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Tiergesundheit

So schützen Sie Kälber vor Hitzestress

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am Freitag, 14.06.2019 - 09:00

Hitze stresst Kälber. Sie fressen weniger, ihr Energiebedarf steigt gleichzeitig an und dadurch wird ihr Immunsystem geschwächt. Wie Sie das vermeiden können, lesen Sie hier.

Kälber leiden schon bei 20 °C unter leichtem Hitzestress. Ab 25 °C Außentemperatur wird es richtig ernst. Ist dann die Luftfeuchtigkeit auch noch erhöht, stehen die Tiere unter massiver Belastung. Sie hecheln, fressen nicht mehr, verlieren Flüssigkeit und Elektrolyte.

Bis zu 14 l Wasser braucht ein Kalb

Hitzestress wird nicht nur durch die Außentemperatur, sondern auch durch die Luftfeuchtigkeit befeuert. Steigt die Umgebungstemperatur und gleichzeitig die relative Luftfeuchtigkeit, nimmt auch der Hitzestress zu. Mit anderen Worten: Es ist schwül und das belastet den Körper.

Erfasst werden kann dieser Stress mithilfe des Temperatur-Humidity-Indexes (THI). Steigt der THI über einen Wert von 72, beginnen Rinder unter der Hitze zu leiden. Das ist beispielsweise schon bei 23 °C und etwa 80 Prozent Luftfeuchtigkeit der Fall. Jedoch wird dieser Wert auch erzielt, wenn die Außentemperatur 28 °C erreicht, die Luftfeuchtigkeit aber nur bei 20 Prozent liegt. Je höher der THI-Wert, desto stärker leiden die Tiere.

Bei Kälbern kann Hitzestress gesundheitliche Folgen haben: Die Tiere fressen bis zu 20 Prozent weniger, haben aber aufgrund der Hitze einen um 20 bis 30 Prozent erhöhten Energiebedarf für die Erhaltung. Die Immunglobulingehalte im Blut sinken und die Abwehrkräfte sind geschwächt. Hinzukommt der Flüssigkeitsverlust der Tiere, der ausgeglichen werden muss. Gesunde Kälber saufen unter Hitzestress zwischen 7 und 14 l Wasser täglich, nur um einen normalen Flüssigkeitshaushalt zu erhalten. Ist ein Kalb krank, kann dieser Bedarf auf bis zu 23 l steigen.

Behandlungen sollten morgens durchgeführt werden

Auch der Energiebedarf steigt bei Hitzestress. Das ist ein massives Problem, denn die Tiere fressen je nach Level des Hitzestresses um bis zu 20 Prozent weniger. Gleichzeitig steigt aber allein ihr Erhaltungsbedarf um bis zu 30 Prozent. Das ist eine riesige Lücke. Sie lässt die Kälber mit einem geschwächten Immunsystem zurück. Die Tiere sind anfällig für Krankheiten und Austrocknung. Um hier den Stress der Tiere nicht noch weiter zu erhöhen, sollten Behandlungen wie Impfung oder Enthornen in den kühlen Morgenstunden oder später abends erledigt werden. Gleiches gilt für Maßnahmen wie Umstallen, Ausmisten oder Einstreuen.

Trocken und sauber muss es sein

Zudem ist auf die Fliegenbekämpfung ein besonderes Augenmerk zu legen, um die Kälber und Jungtiere nicht durch weitere Umwelteinflüsse zu stressen. Deshalb sollte die Haltungsumgebung der Tiere gerade bei hohen Außentemperaturen trocken und sauber gehalten werden. Das hilft nicht nur, die Fliegenpopulation, sondern auch das Wachstum von Mikroorganismen zu beschränken.

Bei feuchtwarmen Konditionen wachsen Bakterien, Parasiten und andere Krankheitserreger besonders gut und das gilt es zu verhindern. Deshalb müssen Tränkeequipment, Wasser- und Fütterungseimer sowie Nuckel und Flaschen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. Wird der Stall oder das Iglu gereinigt, muss auch hier desinfiziert werden. Dabei muss der Haltungsumgebung ausreichend Zeit zum Abtrocknen gegeben werden, bevor sie neu belegt wird. Das gilt besonders, wenn neugeborene Kälber eingestallt werden sollen, denn sie reagieren auf Umwelterreger ausgesprochen sensibel, da ihr Immunsystem noch nicht ausgebildet ist.

Stress im Mutterleib

Hitze stresst Kälber übrigens nicht erst im Stall, sondern bereits im Mutterleib. Untersuchungen der Universitäten von Florida zeigen, dass Kälber von Hitze gestressten Kühen rund 6 kg leichter waren als Nachkommen von nicht Hitze gestressten Müttern. Zum Absetzen der Tiere war der Unterschied sogar noch gravierender: Die Kälber von Hitze gestressten Kühen wogen rund 13 kg weniger als die Tiere von nicht Hitze gestressten Müttern. Dieser frühe Hitzestress hat Langzeitfolgen. Amerikanische Experten gehen davon aus, dass Kälber, die unter Hitze litten, ein späteres Erstkalbealter haben und in der ersten Laktation weniger Milch geben. Das erhöht die Aufzuchtkosten und senkt zum anderen die Erlöse für Milch – ein doppelter Verlust.

Schatten spenden

Es gibt also gute Gründe, den Hitzestress von Kälbern – und Trockenstehern – zu minimieren. Eine Untersuchung in Alabama zeigt, dass durch ein schattenspendendes Segel, das etwa 1 m über einem Iglu angebracht wird, die Temperatur im Iglu um 1,5 bis 2 °C gesenkt werden kann. Neben schattenspendenden Maßnahmen muss für ausreichend Luftaustausch gesorgt werden, damit die Kälber ihre Körperwärme gut an die Umgebungsluft abgeben können. Das heißt: Klappen, Fenster, Türen und Curtains werden geöffnet. Bei Gruppenhaltung sollte die Belegungsdichte reduziert werden. Durch Schwitzen und Atmen verlieren die Tiere viel Flüssigkeit. Deshalb muss ihnen immer viel sauberes Wasser zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig erhöht sich die Feuchtigkeit in der Umgebung. Das gilt nicht nur für die Luft, sondern auch für die Einstreu, die häufiger erneuert und aufgefrischt werden muss. Übrigens: Sandeinstreu leitet die Wärme besser ab als Stroh. Gefüttert werden muss während der kühleren Tageszeiten. Dabei sollte eher auf Heu und gute Grassilage gesetzt werden als auf Stroh.

Fazit

Hitze stresst Kälber und kann gefährlich für sie werden. Dieser Stress kann bereits im Mutterleib beginnen und für einen schlechten Start ins Leben sorgen. Die Kälber haben dann ein niedrigeres Geburtsgewicht und holen diesen Nachteil auch bis zum Absetzen nicht wieder auf.
Problematisch ist auch, dass die Futteraufnahme bei Hitze sinkt und gleichzeitig der Energiebedarf steigt. Dadurch wird das Immunsystem der Kälber geschwächt und erhöht gegebenenfalls das Erstkalbealter und damit die Aufzuchtkosten.
Aus diesen Gründen sollte die Nachzucht vor Hitze geschützt werden. Die Kälber müssen sich in den Schatten zurückziehen können. Der Luftaustausch muss sicher- gestellt und ausreichend Wasser und gutes Futter müssen zur Verfügung gestellt werden.
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