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Rinderhaltung

So optimieren Sie die Fütterung auf der Weide

© agrarfoto
von am
17.04.2018

Der Wechsel der Rinder vom Stall auf die Weide sollte vorsichtig erfolgen. Die LWK Niedersachsen empfiehlt eine Anpassung von mindestens 14 Tagen.

Aufgrund der Wetterlage in diesem Jahr verschiebt sich vieles. Wo die Kühe auf die Weide kommen, sollten bei der Umstellung der Ernährung einige Punkte bedacht werden. Die LWK Niedersachsen hat Tipps für die optimale Fütterung herausgegeben.

Die Weide ist für Milchkühe nach wie vor ein preiswertes Grundfutter, das bei hohen Energiekonzentrationen im weidereifen Gras beachtliche Milchleistungen ermöglicht.

Praxiserfahrungen zeigen, dass erfolgreiche Betriebe, die das Weidemanagement beherrschen und die Kraftfuttergaben der Weideleistung entsprechend anpassen, Tagesleistungen von 18-20 kg Milch (Frühsommer) beziehungsweise 10-17 kg Milch (Spätsommer) pro Kuh aus dem Gras erreichen können.

Anpassung sollte 14 Tage dauern

Der Futterwechsel von trockensubstanzreichem, relativ gut strukturiertem Winterfutter auf strukturarmes, wasser- und sehr eiweißreiches Grünfutter mit hohen RNB-Werten bedeutet erheblichen Stress für die Pansenbakterien und erfordert daher eine langsame Umgewöhnung der Pansenflora. Diese Anpassung sollte über einen Zeitraum von mindesten 14 Tagen erfolgen, so dass die Kühe anfangs nur stundenweise auf die Weide kommen.

Hierfür bieten sich insbesondere die späten Vormittagsstunden an, da das Gras dann abgetrocknet ist und die Tiere durch die Stallration bereits weitgehend gesättigt sind. Eine abrupte Futterumstellung beeinträchtigt die Verdauung und führt nicht selten zu Durchfällen, einen Leistungsabfall und nachfolgenden Fruchtbarkeitsstörungen.

Kraftfuttermenge begrenzen

Damit die Ration hinsichtlich der Struktur wiederkäuergerecht bleibt, aber auch wegen der starken Grundfutterverdrängung, sollte die Kraftfuttermenge:

  • Bei Ganztagsweide auf maximal 7 kg pro Tag bei Kühen und maximal 5-6 kg bei Färsen begrenzt werden.
  • Bei Halbtagsweide sollte die maximale Kraftfuttermenge bei Kühen 10 kg pro Tag beziehungsweise bei Färsen 7-8 kg nicht überschreiten.

Höhere Kraftfuttergaben verteuern die Ration unnötig und haben nur noch einen geringen Effekt auf die Milchleistung, da die sich die Energieversorgung wegen der starken Grasverdrängung kaum verbessert. Leistungen deutlich über 30 kg Milch lassen sich auf der Weide kaum erfüttern.

Gras- und Maissilage für konstante Leistungen

Betriebe mit höherem Leistungsniveau gehen daher vermehrt zur Halbtagsweide über und füttern den Kühen nachts Gras- und Maissilage zu. Und dies mit gutem Erfolg, denn die Leistungen sind wesentlich konstanter und werden von der wechselnden Futterqualität sowie -menge und den unterschiedlichen Witterungseinflüssen (Hitze, Nässe) während der Weideperiode weniger stark beeinflusst.

Kraftfutter und Mineralstoffe

Zur Futterergänzung sind bei Weidegang, neben Trockenschnitzeln oder Körnermais, handelsübliche Leistungskraftfutter der Energiestufe III mit maximal 14 Prozent Rohprotein und niedrigem RNB-Wert zu empfehlen. Weidekraftfutter sollten viel beständiges Protein mit einer Abbaurate von 65-70 Prozent enthalten, um den Ammoniaküberschuss im Pansen, der die Leber in starkem Maße belastet (g hohe Harnstoffgehalte in der Milch), zu begrenzen.

Mit speziell für die Weide konzipierten Mineralfuttern (100 g pro Kuh und Tag) ist insbesondere die Natriumversorgung, aber auch der Bedarf an Spurenelementen (z. B. Selen) sicherzustellen.

Wasserversorgung wichtig

Die Wasserversorgung auf der Weide sollte als Einflussfaktor auf die Futteraufnahme nicht unterschätzt werden. Kühe benötigen je nach Temperatur 80 bis 150 Liter Wasser pro Tag. Daher ist auf ein ausreichendes Wasserangebot zu achten, wobei sich große Bottiche (bei großen Herden/großen Parzellen auch mehrere) in der Praxis bewährt haben.

Der Wasserwagen mit einer einzelnen Schalentränke, der immer noch auf manchen Betrieben vorzufinden ist, reicht für die optimale Versorgung von Hochleistungskühen absolut nicht aus. Wichtig sind auch kurze Wege zur Tränkestelle, da die Tiere den Weg zu einer weit entfernten Tränke scheuen.

Fazit:

  • Weide ist nach wie vor ein preiswertes Grundfutter für Kühe.
  • Eine langsame Gewöhnung der Tiere mit Zufütterung geeigneter Ausgleichsfutter ist unbedingt notwendig.
  • Der Kraftfuttereinsatz ist nicht zuletzt auch aus ökonomischen Gründen zu begrenzen.
  • Bei hochleistenden Herden ist eine Halbtagsweide mit Zufütterung im Stall zu empfehlen, da die Tiere deutlich besser ausgefüttert werden können.
  • Die Ergänzung von Mineralfutter ist zur optimalen Versorgung der Kühe notwendig.
  • Dem Produktionsfaktor Wasser darf auf der Weide nicht vernachlässigt werden.

6 Tipps zur effektiven Weidehaltung: Das können Sie tun

Um die notwendige Fläche zu kalkulieren, sollte bei der Vollweidehaltung pro Kuh mit etwa 0,3 bis 0,4 ha Weidefläche gerechnet werden. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Der Landwirt soll über zehn Prozent Weiderest einkalkulieren, da die Kühe auf der Weide das beste Futter selektieren. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Tränken müssen in ausreichender Größe und in nicht zu weiter Entfernung aufgestellt sein. An heißen Tagen kann der Wasserverbrauch pro Kuh auf 150 l steigen. Sind die Wege zu weit, suchen die Tiere die Tränken nicht auf. Als Faustzahl gilt: Innerhalb von 100 Metern muss die nächste Tränke erreichbar sein. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Nasse Flächen und Ecken fördern das Überleben von Parasitenlarven. Sechs bis acht Wochen vor dem Weideaustrieb empfiehlt es sich, die Herde auf Lungenwürmer zu testen. Anschließend, in der zweiten Beweidungsphase, ist es ratsam, eine Untersuchung auf Magen-Darm-Würmer vorzunehmen. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Durch Weidehaltung wird die Arbeitsbelastung bestensfalls gesenkt. Allerdings müssen die Kühe zur und von der Weide getrieben werden. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
Muss beim Umtrieb eine Straße überquert werden, sind mehrere Personen notwendig. © Maren Diersing-Espenhorst/agrarheute
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