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Rinderhaltung

So leisten Sie richtig Geburtshilfe

© Vet-foto/landpixel.de
dlg/bes
am
30.12.2015

Der Eingriff in die natürliche Geburt von Kälbern sollte nur in ganz speziellen Situationen erfolgen. Wann die Kuh Hilfe braucht und wie Sie diese leisten können, erfahren Sie hier.

Ein Eingreifen in den natürlichen Geburtsvorgang ist erst erforderlich, wenn eine Gefahr für das Kalb zu befürchten ist. Das ist der Fall, wenn es zu einer deutlichen Verzögerung der sogenannten Austreibung kommt. Davon spricht man, wenn zwischen dem Platzen der Fruchtblasen und dem Durchtritt des Kopfes bei Kühen mehr als zwei und bei Färsen mehr als drei Stunden vergehen. Während dieser langen Kalbungszeit wird die Verbindung zwischen Plazenta und Uterus zunehmend gelöst und das Kalb nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Wichtig ist, diesen abweichenden Geburtsverlauf zu erkennen und rechtzeitig und gezielt einzugreifen. Die DLG hat dazu ein Merkblatt herausgegeben. Auszüge davon haben wir zusammengefasst.

Gründe für Geburtsstörungen können sein:

  • Das Passieren des Geburtsweges ist nicht möglich
  • Die Wehentätigkeit ist eingeschränkt
  • Der Stoffaustausch über die Plazenta ist eingeschränkt

Richtige Vorbereitung

Die beste und erfolgversprechendste Geburtshilfe ist eine weitsichtige Vorbereitung:

  • Vermeidung von Stress durch optimierte Aufstallung und der ruhige Umgang mit den Tieren
  • Nicht verfettete, gut entwickelte und nicht zu junge Färsen
  • Eine ausgewogene Mineralstoff- und Spurenelementversorgung
  • Ein ausreichendes Wasserangebot
  • Die Sauberkeit von Kühen und Einstreu im Vorbereitungsbereich
  • Eine gezielte, gut organisierte Geburtsüberwachung duch gut ausgebildetes Personal
  • Klar festgelegte Handlungsanweisungen zur Durchführung von Eingriffen
  • Eine zeitnahe, systematische Abklärung von unklaren Verlustursachen

Notwendige Matierialien und Geräte

  • Seife, Bürste, 2 Eimer, Handtuch, Händedesinfektion
  • Lange Untersuchungshandschuhe, saubere Gummischürze
  • Saubere und desinfizierte Geburtsstricke oder -ketten, ein circa 40cm langer Stab
  • Gleitgel, Fruchtwasserersatz, Pumpe und Schlauch
  • Dokumentationsmaterial
  • Mechanischer Geburtshelfer
  • Material zur Nabelversorgung

Fachgerechte Zughilfe

Zughilfe sollte erst durchgeführt werden, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Seit dem Platzen der Fruchtblase sind 2 Stunden vergangen und es wird kein Fortschritt beobachtet
  • Alle Materialien, Geräte und sauberes Wasser sind bereitgestellt
  • Das Kalb befindet sich in oberer Stellung, d.h. der Rücken des Kalbes weist zum Rücken der Kuh
  • Das Kalb befindet sich in gestreckter Haltung, d.h. die Haltung von Gliedmaßen und Kopf ermöglichen einen ungehinderten Auszug
  • Es ist eine maximale Aufweitung des weichen Geburtsweges erreicht
  • Die Kuh liegt in Seitenlage
  • Die sauberen Geburtsstricke sind über dem Fesselgelenk angebracht
  • Das Kalb ist für den knöchernen Geburtsweg nicht zu groß bzw. das Becken der Kuh ist groß genug
  • Die Scheidenwand ist feucht und gleitfähig

Ist eine der Bedingungen nicht erfüllt, ist von einem Auszug des Kalbes abzuraten!

So ziehen Sie richtig

  • Zughilfe muss im Rhythmus der Wehen erfolgen
  • In Seitenlage kann mit der Kraft der Presswehen die notwendige Zugkraft reduziert werden
  • Versetzte Beine des Kalbes beim Einzug in das Becken verringern den Durchmesser des Kälberkörpers
  • Der Einzug in das Becken ist maximal mit der Kraft von einer Person und ohne mechanischen Geburtshelfer vorzunehmen
  • Sobald der Schultergürtel das Becken passiert hat, sind beide Beine während des Auszuges wieder auf gleiche Höhe zu bringen
  • Nach etwa 10 Minuten sollte das Kalb mindestens 10 bis 15 cm vorangekommen sein
  • Es sollte maximal mit der Kraft von zwei Personen gezogen werden, um das Risiko Kalb und Kuh zu verletzen zu verringern

Regeln für den mechanischen Zughelfer

  • er wird in gerader Verlängerung zur Wirbelsäule der Kuh angesetzt, leicht angespannt und bei jeder Wehe leicht abgewinkelt, in der Wehenpause wieder gerade ausgerichtet und gefühlvoll nachgespannt
  • eine Zugkraftbegrenzung und die Möglichkeit der Zugenstpannung am mechanischen Geburtshelfer reduzieren das Verletzungsrisiko
  • während der Wehenpause ist auch Zugpause
  • tritt der Brustkorb heraus wird die Zugrichtung um 90° in Richtung Euter abgewinkelt. Dadurch erreicht man die Streckung der Hintergliedmaßen, so dass diese ungehindert am Schambein der Kuh vorbei gleiten können.
  • Der Auszug einer Hinterendlage dagegen erfolgt zu jeder Zeit parallel zum Rücken der Kuh.
     

Richtig Geburtshilfe bei Kälbern leisten

Bei einer Geburt platzen die Fruchtblasen in der Regel, nachdem sie die Scheide erreicht haben. Diesem Kalb hier ist nach der Geburt noch von der Fruchtblase umhüllt. Diese muss nun schnellstens vom Kopf entfernt werden, um dem Kalb das Atmen zu ermöglichen. © Birndt/dlg
Manchmal ist das Passieren des Geburtsweges nicht möglich. Zu große Kälber oder abnorme Haltungs-, Stellungs- und Lagevarianten verhindern dies. Auch die körperliche Entwicklung von Färsen hat einen entscheidenden Einfluss. Mit dem sogenannten Durchgangstest überprüft man mit der Hand über der Stirn oder am Schulterblatt, ob das Kalb nicht zu groß ist für den Geburtsweg. © Jackson/dlg
Die Geburtsstricke oder -ketten müssen sauber sein und über das Fesselgelenk angelegt werden. © Jackson/dlg
Die Zughilfe erfolgt dann im Rhythmus der Wehen. In Seitenlage der Kuh kann die notwendige Zugkraft reduziert werden. © Jackson/dlg
So ist der Strick richtig an den Vordergliedmaßen angelegt. Auch mit Zughilfe sollte der Geburtsfortschritt einer normal ablaufenden Geburt entsprechen. Nach circa 10 Minuten sollte das Kalb mindestens 10 bis 15 cm vorangekommen sein. © Jackson/dlg
Für den Einzug ins Becken werden die Beine um zwei Klauenlängen versetzt. Mit der damit bewirkten Schrägstellung des Schultergürtels kann der Durchmesser des Kälberkörpers an diesem Engpass und damit der Kraftaufwand wirksam verringert werden. Der Einzug in das Becken ist maximal mit der Kraft einer Person und ohne mechanischen Geburtshelfer vorzunehmen. © Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover/dlg
Sobald der Schultergürtel das Becken passiert hat, sind fü den Auszug beide Beine wieder auf gleiche Höhe zu bringen. © Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover/dlg
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