferverträgen liegt der Durchschnitt bei 1.500 m3 Gülle pro Jahr. Obwohl auch hier die Schwankung recht hoch ist und von 200 bis 15.000 m3 reicht.

Welche Vorteile haben die Landwirte, die Ihre Partner werden?

Gärke: Der Landwirt stellt seine Gülleabnahme mit einem fixen Preis sicher. Die Lieferverträge laufen über zehn Jahre. Der Landwirt muss seine Lagerkapazitäten nicht ausweiten. Wenn er als Kommanditist einsteigt, darf er eine Rendite von 10 Prozent ab dem dritten Jahr erwarten – damit rechnen wir jedenfalls fest.

Was muss der Lieferant für die Gülleabnahme zahlen?

Kruse: Je nach Trockensubstanzgehalt nehmen wir 8 bis 9 Euro je Kubikmeter. Die Gülle muss mindestens einen TS-Gehalt von 5 Prozent aufweisen und darf ein definiertes Maß an Rückständen wie Antibiotika nicht überschreiten. Dafür kann der Landwirt die Flüssigphase im ersten Jahr kostenlos mitnehmen.

Neben Gas erzeugen Sie auch andere Produkte. Welche sind dies und wie werden sie vermarktet?

Gärke: Wir erzeugen Gas, das in Strom umgewandelt und teilweise eingespeist wird. Die Abwärme der Biogasanlage nutzen wir für die Erzeugung der Algen im Gewächshaus. Sie werden vor Ort nach der Ernte getrocknet und verpackt. Wir verkaufen die Algen in Bioqualität an unseren Partner. Die anfallenden Gärreste aus der Biogasanlage werden in der Nährstoffaufbereitungsanlage verarbeitet. Hier planen wir, zusätzliche Fremdgärreste einzusetzen. Für die Aufbereitung nutzen wir einen Teil des selbsterzeugten Stroms und separieren die Gärreste in vorfluterfähiges Wasser, ein flüssiges Nährstoffkonzentrat sowie Dünger. Das Wasser macht dabei etwa 50 Prozent aus und die flüssigen und festen Nährstoffkonzentrate jeweils circa 25 Prozent.

Kruse: Spannend für uns und die Landwirte ist, dass sowohl der Flüssig- als auch der Festdünger nicht mehr Wirtschaftsdünger sind. Wir wollen die Nährlösung als Handelsdünger und die feste Phase als Torfersatzstoff deklarieren lassen. Bis zum Deklarieren als Handelsdünger dauert es allerdings eine Weile. In dieser Übergangsphase ist es leider doch noch Wirtschaftsdünger.

Welche Umsätze erwarten Sie?

Gärke: Wir rechnen mit etwa 3,8 Mio. Euro Umsatz. Wir müssen aber auch fünf bis sechs Angestellte bezahlen, die wir für den Betrieb der Anlagen einstellen werden. Wir erwarten, dass wir jährlich 7 t getrocknete Algen verkaufen können. Daraus ergibt sich ein Erlös von ungefähr 245.000 Euro. Hinzukommen knapp 900.000 Euro aus der Gülleanlieferung, circa 1 Mio. Euro aus der Stromeinspeisung und 1,9 Mio. Euro aus der Verarbeitung unserer sowie fremder Gärreste. Für die Nährstoffkonzentrate rechnen wir anfangs mit keinen Umsätzen. 

Mehr interessante Beiträge rund um die Themen Gülle, Eutergesundheit und Klauengesundheut finden Sie im aktuellen Heft agrarheute Rind 05/19