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So vermeiden Sie Hitzestress bei Kühen

kuhdusche
am Freitag, 27.07.2018 - 12:55 (Jetzt kommentieren)

Ein bisschen schwitzen hat noch niemandem geschadet? Doch, Ihren Kühen und vor allem Ihren Trockenstehern. Warum Hitzestress so gefährlich ist und was Sie dagegen tun können, lesen Sie hier.

Kühe auf Stroh im Abkalbebereich

Kühe geraten bei heißen Temperaturen in Stress. Ihre Komfortzone liegt bei kühlen Werten zwischen 5 und 18 °C. Steigen die Temperaturen höher, hat dies einschneidende Folgen.

So sinkt die Milchleistung von Kühen, die in der Trockensteherperiode unter höheren Temperaturen litten. Wissenschaftler der Universitäten Florida und Mississippi fanden heraus, dass Kühe, die in der Trockensteherzeit mit Ventilatoren und Wasser gekühlt wurden, mehr Milch in der darauffolgenden Laktation gaben, als die, die währenddessen der Hitze ungeschützt ausgesetzt waren.

 

Mit Material von agrarheute, Anneke Struck

Kälber leiden mit

Die Hitze hat aber nicht nur direkte negative Auswirkungen auf die Kuh. Auch die Kälber dieser Hitze gestressten Tiere haben mit den Folgen zu kämpfen. Denn das Kolostrum von Kühen, die im nicht gekühlten Stall unter der Hitze litten, hatte eine schlechtere Qualität und enthielt weniger Immungloboline. Das wiederum wirkt sich negativ auf die Kälbergesundheit aus. Sie waren deshalb nach Angaben der Wissenschaftler krankheitsanfälliger und verließen häufiger noch vor dem zwölften Lebensmonat die Herde.

Hinzu kommt, dass Kälber von hitzegestressten Kühen durchschnittlich eine Woche vor dem errechneten Termin geboren wurden und rund 13 kg leichter waren als die Kälber von gekühlten Kühen. Das Gewichtdefizit konnten sie bis zum Zeitpunkt des Absetzens auch kaum wieder einholen. Auch in puncto Milchleistung hingen diese Tiere hinterher. Sie starteten, genau wie ihre Mütter, schlechter in ihre erste Laktation.

Hitzestress vermeiden - so geht's:

 

  • Uneingeschränkter Zugang zu kaltem, sauberen Wasser. Kühe trinken bei hohen Temperaturen rund 50 Prozent mehr Wasser als an den kühleren Tagen. Nach Informationen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen nehmen Milchkühe an heißen Tagen bis zu 150 Liter Wasser zu sich. Eine Kuh die pro Tag 40 Liter Milch gibt, benötigt somit bei Hitze drei bis vier Liter Wasser, um einen Liter Milch zu produzieren. Dafür sind ausreichend Tröge einzubauen, das heißt 10 cm Tränkenlänge pro Kuh beziehungsweise eine große Tränke für 20 Tiere.

 

  • Das Füttern anzupassen, kann den zunehmenden Erhaltungsbedarf der Kühe und die geringere Futteraufnahme auffangen. Die Milchleistung sinkt nicht so stark ab. Dafür wird empfohlen, häufiger auszufüttern und das Futter öfter anzuschieben. Einen besseren Appetit haben die Tiere auch, wenn das Futter zu den kühleren Tageszeiten, etwa in den Abendstunden, vorgelegt wird. Die Ration selbst kann auch angepasst werden. Der Feuchtegehalt der TMR kann auf 45 bis 50 Prozent angehoben werden. So wird sie kühler und die Kühe fressen sie lieber.

 

  • Die Luftbewegung im Stall muss steigen. Offene oder ausgehängt Tore, Curtains und Fenster sind der beste Weg, um viel Luftbewegung in den Stall zu bringen. Sind Windschutznetze angebracht, müssen diese sauber sein. Auch Windstopper wie Strohballen oder Maschinen vor den Stallungen sollten aus dem Weg geschafft werden, denn eine Kuh veratmet und verschwitzt bei 23 °C rund 24 l Wasser am Tag, die abtransportiert werden müssen. Die Luftgeschwindigkeit sollte zwischen 1 und 2,5 m pro Sekunde liegen. Nur so wird ein Temperaturabfall zwischen 3,3 °C und 5,6 °C erreicht.

 

  • Kommt der Stall baulich an seine Lüftungsgrenzen, muss nachgeholfen werden. Ventilatoren in ausreichender Stückzahl und perfekter Position sind da ein guter Weg. Je nach Leistung und Flügelraddurchmesser muss auf die Reichweite und auf die Angabe zum umgewälzten Luftvolumen geachtet werden. Diese sind von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Auch der Vorwartehof muss mitgedacht werden. Dort steht die zu melkende Herde zweimal am Tag dicht gedrängt.

 

  • Wasser in Kombination mit Luft senkt den Stress der Herde zusätzlich. Feine Düsen an Ventilatoren verteilen das Wasser nebelartig über den Tieren und die Luft aus den Ventilatoren bläst die feuchte und warme Luft um die Tiere herum weg.

 

  • Ein kurzer Gang unter die Kuhdusche kann ebenfalls Abhilfe schaffen. Die Sprinklersysteme sind dafür in ­einzelnen Bereichen des Stalls installiert. Wichtig ist, dass diese weder die Liegebereiche noch das Futter befeuchten.

 

  • Auch den Weidetieren wird schnell zu warm. Schattige Plätze oder der Zugang zum Stall werden bei höheren Temperaturen von den Kühen gerne genutzt. An heißen Tagen halten sie sich sogar tagsüber eher im Stall auf und gehen nur in den frühen Morgen- oder in den späteren Abendstunden auf die Weide.

 

Cool: Kuhdusche gegen den Hitzestress

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