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Tierwohl

So verbessern Sie die Haltung im Anbindestall

Milchkühe im Anbindestall.
Dr. Andrea Rütz/BLW
am
27.09.2016

Wo Stallneubauten oder große Investitionen in den nächsten Jahren nicht geplant sind, werden Anbindeställe weiter genutzt. Auch hier gibt es einfache Optimierungsmaßnahmen für mehr Wohlbefinden der Kühe.

Vor allem in Bayern, wo die Betriebe kleiner strukturiert sind, wird derzeit etwa jede dritte Kuh im Anbindestall gehalten. Tierärztin Dr. Andras Rütz hat im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt Ausgabe 30/2016 erklärt, was man dennoch für mehr Wohlbefinden der Tiere im Stall machen kann.

1. Tränken

Der Wasserbedarf von Milchkühen liegt bei 3 bis 6 Liter pro Kilo aufgenommener Trockenmasse. Bei warmen Temperaturen steigt der tägliche Bedarf auf bis zu 200 l/Tier und Tag an. In vielen Anbindeställen befinden sich alte Schalentränken, deren Betätigung einen recht hohen Druck erfordert und einen geringen Zulauf hat.

Ein "Aufbohren" verbessert den Zulauf, führt aber häufig dazu, dass der Trog oder die Liegeflächen eingenässt werden. Ideal ist ein Umrüsten auf größere Tränkeschalen mit entsprechend hohem Zulauf. Eine zusätzliche Frostsicherung ist empfehlenswert, um bei niedrigen Temperaturen den Stall weiterhin möglichst offenhalten zu können.

2. Liegeflächen

In vielen Anbindeställen sind die Kühe auf Kurzständen untergebracht, die mit Gummimatten belegt sind. Die mittlerweile großrahmiger gezüchteten Kühe liegen mit ihrem Euter auf dem Gitterrost, was die Gefahr eine umweltbedingten Euterentzündung deutlich erhöht. Es lohnt sich, die Standflächen nach hinten zu verlängern und mit neuen Komfortmatratzen auszustatten. Eine ausreichende Einstreu sorgt dafür, dass die Gelenke geschont und Flüssigkeiten aufgesaugt werden.

Den besten Tierkomfort bietet eine Kalk-Stroh-Matratze. Hier ist zwar ein höherer Aufwand nötig, allerdings ist der Investitionsaufwand gering. Bei zu schmalen Liegeplätzen können häufig nicht alle Tiere gleichzeitig liegen. Hier ist es sinnvoll, die Trennbügel herauszunehmen und die Plätze auf mindestens 1,25 cm zu verbreitern.

3. Kopfraum

Die Futterkrippe sollte maximal 35 cm hoch sein. Der Einsatz einer elastischen Trogwand kann den Liegekomfort deutlich verbessern und das Aufstehen erleichtern. Unnötiges Material, das die Kühe im Kopfbereich beim Aufstehen hindert, sollte entfernt werden.

Eine zu straffe Anbindung stört die Tiere in ihrem Bewegungsablauf und es kommt häufiger zu Problemen beim Abliegen und Aufstehen mit der Folge von Gelenksentzündungen, Klauenerkrankungen und Zitzenverletzungen. Hier ist es sinnvoll, den Kühen einen Spielraum von 30 bis 40 cm nach vorne zu gewähren. Grabnerketten oder Textile Halsbänder sind gut geeignet. Gelenkhalsahmen mit ausreichendem "Spiel" erleichtern das gruppenweise Handling der Kühe.

4. Stallklima

Das Stallklima ist in alten Anbindeställen oft ein Problem. Hitzestress beginnt für Milchkühe bereits ab 20°C. Schon ab dieser Temperatur beginnt die Futteraufnahme und die Milchleistung zu sinken. Ställe sind deshalb so weit wie möglich zu öffnen. Falls es möglich ist, ist es sinnvoll, Fensterflächen zu vergrößern oder zusätzliche Belüftung zu installieren. Ein gutes Belüftungskonzept mit gezieltem Einsatz von Axialventilatoren oder der positiven Druckbelüftung kann sinnvoll sein um beispielsweise Stoffwechselbelastungen zu mindern.
 

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