Login
dlz-Roadtrip

So wird die Milch in den Beneluxländern produziert

Maren Diersing-Espenhorst/dlz agrarmagazin/Nicoleta Culiuc/agrarheute
am
02.11.2015

Die Redakteure des dlz primus Rind besuchten Milchbauern in den Beneluxländern. Hier erfahren Sie, mit welchen Problemen unsere Luxemburger Nachbarn zu kämpfen haben und wieso es kaum neue Flächen zu erwerben gibt.

Bei ihrem Roadtrip in den Beneluxländern haben sich die dlz-Primus Rind Redakteure zwei Milchbetriebe angesehen. Der eine Landwirt, Marc Vaessen, melkt zirka 200 Kühe, will aber im Laufe des nächsten Jahres auf circa 250 Kühe aufstocken. Der andere, Norbert Schroeder melkt 90 Kühe.

Landwirt Vaessen melkt aktuell über 200 Kühe

Der Milchbauer Marc Vaessen züchtet auf seinem Betrieb "VaLor Holsteins" im luxemburgischen Longsdorf derzeit 205 Kühe. Damit liegt er über dem luxemburgischen Durchschnitt von 55 Kühen pro Betrieb. Der Milchviehhalter will weiter wachsen:  "Unser Ziel ist es, im nächsten Jahr die Stallkapazitäten voll auszunutzen und rund 250 Kühe zu melken."

Um dieses Ziel zu erreichen, baute der Landwirt vor zwei Jahren für seine Herde einen neuen Milchviehstall. Er liegt umringt von Weiden an einem Hang und macht einen etwas zusammengewürftelten Eindruck. "Das liegt an unseren Bauvorschriften", erklärt Marc Vaessen lachend, der sich mittlerweile mit der etwas ungewöhnlichen Geometrie seines Stalls angefreundet hat. "Wir dürfen in der so genannten Grünzone keine Hallen bauen, die über 30 Meter (m) breit und 60 m lang sind. Also musste eine Lösung her - und das war diese verschachtelte Bauweise. Wir haben im Prinzip zwei Ställe mit einem überdachten Zwischenbereich gebaut".

Vaessen investierte knapp 10.000 Euro pro Kuhplatz für den Neubau, inklusive der Fahrsiloanlage, der Melktechnik und des Umbaus des alten Milchviehstalls.

20 Liter Lebenstagsleistung wird angestrebt

Ein Ziel von Landwirt Vaessen sind 20 Liter (l) Lebenstagsleistung. Derzeit liegt er bei 16,8 l. Auf dieses Ziel ist das Management des Betriebs ausgerichtet.

Fütterung: Der Landwirt ist ein überzeugter PMR-Anhänger, also der aufgewerteten Mischration. Seine Kühe erhalten deshalb täglich maximal vier kg Kraftfutter als Lock- und Leistungsfutter im AMS.

Die PMR ist auf 35 Liter ausgelegt und besteht zu 60 Prozent aus Grund- beziehungsweise Raufutter und zu 40 Prozent aus Kraftfutter und sonstigen Komponenten:

  • 13 kg Sandwichsilage mit 75 Prozent Mais und 25 Prozent Luzerne
  • 2 kg Grasheu
  • 1 kg Luzerneheu
  • 0,5 bis 1 kg Stroh
  • 2,5 kg Körnermais
  • 2,5 kg Weizen
  • 2 kg Soja und Raps
  • 1 kg Rübenschnitzel
  • 5 kg Biertreber

Marc Vaessen hat immer ein Auge auf die Trockensteher, bei denen ihm ein hoher Kuhkomfort und eine stressfreie Umgebung sehr wichtig sind. Die Trockensteher sind in einem Kompoststall mit Sägespänen als Einstreu untergebracht.

Landwirt Schroeder mit Milchleistung von 10.800 kg

Kraftfutterstationen stehen im Stall von Norbert Schroeder in Reimberg. Auch hier wird Leistungsfutter zusätzlich im Roboter an die 90 Kühe verfüttert. Der Roboter melkt durchschnittlich 3,1 Mal am Tag.  Die Milchleistung im Betrieb liegt bei 10.800 kg. Der Landwirt bewirtschaftet den Betrieb zusammen mit seiner Frau Rita und seinem Sohn Jeff. Den Stall bauten Schroeders vor fünf Jahren. Sie wollen die Kuhzahl auf 120 erhöhen. "Auch ein weiteres Wachstum wäre vom Platz her machbar. Allerdings ist die fehlende Ackerfläche das Problem."

In Luxemburg gibt es Fläche kaum zu kaufen. Die Konkurrenz wird durch Immobilienunternehmen noch verschärft. "Sie kaufen Flächen zu fast jedem Preis auf, da sie diese als Kompensationen für den Hausbau benötigen", so der 50-jährige Landwirt. "Hinzukommt, dass der Milchpreis derzeit nicht ausreichend ist, um Investitionen zu tätigen."

Milchpreis reicht nicht für Investitionen

Schroeders erhielten im Mai 32 Cent/l von ihrer genossenschaftlichen Molkerei Luxlait. "Das reicht bei unseren Produktionskosten nicht", erklärt Jeff Schroeder. "Wir benötigen 36 Cent zur Deckung aller Kosten. Darin ist dann allerdings noch kein Lohnansatz enthalten." Dennoch sind er und seine Eltern vom Molkereikonzept überzeugt, denn das kleine Unternehmen sammelt etwa 124.000 t Milch jährlich ein.

Norbert Schroeder ist froh über das Ende der Quote - nun kann er seine Herde aufstocken und weiter wachsen. Denn, das ist nicht nur sein Ziel, sondern auch das seiner Frau und vor allem seines 22-jährigen Sohns, der den Betrieb später einmal übernehmen möchte.

Auch interessant