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Milchviehhaltung

So optimieren Sie Ihre Melkzeit

am Mittwoch, 08.02.2017 - 13:00 (Jetzt kommentieren)

Wo Milchviehbetriebe bei der täglichen Melkarbeit Zeit einsparen können hat die LfL jetzt untersucht. Das sind die Zeitfresser beim Melken.

In Milchviehbetrieben mit konventioneller Melktechnik wird etwa 40% der Arbeitszeit für das Melken benötigt. Angestrebt werden Melkzeiten von 1 bis 1,5 Stunden. Was Milchviehbetriebe tun können, um dieses Ziel zu erreichen, hat die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) untersucht. Die Ergebnisse hat das Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt in seiner Ausgabe BLW 2/2017 veröffentlicht.

Durchsatzleistung

Auf die Durchsatzleistung eines Melkstands haben viele Faktoren einen Einfluss. Dazu gehören unter anderem:

  • Welche und wie Routinearbeiten im Melkstand durchgeführt werden. Hierzu zählen beispielsweise Arbeiten wie Einlassen der Kühe, Vormelken, Euterreinigen, Melkzeug ansetzen und abnehmen und Zitzen dippen.
  • Die technische Ausstattung und die bauliche Ausführung des Melkstands
  • Alle mit dem Melken verbundenen Bereiche wie Stallhygiene, Fähigkeiten und Eigenschaften der melkenden Personen, Melkkomfort für Mensch und Tiere, Verhalten und Gesundheit der Tiere sowie Anzahl der Melkpersonen.

Aus diesen Faktoren ergibt sich der Arbeitszeitbedarf für einzelne Tätigkeiten und fpr die gesamte Melkroutine. Liegt beispielsweise die Dauer der Routinearbeiten bei 75 s pro Kuh, dann können theoretisch je Stunde und Melker 48 Kühe gemolken werden. Bei 65 s wären es 55 Kühe je Stunde und Melker.

Ob diese theoretische Durchsatzleistung tatsächlich erreicht werden kann, hängt jedoch auch von

  • der Melkdauer der Kühe und damit von
  • der Milchleistung und
  • dem Milchfluss bzw.
  • der Melkbarkeit ab.

Milchleistung und -fluss

Nach Berechnungen der LfL hätte beispielsweise ein Betrieb mit 80 Kühen eine Jahresmilchleistung von 7.500 kg/Kuh mit einem durchschnittlichen Milchfluss der Herde von 2 kg/min vor, einen steigenden FGM zu bauen, wäre bei optimaler Auslastung des Melkers ein Melkstand mit 2 x 6 Melkzeugen optimal, da mit 2 x 7 Melkzeugen nur geringfügig schneller gemolken werden kann.

Je größer der Melkstand ist, desto mehr Melkeinheiten und Flächen müssen vorbereitet und nach dem Melken gereinigt werden. Ist der Melkstand schlecht ausgelastet, steigt nur der Arbeitszeitbedarf für diese Arbeiten, ohne dass sich die Melkleistung verbessert.

Ist beispielsweise die Jahresmilchleistung bei gleicher Anzahl von Kühen höher oder werden die Routinearbeiten pro Gruppe schneller durchgeführt als das Melken durchschnittlich pro Kuh dauert, entstehen Wartezeiten und zusätzliche Melkzeuge können eine Verbesserung der Melkleistung bringen. Dies aber auch nur bis zu einer bestimmten Zahl.

Anzahl der Melkzeuge

Die Melkdauer pro Kuh ist die Zeit, die der Melker im zweiseitigen Gruppenmelkstand für die Durchführung der Melkroutine zur Verfügung hat. Ist die Dauer der Routinearbeiten pro Gruppe kürzer als die Melkdauer pro Kuh entstehen Wartezeiten.

Je länger die Melkdauer ist, desto mehr Melkzeuge können bei gleichbleibender Melkroutine bedient werden und umgekehrt.

Wenn jedoch kleinere Bestände gemolken werden, kann es insgesamt wirtschaftlicher sein, Wartezeiten in Kauf zu nehmen und weniger Melkeinheiten einzubauen. Beispielsweise wird bei einer Herdengröße von 40 Kühen und einer Melkdauer pro Kuh von 6 min in einem 2 x 5 Melkstand nur um 1,5 min pro Melkzeit mehr Zeit benötigt als in einem 2 x 6 Melkstand.

Melkpersonal

Es ist wichtig, dass alle Melkpersonen möglichst gut ausgelastet sind. Soll die optimale Anzahl Melkzeuge pro Melker 2 x 6 betragen, sollten bei zwei Melkern 2 x 12 Melkzeuge installiert werden.

Um eine optimale Auslastung der Melktechnik und des Melkers zu erreichen, sollte die Melkdauer pro Kuh und die Dauer der Routinearbeiten pro Gruppe möglichst gleich groß sein.

Dauert beispielsweise das Melken pro Kuh 6 min und die Melkroutine 66 s pro Kuh, dann ergibt sich eine optimale Anzahl der Melkzeuge pro Melker von 6 Stück je Seite. Dauert das Melken aber 8 min pro Kuh, dann beträgt die optimale Anzahl der Melkzeuge pro Melker 8.

Die langsamste Kuh

Bei der Ermittlung der Melkdauer pro Kuh wird oft empfohlen, die Melkdauer der am langsamsten melkenden Kuh zu übernehmen. Es ist aber in diesem Fall auch zu hinterfragen, ob solche Kühe langfristig in der Herde bleiben sollen.

Für Kalkulationen wir mit einer durchschnittlichen Melkdauer gerechnet. Landwirte können aber einen Zeitzuschlag auf die durchschnittliche Melkdauer hinzurechnen, wenn mehrere langsam melkende Kühe in der Herde sind.

Häufig wird der Arbeitszeitbedarf über die Verweilzeit einer Kuhgruppe im Melkstand geschätzt. Dabei wird die Verweilzeit als Summe der Dauer der Routinearbeiten pro Gruppe und der Melkdauer pro Kuh berechnet. Das stimmt aber nur, solange die Dauer der Routinearbeiten pro Gruppe kürzer ist als die Melkdauer pro Kuh.

Fazit

  • Bei der Melkstandplanung ist es wichtig, nicht nur die Dauer der Routinearbeiten, sondern auch die Melkdauer pro Kuh zu berücksichtigen
  • Bei der Zucht sollte auf die Melkbarkeit geachtet werden, vor allem je höher die Milchleistung ist.
  • Die Melkdauer einer Kuh und die Dauer der Routinearbeiten pro Gruppe sollten möglichst ausgeglichen sein. Daraus kann die optimale Anzahl der Melkzeuge pro Melker ermittelt werden.
  • Zusätzliche Melkzeuge pro Melker bringen keine Verbesserung der Melkleistung. Damit steigen nicht nur die Kosten, sondern auch der Arbeitszeitbedarf für Rüstarbeiten vor und nach dem Melken, wodurch die beim Melken eingesparte Zeit wieder verloren gehen kann.
    Sollten jedoch wenige Melkzeuge eingebaut werden, entstehen Wartezeiten für den Melker und er Arbeitszeitbedarf erhöht sich. In kleineren Beständen kann es jedoch insgesamt wirtschaftlicher wein, auch die Wartezeiten in Kauf zu nehmen und weniger als die optimale Zahl Melkeinheiten einzubauen.
  • Zudem sollte die Melkstandgröße an die Herdengröße angepasst werden, die die meiste Zeit gemolken wird.

Fünf Melksysteme in Bildern

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