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Lebensmitteleinzelhandel

So rechtfertigt Aldi die Milchpreissenkung

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Redaktion agrarheute, agrarheute
am
04.05.2016

Aldi hat diese Woche die Preise für einen Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent gesenkt - um rund 25 Prozent. So rechtfertigt der Konzern die Preissenkung.

Die Preise für Milch, Butter und Sahne sind wieder kräftig gefallen. Gleich mehrere Lebensmittelhändler setzten am Montag bei Milchprodukten den Rotstift an. Der Discount-Marktführer Aldi und sein kleinerer Konkurrent Norma senkten die Preise für einen Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent - ein Preisabschlag von fast 25 Prozent. Das 250-Gramm-Paket Butter verbilligte sich von 75 auf 70 Cent. Auch Schlagsahne, Kondensmilch, Kräuterquark und Joghurt wurden günstiger.

In einer Pressemeldung rechtfertigt der Discounter die Preissenkung wie folgt.

'Überangebot auf dem Milchmarkt

"Die Unternehmensgruppe Aldi Nord hat die Verbraucherpreise für verschiedene Milch- und Molkereiprodukte am 2. Mai 2016 gesenkt. Hintergrund ist das aktuelle Überangebot auf dem weltweiten Milchmarkt", heißt es zu Beginn der Meldung. Im Rahmen der Ausschreibungen, die zweimal im Jahr stattfinden, hätten die Molkereien die Milch deshalb günstiger angeboten.

Es gehöre zu den Grundsätzen der "fairen Preispolitik" von Aldi, dass günstigere Einkaufspreise nicht einbehalten, sondern an die Verbraucher weitergeben würden, argumentiert der Konzern weiter.

'LEH nicht für das Überangebot verantwortlich'

"Wir schätzen die hohe Qualität der deutschen landwirtschaftlichen Erzeugnisse sehr und haben Verständnis dafür, dass - gerade aus Sicht der Erzeuger - die Preisbildung des Marktes die Qualität eines Produktes nicht immer angemessen wiedergibt", räumt der Konzern dann zwar ein. Doch sei der Lebensmitteleinzelhandel nicht für das aktuell herrschende internationale Überangebot von Rohmilch verantwortlich.

Auch sei Aldi "nur einer unter vielen Akteuren auf dem Milchmarkt" und nicht in der Position, eine Besserung der Auszahlungspreise an die Landwirte herbeizuführen. Dies hätte auch eine einmalige Erhöhung der Preise entgegen des herrschenden Marktpreises gezeigt, die Aldi mit Blick auf die Situation der Landwirte vor rund einem halben Jahr unternommen habe, die jedoch nicht zu einer Erholung des Marktes habe beitragen können.

Die aktuelle Lage der Milchbauern sei demzufolge nicht nur ein Thema des Einzelhandels, sondern aller Beteiligten der Wertschöpfungskette sowie der Politik. "Dies gilt vor allem, da nur rund 37 Prozent der in Deutschland hergestellten Milch- und Molkereiprodukte an den deutschen Lebensmitteleinzelhandel verkauft werden", endet die Meldung. Fast die Hälfte der von deutschen Landwirten hergestellten Milch- und Molkereiprodukte werde ins Ausland exportiert.

LBV verurteilt Preissenkung scharf

"Wer den Liter Frischmilch für 46 ct und das 250 gr. Päckchen Butter für 70 ct verschleudert, muss sich im Klaren darüber sein, dass die Landwirte davon nicht leben könnten und er sie in den Ruin treibt", verurteilt Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg, die jüngsten Preissenkungen scharf. Hier verhalten sich der Handel und die Molkereien sehr schizophren, heißt es von Seiten des LBV weiter. Auf der einen Seite würden die gesellschaftlichen Anforderungen an die Erzeugung und das Tierwohl immer weiter heraufgesetzt, auf der anderen Seite werden die Erzeugerpreise "gnadenlos und unsozial massiv gedrückt".

Wenn die Preisdrückerei nicht schnell ein Ende finde, sieht der LBV ein Sterben der Milcherzeugung und eine schneller fortschreitende Konzentration hin zu größeren Beständen voraus.

Beispiele aus den Nachbarländern zeigten, dass auch deutlich höhere Milchpreise gezahlt werden können. An die Verbraucher appellierte Wendorff, nicht auf Lockangebote hereinzufallen. Jedem müsse klar sein, wer auf Billig setzte, könne nicht immer wieder höchste Standards von den Landwirten fordern.

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